MONGOS!
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Kuno
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MONGOS!
Ich habe mir kuerzlich am Flughafen in Rom wieder einmal ein GEO Heft (01/Januar 2012) gekauft. Darin ist ein laengerer Artikel ueber die Hilfeleistungen nach Haiti bzw. ein eindrueckllicher Bericht darueber, wie das dort so ziemlich in die Hose gegangen ist.
Die GOs kritisieren, dass ihnen die NGOs viel Geld "vorwegschoepfen"
Die NGOs beschweren sich ueber die MONGOs.
MONGO = My Own NGO
Also Leute, die selber was machen wollen - wohl meist, weil sie sehen, wie GO und vor allem nun auch die NGO das Spendengeld zu grossen Teilen fuer sich selber brauchen.
Laut dem Artikel sind die Aktionen der MONGOs oft sinnlos, da unkoordiniert und gerne mal am eigentlichn Bedarf der Empfaenger vorbei. Aber da es sich meist m kleine Aktionen handelt ist es wohl nicht so schlimm, wie das, was die NGOs abziehen. Da werde oft gegen die Regierung gehandelt, man wolle sich nicht in koordiniete Aktionen einordnen und vieles ziele wohl ganz einfach darauf ab, die eigene Organisation (also hier die NGO) am Leben zu halten und moeglichst viel Geld zu sammeln, damit auch die eigenen Gehaelter gezahlt werden koennen.
Wir haben ja hier vom Wuestenschiff aus kuerzlich auch so etwas wie eine MONGO laufen gehabt, als wir den LY Fluechtlingen etwas Hilfe gebracht haben. Geld mintnehmen. Hinfahren. Schaen, was gebraucht wird und zusammen mit den Leuten fuer die Leute einkaufen.
War das jetzt falsch? Koennen das nur Profis richtig machen?
Mich wuerden einmal eure Meinungen zu GO/NGO/MONGO interessieren....
Die GOs kritisieren, dass ihnen die NGOs viel Geld "vorwegschoepfen"
Die NGOs beschweren sich ueber die MONGOs.
MONGO = My Own NGO
Also Leute, die selber was machen wollen - wohl meist, weil sie sehen, wie GO und vor allem nun auch die NGO das Spendengeld zu grossen Teilen fuer sich selber brauchen.
Laut dem Artikel sind die Aktionen der MONGOs oft sinnlos, da unkoordiniert und gerne mal am eigentlichn Bedarf der Empfaenger vorbei. Aber da es sich meist m kleine Aktionen handelt ist es wohl nicht so schlimm, wie das, was die NGOs abziehen. Da werde oft gegen die Regierung gehandelt, man wolle sich nicht in koordiniete Aktionen einordnen und vieles ziele wohl ganz einfach darauf ab, die eigene Organisation (also hier die NGO) am Leben zu halten und moeglichst viel Geld zu sammeln, damit auch die eigenen Gehaelter gezahlt werden koennen.
Wir haben ja hier vom Wuestenschiff aus kuerzlich auch so etwas wie eine MONGO laufen gehabt, als wir den LY Fluechtlingen etwas Hilfe gebracht haben. Geld mintnehmen. Hinfahren. Schaen, was gebraucht wird und zusammen mit den Leuten fuer die Leute einkaufen.
War das jetzt falsch? Koennen das nur Profis richtig machen?
Mich wuerden einmal eure Meinungen zu GO/NGO/MONGO interessieren....
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russenschleuder
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Gerhard Göttler
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Re: MONGOS!
Hi Ihr Mongos!
Der Clemenssche Link dauert mir zu lange, tu ich mir nicht an, bedeutet doch nur Frust. Und nein, falsch war Eure Aktion zu LAR sicherlich nicht. Aber halt privatim. Was diese Eifersüchteleien und Streitereien zwischen den verschiedenen Hilfsorganisationen anbelangt, das ist seeehr nervig. Ist aber halt so. Sicher sinnvoll ist es sich genau hinzusehen, wem von den NGOs man sein Geld gibt, wen man unterstützt. Ich hab hier ja früher schon zu erkennen gegeben, dass ich viel von MSF halte; deren Arbeit konnte ich wiederholt vor Ort erleben.
Gerhard Göttler
Der Clemenssche Link dauert mir zu lange, tu ich mir nicht an, bedeutet doch nur Frust. Und nein, falsch war Eure Aktion zu LAR sicherlich nicht. Aber halt privatim. Was diese Eifersüchteleien und Streitereien zwischen den verschiedenen Hilfsorganisationen anbelangt, das ist seeehr nervig. Ist aber halt so. Sicher sinnvoll ist es sich genau hinzusehen, wem von den NGOs man sein Geld gibt, wen man unterstützt. Ich hab hier ja früher schon zu erkennen gegeben, dass ich viel von MSF halte; deren Arbeit konnte ich wiederholt vor Ort erleben.
Gerhard Göttler
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Alexander
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Re: MONGOS!
Kuno,
es gibt Politiker, die ihre Macht misbrauchen
es gibt Pfarrer, welche die ihnen anvertrauten Kinder misbrauchen
es gibt Banker, die das von ihren Kunden anvertraute Geld verzocken
es gibt Präsidenten, die ihr Land ausbeuten
es gibt Wüstenfahrer, die sich einen Feuchten um Land und Leute scheren
es gibt NGOs und GOs, die das gespendete Geld in den Sand setzen
es gibt Helfer, die primär Helfen, um ihren Geltungsdrang zu befriedigen oder um sich mit der Anerkennung der Öffentlichkeit zu schmücken
es gibt sogar Wüstenschiffmitglieder, die das Forum für ihre Zwecke missbrauchen
Alle aber über einen Kamm zu scheren wäre jedoch nicht nur falsch sondern fatal!
Das Problem ist doch, dass in der Regel nur die negativen und fehlgeschlagenen Fälle in der Öffentlichkeit Schlagzeilen schreiben.
Viel mehr gilt meine Bewunderung denjenigen, die im Stillen ihren Beitrag leisten, um anderen Menschen, auf welche Art und Weise auch immer zu helfen, ohne an die grosse Glocke zu hängen.
Besonders gilt denen meine Bewunderung und Anerkennung, die langfristig und nachhaltig an ihren Projekten arbeiten, Freizeit, Urlaub, physische und psychische Strapazen auf sich nehmen.
Die Libyenaktion durchzuführen war m.M. nach die richtige Entscheidung. Unabhängig davon, wie sich die Geschichte Libyens in Zukunft gestalten wird. Sie war aber nur eine verhältnismässig kleine von vielen Aktionen, die Menschen erfolgreich durchführen oder durchgeführt haben, ohne dass wir von diesen jemals hören werden.
Ich bin davon überzeugt, dass die erfolgreichen Aktionen, auch wenn sie im kleinen Rahmen stattfinden, zahlreicher sind, als die von mir oben aufgelisteten Negativbeispiele.
Wie ich zu dieser Annahme komme? Ich kenne zu viele Beispiele von Privatinitiativen z.B. in Afrika, dass ich mich von Andersdenkenden, Ignoranten, Schwarzmalern und Egoisten abschrecken lassen würde.
Ich wünsche denen, die sich Engagieren weiterhin viel Erfolg und Durchhaltevermögen.
Die Anderen sollen einfach ihren Weg gehen, von dem sie meinen, dass er der richtige ist.
Grüsse
Alexander
es gibt Politiker, die ihre Macht misbrauchen
es gibt Pfarrer, welche die ihnen anvertrauten Kinder misbrauchen
es gibt Banker, die das von ihren Kunden anvertraute Geld verzocken
es gibt Präsidenten, die ihr Land ausbeuten
es gibt Wüstenfahrer, die sich einen Feuchten um Land und Leute scheren
es gibt NGOs und GOs, die das gespendete Geld in den Sand setzen
es gibt Helfer, die primär Helfen, um ihren Geltungsdrang zu befriedigen oder um sich mit der Anerkennung der Öffentlichkeit zu schmücken
es gibt sogar Wüstenschiffmitglieder, die das Forum für ihre Zwecke missbrauchen
Alle aber über einen Kamm zu scheren wäre jedoch nicht nur falsch sondern fatal!
Das Problem ist doch, dass in der Regel nur die negativen und fehlgeschlagenen Fälle in der Öffentlichkeit Schlagzeilen schreiben.
Viel mehr gilt meine Bewunderung denjenigen, die im Stillen ihren Beitrag leisten, um anderen Menschen, auf welche Art und Weise auch immer zu helfen, ohne an die grosse Glocke zu hängen.
Besonders gilt denen meine Bewunderung und Anerkennung, die langfristig und nachhaltig an ihren Projekten arbeiten, Freizeit, Urlaub, physische und psychische Strapazen auf sich nehmen.
Die Libyenaktion durchzuführen war m.M. nach die richtige Entscheidung. Unabhängig davon, wie sich die Geschichte Libyens in Zukunft gestalten wird. Sie war aber nur eine verhältnismässig kleine von vielen Aktionen, die Menschen erfolgreich durchführen oder durchgeführt haben, ohne dass wir von diesen jemals hören werden.
Ich bin davon überzeugt, dass die erfolgreichen Aktionen, auch wenn sie im kleinen Rahmen stattfinden, zahlreicher sind, als die von mir oben aufgelisteten Negativbeispiele.
Wie ich zu dieser Annahme komme? Ich kenne zu viele Beispiele von Privatinitiativen z.B. in Afrika, dass ich mich von Andersdenkenden, Ignoranten, Schwarzmalern und Egoisten abschrecken lassen würde.
Ich wünsche denen, die sich Engagieren weiterhin viel Erfolg und Durchhaltevermögen.
Die Anderen sollen einfach ihren Weg gehen, von dem sie meinen, dass er der richtige ist.
Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
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Wolfgang K
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- Registriert: Fr 25. Nov 2005, 13:50
- Wohnort: bei Mainz
Re: MONGOS!
Moin, Moin.
Ich finde das Thema „MONGOS“ sehr interessant.
Wenn es um das pro und contra für GO, NGO, MONGO und ob es „Sinn“ macht, spielt das Thema des „Versickerns“ gar nicht so eine große Rolle. Das spielt für mich eine Rolle wenn es darum geht welche Organisation konkret die richtige ist und nicht welche ART die richtige ist.
Wer viel in der Welt unterwegs ist sieht viel Übles und jeder kennt den Reflex „etwas tun“ zu wollen. Dies ist in dem Moment eine Herzensangelegenheit. Daraus muss aber eine Kopfangelegenheit werden, bevor man „etwas“ tut.
Die unterschiedlichen Arten der Organisationen haben Stärken in ganz unterschiedlichen Situationen. Ich mache das mal am Beispiel Grenze Ly/Tun fest. Wenn innerhalb weniger Tage zigtausende Flüchtlinge (in diesem Fall überwiegend Schwarzafrikaner die in Tun nicht ins Land gelassen wurden) im Niemandland stranden hilft nur der große Hammer. Es braucht eine riesige Logistik und professionelle Organisation um hier schnell und wirkungsvoll eine Katastrophe zu verhindern. Das kostet Geld und MUSS von Organisationen gemacht werden die geschultes und BEZAHLTES Personal sowie Material ständig vorhalten und das auf Abruf zur Verfügung stellen. Viele sehen in dieser vorgehaltenen Logistik Verschwendung, aber es geht nicht anders, wenn es schnell gehen muss und einen gewissen Umfang erreicht hat. Diese Organisationen müssen in der Struktur (Personal, Finanzen, PR) agieren wie Wirtschaftunternehmen und oft sind sie am Rande welche zu sein. Ich sehe das auch teilsweise kritisch, aber wenn man eine gewisse „Schlagkraft“ entwickeln will geht das zwangsläufig auf die Effizienz bei der Mittelverwendung, aber ohne ein Gewisse Verwaltung geht es nicht, denn diese vorgehaltene Organisation ist ja eben die Stärke.
Wenn ich nach herzergreifender Berichterstattung hier anfange bei Kaufhof Decken zu kaufen (was heute dazugehört: meine eigene Webseite einrichten, Aufkleber und T-Shirts drucken) und die mit dem Landcruiser an die Grenze zu karren richte ich – wenn ich nach Wochen drunten bin - nur Chaos an.
Es gibt aber auch andere Situationen, in denen eben diese eingeübte Logistik geradezu grotesk im Wege steht. Dann nämlich wenn in einem Land die Organisation schon steht und es nur an Geld fehlt. Das ist in ganz vielen Fällen der Fall, passt aber nicht in das Raster der großen Organisationen, da sie nicht Flächendeckend Blankoschecks ausfüllen können – und das ist auch gut weil sonst noch mehr versickern würde. Genau an dieser Stelle macht es für kleine Organisationen Sinn, solange sie nicht vorhaben die großen nachzuahmen und versuchen mit einer eigenen (und letztendlich noch teureren) Logistik anzurücken.
Es gibt noch einen Unterschied: viele kleine Organisationen sind lokal vernetzt und können gezielter finanzielle Mittel einsetzen, weil derjenige der es umsetzt schon in den Startlöchern steht. Genau das war der Charakter der Wüschi Aktion. Es waren vor Ort schon alle Strukturen da und vorbildlich von Locals organisiert, nur hatte man nicht genug Geld alle Rechnungen für die Lebensmittel und Medis zu bezahlen, obwohl von wohlhabenden Tunesiern aus dem Land ganz erhebliche Summen gespendet wurden.
Für mich ist das Fazit, dass kleine Aktionen genau dann was bringen können, wenn vor Ort in Eigeninitiative Hilfe aufgebaut ist und man einfach hilft (meist mit gar nicht sooo viel Geld) ganz gezielt einzelne Steine aus dem Weg zu räumen. Wichtig ist, dass man vor Ort ganz genau weiß er wann und wo etwas braucht. Ohne die Nutzung / Unterstützung von lokalen Strukturen macht es in privater, kleiner Initiative (MONGO) keinen Sinn.
Eine kleine Anekdote zum Schluss: Als wir drunten am leeren aber mit 40-Zoll Fernsehern ausgerüsteten Flüchtlingslager (für Libyer in Tataouine) der Qataries aus Interesse auftauchten, war der Empfang durch die Organisatoren regelrecht aggressiv.
Wenn ich es recht durchschaue hatte auch der Bürgermeister gebeten Lebensmittel (oder Geld) für die inzwischen leeren Ausgabestellen zu erhalten. Jedenfalls hat man den Locals nichts gegeben, sondern hat darauf bestanden nur das eigene Lager zu unterhalten.
Als dann die Lebensmittelverteilung (u.a. mit den Wüschi Geldern) wieder anlief und die Flüchtlinge die – wie praktisch alle - bei Tunesiern untergebracht waren dort Schlange standen haben die Quataries ihr Konzept geändert. GENAU gegenüber der größten Ausgabestelle der Gemeinde wurde ein Lagerhaus angemietet und von dort wurden unter dem Banner des Emirs Lebensmittel und Geld verteilt. Es darf geschmunzelt werden, aber letztendlich ein guter Effekt, denn auch diese Hilfe kam ja an.
Grüße
Wolfgang
Ich finde das Thema „MONGOS“ sehr interessant.
Wenn es um das pro und contra für GO, NGO, MONGO und ob es „Sinn“ macht, spielt das Thema des „Versickerns“ gar nicht so eine große Rolle. Das spielt für mich eine Rolle wenn es darum geht welche Organisation konkret die richtige ist und nicht welche ART die richtige ist.
Wer viel in der Welt unterwegs ist sieht viel Übles und jeder kennt den Reflex „etwas tun“ zu wollen. Dies ist in dem Moment eine Herzensangelegenheit. Daraus muss aber eine Kopfangelegenheit werden, bevor man „etwas“ tut.
Die unterschiedlichen Arten der Organisationen haben Stärken in ganz unterschiedlichen Situationen. Ich mache das mal am Beispiel Grenze Ly/Tun fest. Wenn innerhalb weniger Tage zigtausende Flüchtlinge (in diesem Fall überwiegend Schwarzafrikaner die in Tun nicht ins Land gelassen wurden) im Niemandland stranden hilft nur der große Hammer. Es braucht eine riesige Logistik und professionelle Organisation um hier schnell und wirkungsvoll eine Katastrophe zu verhindern. Das kostet Geld und MUSS von Organisationen gemacht werden die geschultes und BEZAHLTES Personal sowie Material ständig vorhalten und das auf Abruf zur Verfügung stellen. Viele sehen in dieser vorgehaltenen Logistik Verschwendung, aber es geht nicht anders, wenn es schnell gehen muss und einen gewissen Umfang erreicht hat. Diese Organisationen müssen in der Struktur (Personal, Finanzen, PR) agieren wie Wirtschaftunternehmen und oft sind sie am Rande welche zu sein. Ich sehe das auch teilsweise kritisch, aber wenn man eine gewisse „Schlagkraft“ entwickeln will geht das zwangsläufig auf die Effizienz bei der Mittelverwendung, aber ohne ein Gewisse Verwaltung geht es nicht, denn diese vorgehaltene Organisation ist ja eben die Stärke.
Wenn ich nach herzergreifender Berichterstattung hier anfange bei Kaufhof Decken zu kaufen (was heute dazugehört: meine eigene Webseite einrichten, Aufkleber und T-Shirts drucken) und die mit dem Landcruiser an die Grenze zu karren richte ich – wenn ich nach Wochen drunten bin - nur Chaos an.
Es gibt aber auch andere Situationen, in denen eben diese eingeübte Logistik geradezu grotesk im Wege steht. Dann nämlich wenn in einem Land die Organisation schon steht und es nur an Geld fehlt. Das ist in ganz vielen Fällen der Fall, passt aber nicht in das Raster der großen Organisationen, da sie nicht Flächendeckend Blankoschecks ausfüllen können – und das ist auch gut weil sonst noch mehr versickern würde. Genau an dieser Stelle macht es für kleine Organisationen Sinn, solange sie nicht vorhaben die großen nachzuahmen und versuchen mit einer eigenen (und letztendlich noch teureren) Logistik anzurücken.
Es gibt noch einen Unterschied: viele kleine Organisationen sind lokal vernetzt und können gezielter finanzielle Mittel einsetzen, weil derjenige der es umsetzt schon in den Startlöchern steht. Genau das war der Charakter der Wüschi Aktion. Es waren vor Ort schon alle Strukturen da und vorbildlich von Locals organisiert, nur hatte man nicht genug Geld alle Rechnungen für die Lebensmittel und Medis zu bezahlen, obwohl von wohlhabenden Tunesiern aus dem Land ganz erhebliche Summen gespendet wurden.
Für mich ist das Fazit, dass kleine Aktionen genau dann was bringen können, wenn vor Ort in Eigeninitiative Hilfe aufgebaut ist und man einfach hilft (meist mit gar nicht sooo viel Geld) ganz gezielt einzelne Steine aus dem Weg zu räumen. Wichtig ist, dass man vor Ort ganz genau weiß er wann und wo etwas braucht. Ohne die Nutzung / Unterstützung von lokalen Strukturen macht es in privater, kleiner Initiative (MONGO) keinen Sinn.
Eine kleine Anekdote zum Schluss: Als wir drunten am leeren aber mit 40-Zoll Fernsehern ausgerüsteten Flüchtlingslager (für Libyer in Tataouine) der Qataries aus Interesse auftauchten, war der Empfang durch die Organisatoren regelrecht aggressiv.
Wenn ich es recht durchschaue hatte auch der Bürgermeister gebeten Lebensmittel (oder Geld) für die inzwischen leeren Ausgabestellen zu erhalten. Jedenfalls hat man den Locals nichts gegeben, sondern hat darauf bestanden nur das eigene Lager zu unterhalten.
Als dann die Lebensmittelverteilung (u.a. mit den Wüschi Geldern) wieder anlief und die Flüchtlinge die – wie praktisch alle - bei Tunesiern untergebracht waren dort Schlange standen haben die Quataries ihr Konzept geändert. GENAU gegenüber der größten Ausgabestelle der Gemeinde wurde ein Lagerhaus angemietet und von dort wurden unter dem Banner des Emirs Lebensmittel und Geld verteilt. Es darf geschmunzelt werden, aber letztendlich ein guter Effekt, denn auch diese Hilfe kam ja an.
Grüße
Wolfgang
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Kuno
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Re: MONGOS!
Danke fuer die Darstellung, Wolfgang.
Kann man daraus also schliessen, dass das "Wuestenschiff" fuer die Qatari sozusagen wegweisend war
Kann man daraus also schliessen, dass das "Wuestenschiff" fuer die Qatari sozusagen wegweisend war
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Wolfgang K
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Re: MONGOS!
Das würde ich so nicht sagen. Die Wüschi Aktion hat vor allem deswegen gut funktioniert, weil Verbindung zu Leuten wie Ali Mourou (Bürgermeister Tataouine) oder den Leitern der Ambulanzstation bestand, die genau wussten was zu tun ist und wo der Schuh drückt.
Die Quataries haben nach wie vor darauf bestanden ihr eigenes Ding parallel zu dem der Gemeinde zu machen, haben sich aber dann irgendwann an deren Konzept orientiert. Das gleiche gilt auch für einige „fromme“ Organisationen, die sehr viel Wert darauf gelegt haben, dass zu sehen ist von wem die Spenden kommen. Aber letztendlich hat die PR-Schlacht aber dazu geführt, dass dann doch alle satt geworden sind.
Wegweisend war, was die Tunesier selbst organisiert haben.
Grüße
Wolfgang
Die Quataries haben nach wie vor darauf bestanden ihr eigenes Ding parallel zu dem der Gemeinde zu machen, haben sich aber dann irgendwann an deren Konzept orientiert. Das gleiche gilt auch für einige „fromme“ Organisationen, die sehr viel Wert darauf gelegt haben, dass zu sehen ist von wem die Spenden kommen. Aber letztendlich hat die PR-Schlacht aber dazu geführt, dass dann doch alle satt geworden sind.
Wegweisend war, was die Tunesier selbst organisiert haben.
Grüße
Wolfgang
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Michael Prestele
- Beiträge: 85
- Registriert: Mo 7. Jun 2010, 22:38
- Wohnort: Oy-Mittelberg (Oberallgäu)
Re: MONGOS!
An alle Interessierten im Forum,
ich beschäftige mich beruflich seit fast 10 Jahren mit dieser Problematik. Egal ob kleine oder große NGO, staatliche oder private Hilfe, es ist immer leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen und Misstände aufzudecken. Es ist jedoch viel viel schwerer, selbst alles richtig zu machen.
Aus meiner Erfahrung hängt dabei sehr viel davon ab, inwieweit die handelnden Personen bereit sind, sich auf die Materie einzulassen, auch mal unbequeme Fragen zu stellen, nochmal und immer wieder alternative Meinungen einzuholen und auch die eigene Bewertung jederzeit zu relativieren, sich generell Zeit zu lassen, um die Sache von allen Seiten zu beleuchten, bevor eine Handlungsentscheidung getroffen wird. Wir neigen alle dazu, unser eigenes Bild, unsere Vorstellung von einem fremden Land, unseren Entscheidungen zugrunde zu legen. Es ist und bleibt aber für uns ein fremdes Land. Deshalb ist es wichtig, eben nicht in diesem Land einfach nur nach bestätigungen für die eigene Sichtweise zu suchen, sondern so unvoreingenommen wie möglich Fakten zu sammeln.
Ich gebe ein Beispiel: auf einem BMZ-Seminar für Kleinantragsteller beschwerte sich eine Frau, dass sie für ein Bauprojekt in Uganda einen Grundstücksnachweis erbringen sollte. In Uganda gäbe es so etwas doch nicht, das Landeigentum sei dort nicht so genau geregelt, ein Schriftstück dieser Art nicht zu bekommen. Das habe ihr auch der ugandische Projekt partner so bestätigt. -> In Wirklichkeit ist Uganda bis auf den letzten Zentimeter vermessen, (es war ja auch mal eine britische Kolonie...), und der Projektpartner wollte durch seine Aussage wahrscheinlich einen lästigen Amtsgang vermeiden bzw. die Eigentumsverhältnisse sind gar nicht so, wie er sie vielleicht der deutschen Gönnerin erklärt hat. Gut, dass das BMZ dieses Schriftstück zwingend verlangt, bevor es Geld überweist. Oder?
Um Hilfsbereiten, die im Ausland Gutes tun wollen, eine Orientierung mit auf den Weg zu geben, und sie mit dem nötigen Hintergrundwissen, Techniken und Materialien auszurüsten, leite ich seit mehreren Jahren Vorbereitungskurse für humanitäre Kräfte und Entwicklungshelfer. Das Feedback ist immer wieder enorm. Sehr oft höre ich den Satz: "Ich hatte gar keine Vorstellung davon, an was ich alles denken muss, bevor ich einfach nur den Leuten helfen kann, ohne negative Nebeneffekte auszulösen!"
In diesem Sinne - es gibt aus meiner Sicht keine grundsätzliche Wertung zwischen großen oder kleinen NGOs, sondern es hängt immer davon ab, was deren Vertreter vor Ort leisten. Und - nur durch die vorurteilsfreie und transparente Zusammenarbeit von allen Akteuren können wir viel bewirken, dort wo Versorgungslücken entstehen.
Michael
ich beschäftige mich beruflich seit fast 10 Jahren mit dieser Problematik. Egal ob kleine oder große NGO, staatliche oder private Hilfe, es ist immer leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen und Misstände aufzudecken. Es ist jedoch viel viel schwerer, selbst alles richtig zu machen.
Aus meiner Erfahrung hängt dabei sehr viel davon ab, inwieweit die handelnden Personen bereit sind, sich auf die Materie einzulassen, auch mal unbequeme Fragen zu stellen, nochmal und immer wieder alternative Meinungen einzuholen und auch die eigene Bewertung jederzeit zu relativieren, sich generell Zeit zu lassen, um die Sache von allen Seiten zu beleuchten, bevor eine Handlungsentscheidung getroffen wird. Wir neigen alle dazu, unser eigenes Bild, unsere Vorstellung von einem fremden Land, unseren Entscheidungen zugrunde zu legen. Es ist und bleibt aber für uns ein fremdes Land. Deshalb ist es wichtig, eben nicht in diesem Land einfach nur nach bestätigungen für die eigene Sichtweise zu suchen, sondern so unvoreingenommen wie möglich Fakten zu sammeln.
Ich gebe ein Beispiel: auf einem BMZ-Seminar für Kleinantragsteller beschwerte sich eine Frau, dass sie für ein Bauprojekt in Uganda einen Grundstücksnachweis erbringen sollte. In Uganda gäbe es so etwas doch nicht, das Landeigentum sei dort nicht so genau geregelt, ein Schriftstück dieser Art nicht zu bekommen. Das habe ihr auch der ugandische Projekt partner so bestätigt. -> In Wirklichkeit ist Uganda bis auf den letzten Zentimeter vermessen, (es war ja auch mal eine britische Kolonie...), und der Projektpartner wollte durch seine Aussage wahrscheinlich einen lästigen Amtsgang vermeiden bzw. die Eigentumsverhältnisse sind gar nicht so, wie er sie vielleicht der deutschen Gönnerin erklärt hat. Gut, dass das BMZ dieses Schriftstück zwingend verlangt, bevor es Geld überweist. Oder?
Um Hilfsbereiten, die im Ausland Gutes tun wollen, eine Orientierung mit auf den Weg zu geben, und sie mit dem nötigen Hintergrundwissen, Techniken und Materialien auszurüsten, leite ich seit mehreren Jahren Vorbereitungskurse für humanitäre Kräfte und Entwicklungshelfer. Das Feedback ist immer wieder enorm. Sehr oft höre ich den Satz: "Ich hatte gar keine Vorstellung davon, an was ich alles denken muss, bevor ich einfach nur den Leuten helfen kann, ohne negative Nebeneffekte auszulösen!"
In diesem Sinne - es gibt aus meiner Sicht keine grundsätzliche Wertung zwischen großen oder kleinen NGOs, sondern es hängt immer davon ab, was deren Vertreter vor Ort leisten. Und - nur durch die vorurteilsfreie und transparente Zusammenarbeit von allen Akteuren können wir viel bewirken, dort wo Versorgungslücken entstehen.
Michael
One Life. Live it.
Re: MONGOS!
Meiner Meinung wir auch vieles vermischt.
Nothilfe, nach Katastrophen oder umstürzen oder Kriegen. Die kommen oft plötzlich und es sind viele Menschen betroffen und oft auch verstreut über eine grosse Fläche. Es braucht viel Personal und Material an den entferntesten Orten innert kürzester Zeit. Die Qualität und Nachhaltigkeit diese Projekte ist sehr schwierig zu beurteilen. Da es schnell gehen muss findet die Planung meistens gleichzeitig mit der Ausführung statt. Im Nachhinein findet sich immer etwas was man besser oder anders oder effektiver hätte machen können. Aber vom Prinzip her finde ich das eine gute Sache und finde auch dass es relativ gut gemacht wird. Dazu sind natürlich nur die grossen GO und NGO im Stande. Unerfahrene haben da vor Ort auch nichts zu suchen. Locals aus der Ferne zu unterstützen ist die einzigste aber sehr effektive Möglichkeit als Einzelner zu helfen.
Der Wiederaufbau erste Phase, es war schon mal was da und muss wieder aufgebaut werden. Betrifft oft auch grosse Gebiete und viele Menschen. Die lokale Infrastruktur ist kaputt oder beschädigt. Märkte existieren nicht mehr.
Das Passieren schon die grösseren Fehler. Oft sind die lokalen Entscheidungsträger (noch)nicht im Stande den ganzen Wiederaufbau, auch in Anbetracht in weiter Zukunft, zu koordinieren. Oft will man jedoch möglichst schnell den Menschen wieder ein zu Hause bieten und eine Arbeitsstätte. So kann es aber zu Leerläufen kommen in dem neue Ortschaften aufgebaut werden, die dann im Nachhinein wieder abgerissen werden weil die Regierung z. B. ein neuen Mindestabstand zum Meer bestimmt hat. Oder aber zwei Hilfswerke bauen in einem Ort je ein Krankenhaus, dafür baut niemand in einem abgelegen Ort. Da fehlt es ganz klar an Koordinationsarbeit. Aber welches Hilfswerk will sich schon drein reden lassen?
Der Wiederaufbau zweite Phase, vieles steht und funktioniert wieder provisorisch. Es fehlt vor allem an Geld und Instruktoren/ Koordinatoren.
Jetzt geht es darum dass es 'besser' wird als vorher. Jedes Hilfswerk will seine Vorzeigeprojekte haben die noch lange mit stolz gezeigt werden können. Eigentlich könnte man alle Materialien aus der Region beziehen, aber man hat ja seine Verträge. Also wird vieles importiert. Oder aber so viel vom lokalen Markt bezogen dass die Preise ins unermessliche schiessen für Baumaterial z. B. Man kann manchen was man will, es ist nie richtig. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Leider werden in der Phase des Wiederaufbaues nicht die fähigsten Leute vor Ort eingesetzt. Oft mal ist so ein Job in so einer Gegend ein Abstellgleis für unbeliebte Arbeiter und Führungskräfte der Hilfswerke. Die Lokalen wollen natürlich noch so viel wie möglich profitieren. Denn sie wissen dass dieser grosse Geldtopf bald wieder weg ist. Diese Kombination öffnet Tür und Tor für Verschwendung und Korruption. In dieser Phase gehen sehr grosse Mengen Geld 'verloren'.
Die Entwicklungshilfe Aufbau. Es fehlt vieles, Brunnen, Schulen, Strassen, usw.
Da werden viele kleinen NGOs und MONGOS tätig. Man kann mit wenig Geld etwas erreichen. Eine Schule ausstatten, einen Brunnen bauen, usw. Nachhaltig ist aber meistens etwas Anderes. Einfach weil den Einheimischen oft die Erfahrung fehlt für den Unterhalt, oder das falsche Material geliefert wird. Aber viel Geld ist das nicht im Spiel, ausser für Bewilligungen und 'Sicherheitsleistungen' an Politiker und Soldaten.
Die Entwicklungshilfe Erziehung/ Ausbildung. Es fehlt das Fachwissen oder die 'richtige Einstellung'.
Am Besten läuft das parallel zum Aufbau. Ist jedoch sehr langwierig und der Erfolg ist nicht richtig messbar. Ist sehr teuer. Über Sinn und Unsinn kann lange diskutiert werden.
Das Alles hat ganz verschiedene Anforderungsprofile an den/die Helfer. Wenn jeder nur dort helfen würde, wo er am besten dafür geeignet wäre, dann würde es am wenigsten Probleme geben. Aber leider ist der Markt der 'Helfer' stark gesättigt. Denn es geht um Geld, viel Geld. Was ich auch nicht falsch finde. Solange das Geld vernünftig eingesetzt wird. Auch finde ich fest Angestellte Helfer nicht falsch. Wenn sie da eingesetzt werden wo sie ihr bestes geben können. Manchmal ist es aber leider so dass sich viele, auch die Grossen Helferfirmen in Projekten arbeiten die eigentlich nicht ihren Hauptkompetenzen entsprechen.
Ich spreche da ein wenig aus Erfahrung. Ich war im Kosovo bei der KFOR (ich sehe auch die Militärbündnisse als Helferfirmen). Da tummeln sich ja auch viele Hilfswerke. Grosse und kleine. Wenn da jeder sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren würde und diese dann den anderen Hilfswerken auch anbieten würde, würde viele viel besser und Nachhaltiger funktionieren. Leider will aber jeder alles machen. Das betrifft die Not und Wiederaufbauhilfe.
Die reine Entwicklungshilfe sehe ich sowieso sehr skeptisch. Meiner Meinung nach kann man helfen etwas zu lernen oder auf zu bauen, aber die Initiative wie die Arbeitskraft muss von den Einheimischen kommen. Aber das ist meine persönliche Meinung.
Gruss Christian
Nothilfe, nach Katastrophen oder umstürzen oder Kriegen. Die kommen oft plötzlich und es sind viele Menschen betroffen und oft auch verstreut über eine grosse Fläche. Es braucht viel Personal und Material an den entferntesten Orten innert kürzester Zeit. Die Qualität und Nachhaltigkeit diese Projekte ist sehr schwierig zu beurteilen. Da es schnell gehen muss findet die Planung meistens gleichzeitig mit der Ausführung statt. Im Nachhinein findet sich immer etwas was man besser oder anders oder effektiver hätte machen können. Aber vom Prinzip her finde ich das eine gute Sache und finde auch dass es relativ gut gemacht wird. Dazu sind natürlich nur die grossen GO und NGO im Stande. Unerfahrene haben da vor Ort auch nichts zu suchen. Locals aus der Ferne zu unterstützen ist die einzigste aber sehr effektive Möglichkeit als Einzelner zu helfen.
Der Wiederaufbau erste Phase, es war schon mal was da und muss wieder aufgebaut werden. Betrifft oft auch grosse Gebiete und viele Menschen. Die lokale Infrastruktur ist kaputt oder beschädigt. Märkte existieren nicht mehr.
Das Passieren schon die grösseren Fehler. Oft sind die lokalen Entscheidungsträger (noch)nicht im Stande den ganzen Wiederaufbau, auch in Anbetracht in weiter Zukunft, zu koordinieren. Oft will man jedoch möglichst schnell den Menschen wieder ein zu Hause bieten und eine Arbeitsstätte. So kann es aber zu Leerläufen kommen in dem neue Ortschaften aufgebaut werden, die dann im Nachhinein wieder abgerissen werden weil die Regierung z. B. ein neuen Mindestabstand zum Meer bestimmt hat. Oder aber zwei Hilfswerke bauen in einem Ort je ein Krankenhaus, dafür baut niemand in einem abgelegen Ort. Da fehlt es ganz klar an Koordinationsarbeit. Aber welches Hilfswerk will sich schon drein reden lassen?
Der Wiederaufbau zweite Phase, vieles steht und funktioniert wieder provisorisch. Es fehlt vor allem an Geld und Instruktoren/ Koordinatoren.
Jetzt geht es darum dass es 'besser' wird als vorher. Jedes Hilfswerk will seine Vorzeigeprojekte haben die noch lange mit stolz gezeigt werden können. Eigentlich könnte man alle Materialien aus der Region beziehen, aber man hat ja seine Verträge. Also wird vieles importiert. Oder aber so viel vom lokalen Markt bezogen dass die Preise ins unermessliche schiessen für Baumaterial z. B. Man kann manchen was man will, es ist nie richtig. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Leider werden in der Phase des Wiederaufbaues nicht die fähigsten Leute vor Ort eingesetzt. Oft mal ist so ein Job in so einer Gegend ein Abstellgleis für unbeliebte Arbeiter und Führungskräfte der Hilfswerke. Die Lokalen wollen natürlich noch so viel wie möglich profitieren. Denn sie wissen dass dieser grosse Geldtopf bald wieder weg ist. Diese Kombination öffnet Tür und Tor für Verschwendung und Korruption. In dieser Phase gehen sehr grosse Mengen Geld 'verloren'.
Die Entwicklungshilfe Aufbau. Es fehlt vieles, Brunnen, Schulen, Strassen, usw.
Da werden viele kleinen NGOs und MONGOS tätig. Man kann mit wenig Geld etwas erreichen. Eine Schule ausstatten, einen Brunnen bauen, usw. Nachhaltig ist aber meistens etwas Anderes. Einfach weil den Einheimischen oft die Erfahrung fehlt für den Unterhalt, oder das falsche Material geliefert wird. Aber viel Geld ist das nicht im Spiel, ausser für Bewilligungen und 'Sicherheitsleistungen' an Politiker und Soldaten.
Die Entwicklungshilfe Erziehung/ Ausbildung. Es fehlt das Fachwissen oder die 'richtige Einstellung'.
Am Besten läuft das parallel zum Aufbau. Ist jedoch sehr langwierig und der Erfolg ist nicht richtig messbar. Ist sehr teuer. Über Sinn und Unsinn kann lange diskutiert werden.
Das Alles hat ganz verschiedene Anforderungsprofile an den/die Helfer. Wenn jeder nur dort helfen würde, wo er am besten dafür geeignet wäre, dann würde es am wenigsten Probleme geben. Aber leider ist der Markt der 'Helfer' stark gesättigt. Denn es geht um Geld, viel Geld. Was ich auch nicht falsch finde. Solange das Geld vernünftig eingesetzt wird. Auch finde ich fest Angestellte Helfer nicht falsch. Wenn sie da eingesetzt werden wo sie ihr bestes geben können. Manchmal ist es aber leider so dass sich viele, auch die Grossen Helferfirmen in Projekten arbeiten die eigentlich nicht ihren Hauptkompetenzen entsprechen.
Ich spreche da ein wenig aus Erfahrung. Ich war im Kosovo bei der KFOR (ich sehe auch die Militärbündnisse als Helferfirmen). Da tummeln sich ja auch viele Hilfswerke. Grosse und kleine. Wenn da jeder sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren würde und diese dann den anderen Hilfswerken auch anbieten würde, würde viele viel besser und Nachhaltiger funktionieren. Leider will aber jeder alles machen. Das betrifft die Not und Wiederaufbauhilfe.
Die reine Entwicklungshilfe sehe ich sowieso sehr skeptisch. Meiner Meinung nach kann man helfen etwas zu lernen oder auf zu bauen, aber die Initiative wie die Arbeitskraft muss von den Einheimischen kommen. Aber das ist meine persönliche Meinung.
Gruss Christian
leben und leben lassen
Re: MONGOS!
Eine sehr informative Diskussion. Aber so eine Aktion wie die Hilfe für Haiti wurde innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt. Die ganze Prozesskette, die da mitwirkt, kann natürlich niemals reibungslos ineinandergreifen. Reibungsverluste gibt es letztlich immer. Ich finde, es kommt nur darauf an, wie effizient das Geld letzenendes eingesetzt wird.
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Kuno
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Re: MONGOS!
Richtig. In den ersten Momenten kann viel schief laufen.Mr.Shark hat geschrieben:Eine sehr informative Diskussion. Aber so eine Aktion wie die Hilfe für Haiti wurde innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt. Die ganze Prozesskette, die da mitwirkt, kann natürlich niemals reibungslos ineinandergreifen. Reibungsverluste gibt es letztlich immer. Ich finde, es kommt nur darauf an, wie effizient das Geld letzenendes eingesetzt wird.
Aber Haiti ist nun schon eine ganze Weile her.
Von den zugesagten Hilfsgeldern sind wohl nur etwa die Haelfte tatsaechlich zur Verfuegung gestellt worden.
Die Sanitaeren Installationen in vielen Camps sollen mangelhaft bis inexistent sein.
Ein neu errichtetes Spital wurde wieder abgerissen, weil eine konkurrierende NGO am gleichen Platz ein groesseres bauen wollte.
In Haiti war das Erdbeben wohl nur die erste Katastrophe...


