Einladung zum Jahresvortrag
Freitag, 29. Januar 2010, 18 Uhr
Zentrum Moderner Orient, Konferenzraum
Kirchweg 33, 14129 Berlin-Nikolassee
Die andere Küste Ostafrikas - Translokale Topographien des Tanganyikasees vor 1900
Vortrag von Prof. Achim von Oppen, Universität Bayreuth
Einer der historischen Räume, auf die sich Forschungen am ZMO seit langem konzentrieren, ist die Küste Ostafrikas und der Indische Ozean. Dabei sind die Verbindungen ins kontinentale Hinterland, die in vieler Hinsicht ein integraler Bestandteil des genannten Raumes waren, eher unterbelichtet geblieben. Im Vortrag werden diese räumlichen Verflechtungen im Hinblick auf einen der wichtigsten Foki des vorkolonialen Fernverkehrs dieser Großregion verfolgt, nämlich den Tanganyika-See. Im Vordergrund steht dabei die Art und Weise, in der verschiedene Akteure, die am von Zanzibar und den Swahilistädten aus gesteuerten Fernhandel im 19. Jahrhundert beteiligt waren, diese Region wahrgenommen, eingeordnet und dargestellt haben. Dadurch werden überraschende Perspektiven sichtbar, die wenig mit den auf Abgrenzung und Kontrolle orientierten Wahrnehmungen europäisch-kolonialer Herrschaft gemein haben, die das 20. Jahrhundert und damit auch unsere Sichtweisen prägten: Aus Sicht der muslimischen, swahilisprachigen Kaufleute und Träger etwa erscheint der Tanganyikasee als eine Art zweiter, westlicher Küste ihres Handlungs- und Kommunikationsraums – wobei die Seeufer ebenso wie die Meeresküste als Schnittstelle, nicht als Grenze des Austauschs gesehen wurden. Der Wandel, oder besser der Zusammenprall und die Interaktion unterschiedlicher Raumwahrnehmungen, vor und nach der zanzibarischen Epoche werden ebenfalls thematisiert und in ihre historischen Zusammenhänge gestellt. Dazu gehörten räumliche Praktiken ebenso wie sozioökonomische und politische Interessen und religiöse Diskurse. Eine Art Echo dieser höchst „trans-lokalen" Auseinandersetzungen um Bewegung und Abgrenzung läßt sich aus den kartographischen Darstellungen europäischer Reisender und Kartenmacher herauslesen, die sich seit Jahrhunderten um eine angemessene Erfassung der Großen Seen im Inneren Afrikas bemüht hatten. Diese Auseinandersetzungen sind bis heute höchst aktuell.
Achim von Oppen ist seit 2007 Professor für Geschichte mit dem Schwerpunkt Geschichte Afrikas an der Universität Bayreuth. Von 1993 bis 2007 arbeitete er am ZMO bzw. seinem Vorläufer, dem Forschungsschwerpunkt Moderner Orient, und leitete die Projektgruppe „Lokalität und Staat“. Von 2001 bis zu seinem Ruf nach Bayreuth war er Vizedirektor des ZMO. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Sozial- und Kulturgeschichte ländlicher und städtischer Regionen, Religion und Geschichte, Konstruktion und Transformation von Räumen sowie Geschichte von Mobilitäten und Transfers. Regional liegt sein Schwerpunkt auf Zambia, Angola, Tanzania und Mali.
Vortrag in Berlin: "Die andere Küste Ostafrikas"
Moderator: Moderatoren
- Achim Vogt
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- Wohnort: Kampala / Uganda




