
Wir waren jetzt in unserem seetauglichen "Wachen System".
Wir teilten die Crew in zwei Wachen mit jeweils vier Leuten auf und versuchten; die Erfahrenen von uns darin aufzuteilen.
Phillip hat sich für ein System mit drei vierstündigen Wachen von acht bis 20 Uhr und zwei sechsstündige Wachen von 20 bis 8 Uhr entschieden. Das war auch das System, welches wir bei der Borobudur benutzen-
und ich hasste es.
Denn es bedeute insgesamt fünf Wachen am Tag und so musst Du jeden Tag Deine Wach- und Arbeitszeiten ändern. Mein Körper arbeitet auf diese Weise jedoch nicht und kämpfte darum, einigermaßen ausgeruht zu sein.
Tagsüber hatten wir ruhige Segelverhältnisse und wir fuhren ungefähr fünf Knoten. Am frühen Abend begann der Wind aufzufrischen.
Nach dem Essen, um 20 Uhr, verschlug mich meine Wache an Deck. Der Wind hatte sich auf 25 Knoten verstärkt.
Kurz nach Wachanfang kam das Schiff 50 Grad vom Kurs ab und das Segel bewegte sich rückwärts.
Ich war mittschiffs und wusch das Geschirr, als ich Phillip meinen Namen vom Achterdeck brüllen hörte.
Zwei waren am Steuerbordruder, aber sie konnten es nicht bewegen, da es zu starr war und zuviel Druck darauf lastete.
Ich lehnte mich gegen die Pinne (der lange Hebel mit dem das Ruder bedient wird) um zu helfen-
aber ich hörte es nur knacken.
Zu der Zeit waren schon alle Hände an Deck. Einer bemannte das Backbordruder und versuchte zu helfen das Schiff zu drehen.
Das Backbordruder sprang aus der Halterung.
Außerstande das Schiff zu drehen, wandten wir uns dem Segel zu.
Wir schafften das Segel an Deck und senkten die Rah bis zur Deckskante.
Das Schiff lag nun mit der Breitseite gegen die Wellen und schlingerte mächtig. Zwei aus der Crew brachten den Seeanker an Deck und warfen ihn von einer der Achterdeckstützen ab, was nun das Heck gegen Wellen und Wind stellte.
Dann kämpfen wir alle damit, das Backbordruder an Deck zu bekommen. Es war ein schweres Biest, ein paar hundert Pfund und es war heikel und gefährlich es in der Dunkelheit zu tun, während das Schiff in drei Meter hohen Wellen stampfte.
Als das erledigt war, bemannten wir das Steuerbordruder und drifteten langsam gegen den Wind- mit ca. einem Knoten und wir zogen den Seeanker mit.
Ich ging wieder runter, um den Abwasch fertig zu machen, als eine größere Welle uns stieß und den Steuerbordruderblock von der Ruderbank riss.
Also „flatterte“ auch dieses Ruder jetzt nutzlos herum und es wurde an Deck gezogen.
Wir drifteten jetzt also völlig ruderlos auf dem Roten Meer-
bei Windstärke 5 bis 6-
unsere erste echte Expeditionsnacht!
Ich habe in mein Tagebuch geschrieben, dass ich uns vielleicht verhext hatte, da ich an diesem Tag zu Hause anrief und meiner Mutter sagte dass alles bestens war.
Grüße
Eric








