Habanai zur besten Kulturtradition gewählt!

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Gerhard Göttler
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Registriert: Mi 14. Sep 2005, 12:36

Habanai zur besten Kulturtradition gewählt!

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hallo Niger-Interessierte!

Die Habanai-Regel der Wodaabe (= Bororo) im Niger wurde von UNESCO und IDEAM im Jahre 2006 zur weltbesten Kultur-Tradition erklärt!

Habanai (ungefähr Solidarität, Verbundenheit) besteht darin, dass die Mitglieder eines Clans einem ihrer Mitglieder, das z.B. in einer Dürre seine Rinderherde verloren hat für einen Zeitraum von 3 Jahren eine trächtige Kuh "leihen" (Vieh-Leihe), damit der Verarmte sich wieder eine Herde aufbauen kann. Nach diesem Zeitraum gibt er das Rind zurück, behält aber die Kälber für sich.

Über einige Jahre hinweg habe ich übrigens selbst eine abgewandelte Form der Habanai praktiziert: Ich habe einer mir gut bekannten Wodaabe-Familie vier Rinder geliehen (eine Rückgabe war nicht vorgesehen), dann aber jeweils bei Besuchen darüber entschieden, wem innerhalb dieser Familie die zwischenzeitlich geborenen Kälber gehören sollten. Meine Wahl fiel bei diesen dezent patriarchalischen Leuten stets auf die Frauen, um sie für ihre alltäglichen Mühen mit Melken, Buttermachen ... zu entschädigen. Auch war es mir ein (vielleicht nicht ganz sinnvolles) Anliegen, dabei stets die Rinderrasse Bororodji zu fördern, die Lieblingstiere der Wodaabe, großrahmige Tiere, mit langen, geschwungenen Hörnern, fleckfrei dunklem Fell, dabei sehr friedfertig und scheu. Gerade diese Rinder sind aber eher nicht dürreresistent. Deshalb war es damals mit viel Fahraufwand verbunden, auf den weiter im Süden liegenden Viehmärkten solcher und noch zudem gesunder Rinder habhaft zu werden. Leider kam der Kontakt zu "meinen Leuten" im Laufe der Jahre zum Erliegen. Und so weiß ich nicht, wie es heute "meinen" Rindern geht. Der Familien-Clan hatte damals aber noch die Genehmigung erhalten, seinen eigenen Brunnen zu graben; er liegt irgendwo im Dreieck Agadez-Tahoua-Dakoro. Leider habe ich auch diesen nie mit eigenen Augen gesehen ... Schade, dass das Reisen in diese Gebiete heute so aufwendig geworden ist. So ändern sich eben die Zeiten und wir uns in diesen.

Gerhard Göttler
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