Kuno hat geschrieben:
Und der Begriff "befreit" ist so abwegig auch nicht nachdem die Tuaregrebellen vor einiger Zeit einen eigenen Staat auf dem Gebiet Malis ausgerufen hatten.
Naja, der Befreiungsanspruch ging von NLMA aus, aber deren Erfolg hat ja nur wenige Tage angehalten. Wenn die Zahlen stimmen sind 350.000 Leute aus dem Norden nach Süden oder in Nachbarländer geflohen. Das dürfte mehr als ein Viertel der Bevölkerung des Nordens sein!! Bei denen wird das Gefühl der Befreiung nicht sehr stark ausgeprägt gewesen sein.
Kann jemand grob einschätzen wir viele Leute in den von Bärtigen besetzten Gebieten sich je nach Gegend davon sich als Tuareg verstehen?
wuefu hat geschrieben:Mir wird jetzt erst die Tragweite des Krieges in Libyen bewußt. Dass nämlich gewaltige Mengen an Waffen (nicht nur 0815 Schießgewehre) außer Landes gebracht wurden und das noch dazu geduldeter Weise über fremdes Territorium.
Wuefu; was verstehst du unter dem Begriff "gewaltige Mengen von Waffen"?
Jeremy Keenan:
Le professeur Jeremy Keenan de l'Université de Londres a déclaré à la BBC que la prise des otages est sans doute un "inside job", avec la complicité du pouvoir algérien (DRS) car les sites gaziers et pétroliers algériens sont des plus sécurisés au monde, au point où durant la guerre civile des années 90, les islamistes n'ont jamais pu les atteindre. http://www.siwel.info/Le-pouvoir-algeri ... a4486.html
Ausführungen von Keenan in Englisch (unten). Keenan äussert sich auch zur Zahl der Waffen, die von Libyen aus nach Mali gebracht worden sein sollen - was hier ja auch schon zur Diskussion stand.
Man kann von Keenan halten, was man will, aber es ist schon erstaunlich, dass die Erdölindustrie bisher unbehelligt blieb (weil extrem bewacht?) und jetzt handstreichartig "erobert" werden konnte. Offenbar ist die Sache ja noch am Laufen.
Oh, unser ganz besonderes Stehaufmännchen: Mokhtar Benmokhtar ist der einzige "Terroristenführer", der seit 1991 nie erwischt wurde, der dauernd irgendeine andere Gruppe kommandiert.
Wie die Algerier ihren Bürgerkrieg gewonnen haben, ist mittlerweile hinreichend analysiert und publiziert: Durch Unterwanderung der AIS, später der GIA, später der GSPC... Die drei Halbzüge "GSPC-Kämpfer" in Mali sind auch immer wieder identifiziert worden. Da gibt es Kontakte, da gibt es sicher Aktionen auf eigene Rechnung, neue Verbündete, und jede Menge an "Zusammenwirken", das sich unserer Vorstellung von Logik entzieht.
Aber darf ich jetzt dafür plädieren, die deutschsprachigen 0815-Medien als "Quellen" (des Unfugs) zur Seite zu stellen?
- Das "Risiko" des französischen Einsatzes in Mali ist das des Kleinkriegs mit eigenen Verlusten (und damit Verlust des Rückhalts in Frankreich), mit "collateral damage" (und damit Unmut in Mali), der Kosten einer längerdauernden Säuberungsaktion, weil die Afrikaner (von der malischen Armee zuschweigen) das schlicht nicht allein hinbekommen. In Algerien gab es immer wieder Anschläge - ja und?
- "Soldaten" des eigenen Glaubens ist im Verständnis der Jihadisten jeder, Atheisten/Agnostiker kommen in der gedankenwelt nicht vor, ergo ist jeder Europäer/Amerikaner ein "Kreuzritter" oder so was ähnliches. In In Amenas sind mehr oder weniger qualifizierte Techniker aus allen Herren Ländern tätig, sonst funktioniert die Öl- und Gasförderung schlicht nicht.
- "Schlimmer als Afghanistan" ist die Topographie von Mali für die Herren von der AQIM oder wie sie sich gerade nennen: Aus der Luft aufklärbar, fast alles befahrbar, weite Regionen menschenleer, d.h. shooting range für die Luftwaffen aller, die mitmachen wollen, mit minimalstem Risiko die Falschen zu treffen. Ja, das Aufspüren der "Versickerten" wird dauern, das Ausräumen der Waffenlager, vor allem der Aufbau einer gemeinsamen Basis zwischen der Zentralregierung in Bamako und den Touareg. Aber sonst? ..fürchte ich die veröffentlichte Meinung an der Heimatfront.
In Amenas wird deshalb spannend - egal, ob ein paar algerische Offizielle weggesehen haben oder ob der Geist jetzt wirklich aus der Flasche ist (pardon: die fünfte Kolonne außer Kontrolle) - weil damit die wirtschaftliche Basis Algeriens angegriffen wurde und sich gerade die USA nicht sagen lassen, wie sie mit Geiselnehmern umgehen sollen. Entwischen lassen ist nicht drinnen: Big brother sieht mit seinen Satelliten und Drohnen alles
Grüsse
Peter
Nachtrag ob des kreuzenden Beitrags: In ein paar (historischen?) Grundannahmen gehen ich mit Keenan nicht konform, die aktuellen Zusammenhänge hat er mE richtig beschrieben. Damit ist aber klar, warum sich bisher niemand an der Ölindustrie vergreifen durfte - da war sich der algerische Sicherheitsapparat bisher einig. Spräche also für einen Alleingang einiger Leute aus der zweiten Reihe.
Andererseits - Wenn das jetzt das algerische "Opfernarrativ" werden soll, auch um die bisherige "opaqe" eigene Rolle zu beschönigen/zu verwischen: Gelegentlich muss auch ein "Eskalationsweltmeister" deeskalieren. Wenn sich USA und Frankreich in der Region einmal einig sind - was sie schon lange nicht waren - sollte man nicht beiden gleichzeitig auf den Schwanz steigen.
wuefu hat geschrieben:Wuefu; was verstehst du unter dem Begriff "gewaltige Mengen von Waffen"?
Michael.... ich habe eigentlich dich gefragt, was du unter dem Begriff "gewaltige Mengen" verstehst. Dann einfach einen Link einhaengen... naja.
Also. Da steht fogendes: "Schon im November 2011 hatte er damit geprahlt, dass seine Gruppe zahlreiche Waffen aus geplünderten Beständen der libyschen Armee erhalten habe. Seither dürfte er sein Arsenal noch weiter aufgestockt haben. Beobachter fürchten, Belmochtars Männer könnten inzwischen auch über Panzerabwehrgeschosse und Boden-Luft-Raketen verfügen."
Aus den "gewaltigen Mengen" werden nun "zahlreiche Waffen".
"Beobachter fuerchten"... Panzerabwehrgeschosse... das sind die normalen alten RPG. Richtig eingesetzt immer noch eine wirkungsvolle Waffe aber nun nicht wirklich etwas, was nicht auch bereits vorher in der Hand praktisch eines jeden Rebellen war (grosszuegig geliefert von den antiimperialistischen Freunden aus dem ehemaligen Ostblock). Dann die ManPads. Bisher wurden die angeblich in groesserer Anzahl ueber die Grenzen verschobenen ManPads noch nirgends eingesetzt. Vielleicht auch deshalb, weil die meisten gar nicht mehr funktionierten. Im Gegensatz zur RPG braucht's da noch eine Batterie...
Noch ein Nachtrag, Michael. Schau dir mal weiter oben das Video mit Keenan an - ich habe gerade gesehen, dass auch er die anzahl der transferierten Waffen bezweifelt und offen die Frage stellt, warum denn keiner bisher auch nur eine einzige der ManPads eingesetzt hat...
Und vielleicht noch das: Was glaubst du haben die Natoflieger mit Prioritaet vernichtet, als sie ueber LY im Einsatz waren? Da waren oft dutzende von Fluegen durchgefuehrt worden und in den Meldungen hiess es nur, dass dabei zwei Pickups abgeschossen worden waren. Geh einfach mal auf GE und schau dir die Stellen an, wo Gaddie mitten in der Wueste all seine Lager und Bunker hatte - bei den meisten haengen die Tueren nicht mehr in den Angeln.
Kuno hat geschrieben:Noch ein Nachtrag, Michael. Schau dir mal weiter oben das Video mit Keenan an - ich habe gerade gesehen, dass auch er die anzahl der transferierten Waffen bezweifelt und offen die Frage stellt, warum denn keiner bisher auch nur eine einzige der ManPads eingesetzt hat...
Und vielleicht noch das: Was glaubst du haben die Natoflieger mit Prioritaet vernichtet, als sie ueber LY im Einsatz waren? Da waren oft dutzende von Fluegen durchgefuehrt worden und in den Meldungen hiess es nur, dass dabei zwei Pickups abgeschossen worden waren. Geh einfach mal auf GE und schau dir die Stellen an, wo Gaddie mitten in der Wueste all seine Lager und Bunker hatte - bei den meisten haengen die Tueren nicht mehr in den Angeln.
Hallo Kuno,
naja, erst einmal stellt sich für mich die Frage, wieviele einsatzbereite Manpads diese Terroristen wirklich in Libyen erbeutet haben. Und sind die auch jetzt noch, nach Transport/Schmuggel bis nach Mali, noch funktionsfähig? Können die Bärtigen die pflegen und warten?
Das zweite ist, was sind das für Raketentypen? Mir erscheint die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um ältere "Grail" (SA-7) handelt. Dazu sollte man vielleicht wissen, dass während des ersten Afghanistankriegs (gegen die Sowjets) die Muhjaheddin mit Grails auserüstet waren. Ergebnis war, dass russische Hubschrauber ziemlich uneingeschränkt dort trotz der SA-7 operieren konnten.
Änderte sich erst, als die Muhjahedding amerikanische Stinger-Raketen bekamen.
Drittens, die Einsatzmöglichkeiten solcher Manpads sind eng begrenzt. Ungefährlich sind die nicht! Aber die effektive Einsatzhöhe liegt niedrig. Und gegen schnellfliegende moderne Kampfjets ist die Erflgsaussicht nicht allzu hoch. Immerhin, gegen niedrig fleigende Hubschrauber und Transportflugzeuge immer noch wirksam.
..fürchte ich die veröffentlichte Meinung an der Heimatfront.
Wie wahr!
Wenn das jetzt das algerische "Opfernarrativ" werden soll [..]
Das war mein erster Gedanke, zumal die Lage praktisch danach schreit anschließend mit dem Finger auf den östlichen Nachbarn zu zeigen. Das wird nicht lange auf sich warten lassen.
Das war mein erster Gedanke, zumal die Lage praktisch danach schreit anschließend mit dem Finger auf den östlichen Nachbarn zu zeigen. Das wird nicht lange auf sich warten lassen.
et voilà:
Qu’importe de savoir d’où les groupes terroristes sont-ils venus et de quelle nationalité sont-ils ! De Libye ou du Mali.
Algerischer Innenminister soll bestätigt haben, dass es sich um algerische Entführer handele.
« Le groupe terroriste, qui a attaqué la base de vie n’est entré ni du Mali, ni de Libye, ni d’un quelconque autre pays voisin », a indiqué M. Ould Kablia dans une déclaration à la Télévision algérienne.
Il s’agit d’un groupe d’une vingtaine de terroristes « issus de la région », qui auraient agi sous les ordres et les instructions du terroriste Mokhtar Belmokhtar, a-t-il ajouté.
Ich kämpfe mich gerade durch meine algerischen Presselinks - die Bestätigung gibt's mehrfach, "homegrown terrorism".
Aber es scheint vorbei zu sein, frei nach den Blues Brothers "Die Anwendung unnötiger Gewalt ist freigegeben" (algerische Meldungen immer ohne Gewähr): Erstürmung durch die Armee, 4 Geiseln befreit, 34 andere und 15 Entführer getötet.
Die Le Monde schreibt:
15 h 20 : Déluge de bilans invérifiables. Des bilans contradictoires et invérifiables circulent sur l'assaut en cours de l'armée algérienne : l'agence mauritanienne ANI, Reuters et Al Jazeera évoquent entre 35 et 6 morts parmi les otages, entre 35 et 8 morts parmi les djihadistes. L'agence Reuters, citant une source algérienne dans un village proche, affirme par ailleurs que 180 otages algériens et 25 étrangers se seraient enfuis.
Neuester Hinweis: Eine amerikanische Drone soll das Gebiet von In Amenas überflogen haben (CBS und Le Monde).
Im folgenden Link gibt`s ein paar Hinweise auf Verhandlungen, die möglicherweise stattgefunden haben (16.30 Uhr). Ebenfalls wird der Innenminister für seine gestrige Aussage kritisiert, die Bärtigen stammten aus Algerien. "Les terroristes sont certainement venus de Libye"...
Dieses Video aus einem al Kaida Forum zeigt angeblich AQIM Terroristen in Mali. Ab Minute 7:50 werden Waffen gezeigt u.a. ein, ich bezeichne es mal als Raketenwerfer. Weiss jemand, was das genau für Waffen sind und welche Schlagkraft die haben?
Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
Das sieht mir ganz nach einem Viererpaket von Werferrohren fuer die GRAD Raketen aus. Die GRAD wird regulaer zum Flaechenbeschuss eingesetzt. Durchschlagskraft hat sie in diesem Sinne eigentlich nicht. Normalerweise kommen da auch immer mehrere Traegerlastwagen mit einer Vielzahl von Werferrohren zum Einsatz.
Das was hier im Video gezeigt wird ist ein schlechter Witz. Der Toyo-Picker an sich ist schon keine stabile Platform fuer diese Waffe und dann waren die "Monteure" nicht einmal faehig, die Werfer sauber zu fixieren - bei Abschuss geht ihnen die ganze Installation nach oben. Nebst dem, dass man mit GRAD eh nicht wirklich zielen kann - das was da gezeigt wird hat keinen Kampfwert und die Schuetzen muessen eigentlich froh sein, wenn sie nicht selber zu Schaden kommen.
Billiges Propagandavideo mit absolut grottenschlechtem Soundtrack....
Gut, dass sie mit dem Zeug nicht umgehen können. Und wenn sie sich damit selbst in die Luft jagen, um so besser.
Kuno hat geschrieben:Billiges Propagandavideo mit absolut grottenschlechtem Soundtrack....
Und in Sachen Kameraführung haben sie auch noch nichts dazu gelernt.
Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.