Welt des Menschen - (2) Wüsten - Die grosse Glut
DOK-Serie GB 2010
SF 1 um 22:20 Uhr
Laufzeit: 49'
Wüsten bedecken ein Drittel des Festlands auf der Erde. Die zweite Folge der BBC-Serie «Welt des Menschen» zeigt die unglaubliche Kreativität, die Wüstenbewohner entwickeln, um in diesen Welten gnadenloser Trockenheit überleben zu können: Rinderzüchter in Mali verteidigen Wasserstellen gegen Elefanten mit blossen Händen und jeder Menge Mut. Frauen und Kinder bei den Tubu durchqueren die Zentralsahara ohne technische Hilfsmittel. Und die Hirten in der Wüste Gobi müssen ihre Schafe und Kamele rund um die Uhr vor dem Verdursten und vor Wölfen beschützen.
Kaum vorstellbar, dass weltweit 300 Millionen Menschen in Wüsten leben. Jeder Einzelne von ihnen muss sich einer ganz besonderen Herausforderung stellen, wie der 16-jährige Mamadou, der seine Rinderherde durch die Sahara von Mali treibt, immer auf der Suche nach der nächsten Wasserstelle. Und als wäre das nicht schwierig genug, muss Mamadou auch noch schneller sein als die Elefanten der Gegend, die es ebenfalls zu den wenigen Wasserquellen zieht. Dabei kommt es immer wieder zu Zusammenstössen, bei denen der schmächtige Bursche einer ganzen Elefantenherde gegenübersteht. Doch er kennt keine Furcht: Mit Stöcken und wildem Geschrei gelingt es ihm oft, die Elefanten so weit zu verwirren, dass sie sich zurückziehen - und seine Rindern für kurze Zeit Gelegenheit zu trinken bekommen.
Im Sandmeer Wasserstellen finden - diese Fähigkeit haben die Frauen vom Volk der Tubu in der Ténéré zur Perfektion gebracht. Ohne Kompass oder Karte finden sie inmitten von hunderten Quadratkilometern Sanddünen winzige Quellen. Wenn sie sie verfehlen, sind sie dem Tod geweiht. Die Tubu unternehmen eine 240 Kilometer weite Reise, um ihre Kamele gegen Nahrungsvorräte einzutauschen, von denen sie ein halbes Jahr leben können. Frauen gelten als die besseren Orientierungstalente, deshalb machen sie sich auf diese gefährliche Expedition. Mithilfe von Sternkonstellationen, Sonnenstand und der verblüffenden Fähigkeit, völlig identisch aussehende Sanddünen voneinander zu unterscheiden, können die Karawanen so die versteckten Trinklöcher auf wenige Meter genau anpeilen.
Aber Wüsten sind nicht immer nur heiss und sandig, in der mongolischen Gobi gibt es sogar Schnee. Allerdings fällt er nicht als Niederschlag, sondern wird Hunderte von Kilometern weit über die knochentrockene und tief gefrorene Landschaft gepeitscht. Der Trampeltier-Hirte Ganbold muss seine zweihöckrigen Kamele dorthin treiben, wo sich der Schnee an Abhängen sammelt, um die Tiere mit Wasser zu versorgen. Nutztiere unter Wüstenbedingungen zu halten, erfordert noch mehr Aufwand als sonst, nicht nur wegen der Trinkwasserversorgung; auch der Konflikt mit räuberischen Nachbarn verschärft sich erheblich: Ganbold muss seine Tiere praktisch rund um die Uhr mit Waffen bewachen, um die lokalen Wölfe halbwegs in Schach zu halten.
In der chilenischen Atacama-Wüste werden riesige Netze gespannt, um die Morgennebel tröpfchenweise aus dem Himmel in die lokalen Bewässerungsanlagen zu leiten.
Wo Wasser so rar ist, erhält es eine mythisch überhöhte Bedeutung, erfährt religiöse Verehrung. Im Fall eines kleinen Sees in Mali kommuniziert man mit den Kräften der Natur in Form eines heiligen Fischerrituals. Am Höhepunkt der Trockenzeit versammeln sich hunderte Männer mit geflochtenen Fangkörben rund um den austrocknenden See, um den Naturgöttern zu huldigen - und anschliessend den schlammigen See innerhalb von Minuten leerzufischen. Der Fang wird dann gerecht unter allen aufgeteilt - ein symbolischer Akt der Verbundenheit mit der Natur und der sozialen Gemeinschaft.
Rituale wie dieses sind ein faszinierendes Beispiel dafür, wie die Menschen selbst unter extremsten Bedingungen auf dem Planten Erde leben können - wenn wir seine Natur genau beobachten und grundlegend verstehen.
(Copyright SRF)
heute Wüste auf SF1 um 22.20 Uhr
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