Im musealen Höhlendorf Meymand haben die Restaurants scheinbar nur geöffnet, wenn man sich vorher telefonisch ankündigt. Das gleiche gilt für die Gästehauser. Unsere erste Idee, hier vielleicht zu übernachten, haben wir schnell verworfen. Wir haben jetzt etwas anderes im Auge

In unseren Reiseführern lesen wir von der englischsprachigen Ingenieurin Somaye Javidi, die nicht weit entfernt - in der Nähe von Shar-e Babak- ein kleines Gästehaus betreibt. Ein kurzer Anruf genügt und wir haben ein Bett für die Nacht
Rivas Eco Lodge Guest House, Somaye Javidi, Shar-e Babak, 5 km außerhalb auf der Shar-e-Babak-Sirjan Road, Abzweig am Polizei-Roadblock, Gästehaus bei N30.076024, E55.172866, mobil/whatsapp +98 913 193 1641, Festnetz +98 901 983 9925, E-Mail
javidisomaye@gmail.com. DZ mit Gemeinschaftsbad für 2 Personen inkl. Frühstück 35 Euro/Nacht (alternativ 160.000 Toman). Empfehlenswert !
Shar-e Babak ist eine persische Kleinstadt, die ausnahmsweise einmal "nur" ein kleiner Ort ohne großartige Sehenswürdigkeiten ist. Aber genau darin liegt auch der Reiz

Hier findet normales persisches Leben ohne jeglichen Tourismus statt. Wir kaufen noch etwas Brot und Obst, etwas Bakhlava und ein paar Dosen (0%-) Bier für den Abend
Somaye ist noch im Büro. Wir treffen uns mit ihrem Mann Ali vor dem Haus ihrer Mutter in Shar-e Babak. Die Mutter lässt es sich nicht nehmen, uns mit Tee, Datteln, Pistazien und frisch zubereiteter Asch-e Dscho (Ash-e Jow), einer persischen Gerstensuppe mit Rübchen, Rote Beete, Linsen und Bohnen zu verwöhnen. Das kommt bei uns richtig gut jetzt

Als Somaye kurz darauf von der Arbeit kommt, wechseln wir nach nebenan - Somaye, Ali und der achtjährige Sohn wohnen nur 2 Häuser weiter. Mit Somayes leckerem Kaffee und unseren Bakhlava sind wir schnell ins Gespräch vertieft. Somaye erzählt uns, dass das Gästehaus eigentlich ihr Wochenendhaus ist, wo sie zusätzlich zu ihrem Bereich noch zwei Gästezimmer hergerichtet haben. Sie selber sind nur am Wochenende dort oder wenn gerade Gäste da sind. Die Idee, das Wochenendhaus entsprechend umzugestalten, kam ihnen, da sie früher schon gerne Gastgeber für Couchsurfing waren und den kulturellen Austausch mit ausländischen Gästen lieben.
Das Gästehaus liegt einige Kilometer außerhalb inmitten Granatapfel-Plantagen
Lehmputz innen wie außen, die Räume als Tonnengewölbe gebaut
Alles ist mit Liebe zum Detail ganz traditionell eingerichtet. Auch geschlafen wird traditionell auf Schlafrollen auf der Erde (es schläft sich bestens

)
Die Teppiche sind zum Teil handgeknüpft von Somayes Mutter. Wer will, kann sich gerne im Knüpfen versuchen
Das stärkt ganz nebenbei auch die Armmuskulatur, denn den Kamm zu halten kommt fast einem Hanteltrainig gleich, so schwer ist er
Nachdem Ali seinen Sohn morgens in die Schule gefahren hat, überraschen uns unsere Gastgeber mit einem köstlichen Frühstück. Somaye arbeitet auf Gleitzeitbasis und fährt heute später ins Büro

Neben Tomaten, Gurken und Eiern gibt es frisch gebackenes Brot, Nüsse, Ziegenkäse und selbstgemachte Marmeladen. Ich bin mittlerweile ein Fan der iranischen Karotten-Rosenwasser-Marmelade, aber nur, wenn sie hausgemacht ist !
Dass der Ofen geheizt ist, freut uns besonders, denn es ist rattenkalt heute morgen. Somaye reicht uns eine Schale Taf Te, eine süße Frühstückssuppe. Dazu wird Wasser mit Mehl, Zucker und Currygewürzen aufgekocht. Schmeckt sehr lecker und wärmt von innen
Übrigens: Somaye verkauft besten Kümmel in kleinen Verpackungseinheiten. Die Qualität ist hervorragend, wie wir hinterher zu Hause feststellen können

Auch Kräuter und hübsche preiswerte Handarbeiten kann man bei ihr erwerben, wie beispielsweise die im Iran beliebten Zuckersäckchen (der gemeine Iraner trinkt im Auto Tee, aus gläsernen Teetassen, und hat immer ein handgearbeitetes Beutelchen Würfelzucker neben dem Schaltknüppel stehen). Ein solches Säckchen seht ihr oben auf dem Foto, wo Somaye die Suppe einschenkt, auf dem Tablett am unteren rechten Bildrand.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nehmen wir nach dem Frühstück Abschied von unseren Gastgebern. Das lachende, weil wir neugierig auf das sind, was noch kommt. Und das weinende, weil wir uns bei Somaye und Ali super wohl gefühlt haben.
Wir packen zusammen. Noch ein letztes Foto der Blütenpracht am Mosaferkhaneh Rivas, dann machen wir uns auf den Weg ...