Ich mache an dieser Stelle mal eine neue Kommunikation zum Thema "Mauretanien/Anreise/Verhältnisse" auf, denn der andere thread ist mittlerweile zu alt und nicht mehr zielführend für Leser, die aktuelle Informationen suchen. Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf eine Reise, von der ich gerade zurückgekommen bin:
Zeit: September 2017
Fahrzeug: Toyota Landcruiser, HJ60
Anreise: Strassen in Marokko bis zur Grenze ohne Ausnahme sehr gut. Ab Tan-Tan regelmässig freundlichen Polizeikontrollen (fast immer die Fragen nach dem (vorbereiteten) Fiche, nach dem Woher und Wohin und nach dem Beruf).
Tanken: Vor und an der Grenze kann problemlos und billig getankt werden. Diesel ca. 70 - 80 Cent. Nur noch Barzahlung ab Agadir.
Ausreise Marokko: Polizei, Zollformular, Wagenkontrolle, nochmals Polizei-Endkontrolle vor der Einfahrt ins "Niemandsland".
Ab Durchfahrt der Marokkanischen Schranke unmittelbar Angebote zum Geldwechseln, Gegenstände zum Abkauf und Angebote zur Einreisehilfe nach Mauretanien. Über diese Angebote und über die Frage, ob man die Einreise nach Mauretanien selbst oder mit deren Hilfe organisiert, wird ja in privaten Blogs und öffentlichen Foren hinreichend diskutiert. Wir haben es gemacht. Ahmed sein Name. Professionell, schnell und effektiv. Er hat EUR 10,00 verlangt und wollte danach auch nicht mehr. Er schiebt (1) die Pässe auf den zuständigen Schreibtischen nach vorne, so dass man schneller drankommt und (2) hilft er dem Einreisenden auch die notwendige Reihenfolge in den verschiedenen Administrationsstellen einzuhalten.
Einreise Mauretanien: Polizei-Eingangskontrolle, dann Zollbestätigung (Gebühr EUR 10,00), dann Visum (Kosten EUR 55,00; man wird fotografiert, die Finger gescannt), Autoversicherung für 15 Tage (Kosten EUR 10,00), schliesslich Polizei-Endkontrolle. Alles läuft ohne Schiebung und absolut korrekt ab. Zeitdauer eineinhalb Stunden.
Lage in Mauretanien: Bekanntermaßen gibt es eine Reisewarnung für Mauretanien u.a aus D, CH, Ö, CH, F. Wir trafen in Mauretanien keinen Reisenden; absolut niemand. Die Situation schien uns während des gesamten Aufenthaltes völlig ungefährlich; Polizei, Armee und die Leute, denen wir begegneten, waren alle korrekt und freundlich. In den Wüsten- und Oasenregionen bedauert man die Reisewarnungen und die dadurch ausbleibenden Touristen. Es wird in Atar behauptet, dass die französische Gesellschaft, Point Afrique, die u.a. Atar auch früher anflog, ihre Flüge zum Ende des Jahres wieder aufnehmen will.
Einige Pisten- und Streckenhinweise:
(1) Die sog. "Eisenerzpiste" ab Bou Lenouar nach Choum: Es ist tatsächlich so, dass der Beginn dieser Piste schwierig zu finden ist. Man muss durch den Ort fahren und sich dann nach Osten orientieren und in Sichtweite der Bahnschienen bleiben. Es gibt keinen „Beginn einer Piste“. Meines Erachtens ist die gesamte Piste jedoch keinem Anfänger zu empfehlen. Zwar ist die Orientierung wegen der Eisenbahnstrecke grundsätzlich nicht schwer, aber von Spuren oder gar einer "Piste" kann zu 70 Prozent nicht die Rede sein. Der Streckenverlauf ist stark verweht und hat zum Teil längere und schwierige Weichsandpassagen und es häufen sich mittelhohe Dünen auf der ehemaligen Piste, durch die man sich den Weg bahnen muss. Der Reifendruck sollte erheblich abgesenkt sein und die vielen Senken und Hügel und engen Grassbüschelpassagen mit dem notwendigen Tempo gefahren werden, denn andernfalls ist aufwändiges Schaufeln notwendig. Ausser einem Militärposten nach ca. 200 km haben wir in den zweieinhalb Tagen der Durchfahrt keinen anderen Wagen gesehen. Die Piste wird praktisch nicht benutzt. Der Ort Inil existiert quasi nicht. Es gibt bis nach Choum keine Versorgungsmöglichkeit. Die letzten ca. 15-20 km vor Choum sind einfache Piste. Am Monolith Ben Amera kann man sehr gut campen, sollte allerdings vor den langen Stacheln der Tamarisken aufpassen. Generell hatten wir jede Nacht extreme Winde zwischen 6-7 Beaufort.
(2) Strecke Choum – Atar: Neue Teerstrasse, absolut unproblematisch; Wüsten-und Gebirgslandschaft. Atar hat alle Versorgungsmöglichkeiten. Kleines Museum an der Ausfallstrasse nach Süden. Werkstätten, Hotels, Tankstellen. Es gibt über mittags häufig keinen Strom.
(3) Strecke Atar – Chinguetti: Pistenbeginn ist ausgeschildert und beginnt im Nordwesten von Atar (dort wo man von Choum hereinfährt). Piste (z.T. über den Pass mit Asphalt) ist unproblematisch und kann bis Chinguetti mit höherer Geschindigkeit gefahren werden. Auf der Strecke kann man einerseits schöne Felsenzeichnungen besichtigen (an der Piste ausgeschildert) und anderseits (am selben Abzweig) an einer Gebirgskante einen Blick auf das Fort Sagane werfen. Wir konnten nicht direkt an das Fort fahren, denn die Abfahrt war durch Stürme und geringe Benutzung unpassierbar. Im ca. 1918 gegründeten neueren Teil von Chinguetti gibt es verschiedene Unterkünfte. Andere Reisende gab es in Chinguetti nicht. Mit einem lokalen Führer kann man sich von aussen die Moschee ansehen und die Bibliothek mit originalen Schriftrollen und Manuskripten besuchen. Eine geringe Gebühr wird fällig.
(4) Strecke Chinguetti – Oudane: In den Karten ist eine nördliche und eine südliche Piste nach Oudane eingezeichnet. Die südliche Piste beginnt im (ehemaligen) Flußbett von Chinguetti und verläuft relativ exakt immer nach Nord-Ost. Auch auf dieser Piste, vorallem zu Beginn, ist mit viel Weichsand zu rechnen. Es gibt kaum Orientierungsspuren und der ehemalige Pistenverlauf ist stark verweht, denn die Strecke wird nicht benutzt; alle benutzen die neue Piste nördlich des Gebirgskamms. Man passiert zwei kleinere Ortschaften. Die neuere Piste verläuft unspektakulär, ist einfach zu fahren und hat viel Sandblech.
(5) Strecken Atar – Terjit – Nouackchott – Bou Lanour: Unproblematische und gute asphaltierte Strassen.
Mauretanien - Informationen Stand 09/2017
Moderator: Moderatoren
Re: Mauretanien 09/2017
tach,MLockl hat geschrieben:
Einreise Mauretanien: (...)
dann Visum (Kosten EUR 55,00; man wird fotografiert, Zeitdauer eineinhalb Stunden.
kleine anmerkung zur einreisedauer:
1,5 std. nur wenn es optimal läuft.
gerne fällt das für die visumserteilung notwendige internet mal aus. bei uns letztens für
ca. 3,5 std., es haben aber durchaus auch schon leute an der grenze übernachtet weil es erst am nächsten tag wieder eine verbindung gab.
Re: Mauretanien 09/2017
korrekt,MLockl hat geschrieben:Es wird in Atar behauptet, dass die französische Gesellschaft, Point Afrique, die u.a. Atar auch früher anflog, ihre Flüge zum Ende des Jahres wieder aufnehmen will.
erster flug paris - atar am 24.12.17.
mehr info + buchungsmöglichkeit online:
http://point-afrique.fr/vols-secs/
Re: Mauretanien 09/2017
Hallo MLockl,
willkommen an Bord und Danke für Deinen aktuellen Bericht.
Ein paar kleine Anmerkungen habe ich auch noch.
- Es kann auch zwei Tage oder länger bei der Einreise nach RIM dauern, eben solange bis das Computersystem wieder "online" ist.
- F hat definitiv, zumindest seit 3. März 2017, keine aktuelle Reisewarnung für die Gebiete der RIM herausgegeben, in der Du warst:
http://www.diplomatie.gouv.fr/fr/consei ... auritanie/
zu (1): Gerade die Strecke NDB-Choum würde ich Anfängern, die Fortgeschrittene werden wollen, empfehlen, da es dort fast unmöglich ist, sich zu verfahren und fast jeden Tag mindestens ein Zug vorbeikommt - gut - "Nichts ist unmöglich - Toyota."
zu (2): Es gibt in Atar auch Campingplätze, z.B. den "Bab Sahara".
zu (3): " Piste (...) kann bis Chinguetti mit höherer Geschindigkeit gefahren werden."
Aber nicht zu schnell, da gab es schon Tote in der Flugplatzkurve, siehe meinen Beitrag vom 11.1.11:
fahrzeugwracks-in-der-sahara-t39483-135.html
Gruß
Ferdi
mauretanien-atar-tidjikja-kiffa-t47269.html
freiburg-bamako-in-14-bildern-dezember- ... 44819.html
willkommen an Bord und Danke für Deinen aktuellen Bericht.
Ein paar kleine Anmerkungen habe ich auch noch.
- Es kann auch zwei Tage oder länger bei der Einreise nach RIM dauern, eben solange bis das Computersystem wieder "online" ist.
- F hat definitiv, zumindest seit 3. März 2017, keine aktuelle Reisewarnung für die Gebiete der RIM herausgegeben, in der Du warst:
http://www.diplomatie.gouv.fr/fr/consei ... auritanie/
zu (1): Gerade die Strecke NDB-Choum würde ich Anfängern, die Fortgeschrittene werden wollen, empfehlen, da es dort fast unmöglich ist, sich zu verfahren und fast jeden Tag mindestens ein Zug vorbeikommt - gut - "Nichts ist unmöglich - Toyota."
zu (2): Es gibt in Atar auch Campingplätze, z.B. den "Bab Sahara".
zu (3): " Piste (...) kann bis Chinguetti mit höherer Geschindigkeit gefahren werden."
Aber nicht zu schnell, da gab es schon Tote in der Flugplatzkurve, siehe meinen Beitrag vom 11.1.11:
fahrzeugwracks-in-der-sahara-t39483-135.html
Gruß
Ferdi
mauretanien-atar-tidjikja-kiffa-t47269.html
freiburg-bamako-in-14-bildern-dezember- ... 44819.html




