Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

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Kuno
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Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von Kuno »

...da stand es kürzlich so in einer LY-Zeitung, der "Tripoli Post":

Die Felsmalereien in Aegypten sind extrem gefährdet. Dies durch Touristen, die sie mit Oel und Wasser einsprühen um die verblichenen Farben für's Foto wieder aufscheinen zu lassen und durch "Expats" - so nennt man vorwiegend europäische Ausländer, die in Aegypten arbeiten. Die letzteren fahren mit ihren schweren 4x4 and den Freitagen jeweils zu den Felsmalereien und nehmen "Souveniers" mit. Auch schlimm sind anscheinend die ägyptischen Reiseagenturen, welche NICHT aus den "umliegenden" Oasen kommen sondern in Kairo ansässig sind.

Letztes Jahr wurden ca. 800 Touristen gezählt, die die Malereien besucht haben. Die hätten in der Gegend ca. 11,5 Tonnen Müll liegen lassen, welchen dann die "Einheimischen" in ihrer jährlichen Putzaktion wieder weggeräumt haben. Dieses Jahr waren es ca. 1'000 Touristen, man hat aber erfreulicherweise nur noch 4,5 Tonnen Müll gefunden.

Gezeigt wurde auch ein Felsbild, welches mit Handfeuerwaffen beschossen und somit teilweise zerstört worden ist.

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Fazit: Noch letztes Jahr hat jeder Tourist ca. 15kg Müll bei den Felsbildern abgeladen. Dieses Jahr ist es auf 4,5kg zurückgegangen. Gut. Und die Felsbilder gehen wolh definitv verloren. Nicht gut.

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Fragen an die, die sich dort auskennen:

A) Schmeisst ihr wirklich so viel Müll weg? Da müssen ja Mengen rumliegen, die schier unglaublich sind. Was schleppt ihr denn alles von zuhause mit?

B) Ist es tatsächlich so, dass es die "Einheimischen" sind, die derart um den Schutz der Malereien bedacht sind? Ist jetzt nicht ironisch gemeint aber seit die letzten "Goran" im Uweinat ins Jenseits rübergewechselt haben gibt es dort doch weitherum niemanden mehr; oder doch?

C) Wer von den Touristen nimmt Schusswaffen mit um die Felszeichnungen zu zerstören?
C1) Nehmt ihr die über die Grenze oder erwerbt ihr die in Aegypten?
C2) Schiesst ihr die Malereien erst kaputt, nachdem ihr sie fotografiert habt und hofft damit den Wert euerer Fotos steigern zu können?
trapperjoe
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von trapperjoe »

Ich traf mal einen Experten der im Auftrag der LY-Regierung im Uweinat wegen der Felsbilder unterwegs war. Seine Aussagen decken sich in etwa mit dem Zeitungsartikel. Er wurde allerdings in einem Punkt etwas deutlicher: Die Aegypter haben kein Interesse an den Malereien.

Zum Thema Müll: die Menge halte ich für unrealistisch. Ich komme für 3 Wochen Urlaub mit einem Gelben Sack aus. Von Verbrennen oder Vergraben halte ich nichts, ist nur Selbstbetrug.
mit freundlichen Grüßen
trapperjoe
marcush
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von marcush »

@ Kuno: Ich gehe davon aus, dass Deine Fragen einen gewissen Sarkasmus wiedergeben, denn Du wirst sicher nicht annehmen, dass Reisende, wie sie hier im Forum vertreten sind, Schusswaffen zu diesem Zweck mitführen ...

Gerade das halte ich eher für die Tat eines Fundamentalisten, der über die - aus seiner Sicht - frevelhafte Missachtung des islamischen Abbildungsverbots von Lebewesen erbost war.

Marcus
ursula
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ägypten Ägypten Touristen Müll

Beitrag von ursula »

hallo Kuno - ich kann mir denken, wie man den Beitrag verstehen soll :wink: aber er wurde mal so geschrieben und was in der Zeitung steht, wird gelesen.
ha, ausgerechnet die Libyer? da muss ich doch lachen! soviel Müll wie in ihrem Land habe ich nirgendwo sonst gesehen! hinterliessen bestimmt die bösen Touristen

...Oel und Wasser einsprühen um die verblichenen Farben für's Foto wieder aufscheinen zu lassen
das haben die ersten Entdecker in der Sahara im letzten Jahrhundert durchaus praktiziert, im Namen der Wissenschaft. und ihren Müll haben sie auch oft liegen lassen, zB im Wadi Akhdar

... schlimm sind anscheinend die ägyptischen Reiseagenturen, welche NICHT aus den "umliegenden" Oasen kommen sondern in Kairo ansässig sind
dieses Jahr sind mir ausser einem Karton mit leeren Wasserflaschen im Uweinat und dem so begehrten historischen Müll von Almasy, Clayton und Co, keine neuen Sündenfälle aufgefallen, welche Touristen in die Schuhe geschoben werden könnten

... Letztes Jahr wurden ca. 800 Touristen gezählt, die die Malereien besucht haben. Die hätten in der Gegend ca. 11,5 Tonnen Müll liegen lassen, welchen dann die "Einheimischen" in ihrer jährlichen Putzaktion wieder weggeräumt haben. Dieses Jahr waren es ca. 1'000 Touristen, man hat aber erfreulicherweise nur noch 4,5 Tonnen Müll gefunden.
Putzaktion - da könnten sich die Libyer doch ein Beispiel nehmen!

... Gezeigt wurde auch ein Felsbild, welches mit Handfeuerwaffen beschossen und somit teilweise zerstört worden ist.
wer hat denn Waffen in diesem Gebiet? Im libyschen Teil des Uweinat schlafen die Soldaten zum Teil in den Höhlen mit den Felsbildern, bald sind sie nicht mehr zu erkennen.
Neue arabische Sprayereien und mit Kohle geschriebene Sätze prangen jetzt an einigen Orten im Karkur Talh, bestimmt nicht von Touristen erstellt

Langsam habe ich die Nase voll von der Einstellung der Libyer gegenüber den Touristen und reise in andere Länder, wo ich willkommen bin!

Stinksaure Grüsse
Ursula
Kuno
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von Kuno »

Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass die Touristen bewaffnet sind. Im Text der Zeitung wurde auch nicht behauptet, dass Touristen auf die bilder Schiessen. Das war nur in der Bildunterschrift - dort hiess es, dass das erwähnte Bild zerschossen wurde.

Ob das nun Fundies sind oder einfach nur Leute, denen es scheissegal ist, was sie da kaputtmachen; ich tendiere fast auf letzteres - Gleichgültigkeit und Langeweile macht eine Felsmalerei als Ziel sehr interessant.

Wegen dem Abfall: Ich nehme mein Futter ja auch nicht in dickwandigen Stahlbehältern mit, so dass das Gewicht des ev. Abfalls nie so hoch sein kann. Müsste man bei der Berechnung der Abfallmenge / Person nicht auch noch folgende Personengruppen berücksichtigen:

> Langzeitaufenthalter; im allg. als Wissenschaftler bezeichnet (die, die die Malereien ENTDECKEN!)
> Militärpatrouillen
> LKW Fahrer & Begleiter (welche auch gerne als Flüchtlinge etc. bezeichnet werden)

...wobei die letztgenannten wohl aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation eher weniger Dinge zum wegschmeissen haben werden.
ursula
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von ursula »

ja, die Schmuggler hab ich ganz vergessen, was die so hinterlassen und die LIBYSCHEN Jäger, Falkenjäger! die waren zwar nie in der Nähe von Felsbildern
Kuno
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von Kuno »

Bevor du die Nase ganz voll hast; es geht um AEGYPTEN und nicht um Grünland. Die zitierten Aussagen waren von Aegyptern und von einem Doitschen Archäologen oder sowas namens "Kuper" wenn ich mich recht erinnere (will aber dmait nicht darauf bestehen, dass die Zeitungen die Leute korrekt und im Kontext ihrer Aussage zitiert hat. Denn das wäre für die heutigen Medien - ausser dieses Forum- ja nicht typisch 8) )
ursula
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böse Touristen

Beitrag von ursula »

KUPER :shock:
alles klar, der schimpft auf alles was mit Tourismus zu tun hat. Der Abfall im Wadi Akhdar ist übrigens von seinen Leuten...

dann hab ich den Libyern doch wohl ein kleines bisschen Unrecht getan :?: ich dachte, die hätten die Untersuchung gemacht

kleinlaute Grüsse
Ursula
Kuno
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von Kuno »

Der heisst also tatsächlich so....

Jetzt kann man sich aber auch grundsätzlich fragen, ob man sich denn nun wirklich über "modifizierte" Felsmalereien aufregen soll. Wie man ja mittlerweile weiss sind diese Dinger schon in früher Zeit oft übermalt und ergänzt worden. Somit wäre "meine" Kritzelei dazu ja nur eine konsequente Fortführung einer jahrtausendealten Tradition 8) (Natürlich kritzelt man nicht sondern man sprayt!).
Werner Lenz
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von Werner Lenz »

Hallo Alle,

Ich denke, die Erwähnung der Bildzerstörungen gerade im Uweinat durch Libyer entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Wenn man die Lage am Uweinat auf libyscher und ägyptischer Seite vergleicht, schneidet Ägypten aber ganz toll ab, während auf libyscher Seite nur noch Relikte der einst wunderschönen Bilder zu sehen sind. Das ist aus meiner Sicht zum grössten Teil auf die Militär/Polizei-Präsenz dort zurückzuführen. Sogar am Ain-el-Brinz (Sudan) stösst man auf wohl libysche Lager-Stellen (der Militärs?), die wirklich säuisch aussehen (ölverschmiert etc.). Libysche Militärs sind die einzige, ständig präsente Gruppe am Uweinat und sehen das komplette Gebirge als "ihr Areal" an.

Die Ägypter selbst unterhalten am Uweinat keinerlei ständige Militärpräsenz. Dort also (in Ägypten) sind die wachsende Touri-Zahlen das Problem und da gebe ich Ursula recht, da stösst Hr. Kuper (Archäologe des HBI) schon lange und wohl auch nicht ganz vergebens in das "National-Park"-Horn. Es sind wohl auch schon wichtige archäologische Stätten (Djedefre) von Unbekannten ausgeräumt worden. Aber auch die Archäologen hinterlassen (wie Ursula schon schrieb: Wadi Akhdar) hier und da ihre Reste.
In Ägypten versucht man jetzt einen Mittelweg zwischen den Wünschen der Archäologen und denen der Agenturen zu finden, indem man verstärkt den Begleitern bestimmte Ausbildungen auferlegt. Ziel dabei ist, die "natürlichen Ressourcen möglichst zu schonen und archäologische Stätten zu erhalten".
Warten wir mal ab, was dort raus kommt.
Eine Unterscheidung in Agenturen aus Kairo und solchen aus dem Oasen halte ich eher für irreführend (da will jemand sein Geschäft anpreisen). Die aus Kairo stammenden Agenturen stehen sogar unter relativer Beobachtung, während in den Oasen auch "illegale" Agenturen ihre Dienste anpreisen.

Gruß
Werner
Roger-Tecumseh
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Re: böse Touristen

Beitrag von Roger-Tecumseh »

ursula hat geschrieben:
Do 6. Dez 2007, 13:36
KUPER :shock:
alles klar, der schimpft auf alles was mit Tourismus zu tun hat. Der Abfall im Wadi Akhdar ist übrigens von seinen Leuten...dann hab ich den Libyern doch wohl ein kleines bisschen Unrecht getan :?: ich dachte, die hätten die Untersuchung gemacht Ursula
Salut,
wenn nicht gerade Du es wärst, die sich hier - berechtigt, wie ich finde - ärgert, dann wäre meine Motivation, auch noch zu diesem Dauerwurst-Thema zu schreiben, schon sehr limitiert. :)
Die Felsbilder stammen aus Zeiten, die den meisten Libyern/Ägyptern so fremd sind, wie letztlich uns auch. Eine genealogische/historische Verbindung mit der heutigen Bevölkerung dort, ist nicht sicher, ja sogar unwahrscheinlich. Sie befinden sich in Gebieten, die noch vor wenigen Generationen ausschließlich von Nomaden durchzogen wurden. Für diese Menschen gehörten die Bilder/Gravuren im weiteren Sinne zu ihrer vertrauten Umwelt. Was für uns (bildungsbürgerlich verbogene Überfluß-Reisende :) ) une source de délectation culturel ist, gehörte für sie zum Felsen am Wadi-Rand.
Sie haben diese Zeugnisse der Vergangenheit ganz überwiegend geachtet, ihnen aber nicht die Bedeutung zugemessen, wie es jetzt die Wissenschaft tut. Gedankliche Verbindungen der dargestellten Themen zu ihrem eigenen Leben - wie es heute ehemalige Nomaden tun, mit denen zusammen man die Bilder vielleicht aufsucht -, entspringen überwiegend der Kenntnis wissenschaftlicher Deutungen, sprich Vermutungen, nicht aber einer empfundenen historischen Bindung! (Sie haben inzwischen einfach oft die gleichen Bücher in der Hand gehabt, wie wir.) Für uns als Bewunderer dieser fernen Vergangenheit, trifft dies natürlich noch viel mehr zu.
Bedenken sollte man auch, daß die späteren Jahrhunderte islamischer Tradition der Bilder-/Gravuren-Welt dort, keine gesteigerte Bedeutung schenkten. Und wenn, dann nicht ungetrübt historisch: man denke an einige der "offnen Frauen" (Gravuren), die nicht erst kürzlich zerstört wurden.
Es ist keine Frage, daß der Vandalismus an den Bildern und ihrer Umgebung zunimmt. Auch auf andere Weise, als nur durch Touristen: wenn man - z.B. auf dem Messak - die schon bestehenden und die vielen noch prospektierten Erdölbohrungen kennt, dann weiß man, daß auch das schönste "Freilichtmuseum" gegenüber dem industriellen/finanziellen Hunger einen sehr schlechten Stand hat.(Hat man nicht anderswo sogar ehemals große freie Völker in kleinen Reservationen zusammengefercht, damit Land und Boden ungestört ausgebeutet werden konnten? :( )


Gruß

Roger T.
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Uwe Schmitz
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von Uwe Schmitz »

hallo ägyptenfreunde,
zu dem verteilten touristenmüll:
gilt das vielleicht nicht nur für ouenat und gilf, sondern zB. auch für die weisse wüste?
dort habe ich innerhalb einer stunde wandernd 2 riesen-müllsäcke zusammengesammelt, die ich einem local touristenführer übergeben habe, als er anhielt, um mich zu fragen, was ich denn suchen würde...
der machte zuerst grosse augen, hat die säcke dann aber brav aufs dach geschnallt und (hoffentlich) erst in farafra vom dach runtergenommen und dort (wie auch immer)entsorgt.

@ursula und kuno:
was ist denn mit dem kuper vom HBI, wieso ist der denn gegen jeden tourismus, und woher wisst ihr das so genau?

fragt euch
uwe
Kuno
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Re: Felsmalereien in Ägypten durch Tourismus gefährdet

Beitrag von Kuno »

@ Uwe; ich kenne "Kuper" nicht; dachte eigentlich, dass dies aus meinen obigen Posts ersichtlich wäre. Ich erwähnte nur, dass er im Bericht zitiert wird.
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Uwe Schmitz
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am 30.12. auch von spiegel online gebracht:

Beitrag von Uwe Schmitz »

das gleiche thema auch entdeckt im spiegel online vom 30.12.07:

Der Film "Der englische Patient" machte die "Höhle der Schwimmer" berühmt - nun sind die Felsmalereien in ihr bedroht. Touristen strömen in Ägyptens Südwesten, um die prähistorische Kunst zu sehen, doch nicht alle wissen ihren Wert zu schätzen ...

Hollywood-Fluch bedroht Felsmalereien

grüsse
uwe
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