Mittwoch - Tour de pain
Ich fühlte mich etwas besser und wir beschlossen, heute mit unserer Tour durch das bergige Land östlich der Pipelinpiste zu beginnen. Die Richtung Medenine / Djerba und dann aber vorher weg gen Süden - Einfach querfeldein und drauflos, ohne Route oder Plan. Ich hatte schon 2008 mal das Terrain auf der Piste erkundet und vermutete einige schöne landschaften in dem Bereich. So packten wir unser Camp zusammen und starteten drauf los.
Mein Magen war noch nicht wirklich wieder in Ordnung und ich verbrachte ab jetzt den ganzen Tag damit, parallel zum Auto fahren immer mal wieder laut zu stöhnen, während Magenkrämpfe meinen Körper schüttelten.
Der Start ansich war der Pisteneinstieg von der Pipelinestrasse gen Osten. Eine viel befahrene Strecke, insbesondere von Touri-Taxis, die aus Djerba kommende hauptsächlich Pauschaltouristen nach Ksar Ghilane karten, um dort den Hauch von Wüste und Kamelreiten anzubieten. Uns kamen sicher 10 Fahrzeuge entgegen.
Auf unserem Weg gen Osten kamen wir irgendwann auch in die Region der kleinen Schotterberge. Die sehen von Ferne alle einfach befahrbar aus, aber nahe dran sind fette Brocken drin und dolle Kannten. Dennoch wollten wir einen erklimmen, alleine schon für die grandiose Aussicht. Gesagt, getan. Nach etwas Rockcrawling und springendem Heck, erreichte ich das oberste Plateau. Freudestrahlend sprang ich raus und winkte Patrick hinterher, der den Berg unbeeindruckt im Standgas nahm.
Das erste, was Männer nach dem Erklimmen eines Berges machen, egal ob zu Fuß oder per Fahrzeug, ist aussteigen, sich freuen und sofort eine Stange Wasser in die Landschaft stellen. Diesem Ritus schlossen wir uns an.
Weiter ging es auf kleiner Piste bis nach Bani Kheddache - Einem kleinen Ort. Ab dort wurde improvisiert auf Sicht. Einfach erstmal auf Straße etwas nach Süden, dann irgendwo irgendwann nach Westen in das riesige Gebiet der Badlands stechen und immer der Nase nach fahren. Siehe der Trackaufzeichnung weiter unten, haben wir uns gut durchgeschlängelt. Die wege wurden immer enger, immer steiler und endeten irgendwann in einem Kamelgrasfeld, eingeschlossen von Minidünen...Da saßen wir dann in der Mitte vom Nirgendwo und suchten unseren Weg raus aus der Gegend. Wir spotteten am Horizont ein Haus und sagte uns, "wo ein haus, da eine Piste" und fuhren drauf los. Extra für Baloo (einen daheimgeblieben Freund), nannten wir das wieder "Crossfield-Navigation" und stellten uns vor, wie er virtuell beim Hören des Wortes ausrasten würde.
Wir kamen nicht zum Haus, denn schon nach kurzer Fahrzeit kam von rechts ein Weg und wir hatten wieder besser fahrbares Terrain unter den Reifen. Dieser Weg vereinigte sich irgendwann mit einer fetten Piste und die wiederum führte über die Pipelinestrasse direkt durch nach Ksar Ghilane. Perfekt und nötig, denn mir gings inzwischen gar nicht mehr so prickelnd. So erreichten wir den Campingplatz in Müh und Not, und mein Magen war fast tot.
Wir waren in nur fünf Stunden 167km Offroad gefahren. Gar nicht so schlecht und abgesehen von meinem Wimmern auch ne echt geile Tour. Da gabs schon jede Menge Sand zwischendrin, hässliche und schöne Landschaften, jede Menge Herausforderungen fürs Fahrwerk, Rinnen, Wadis, kleine Bergkämme - Was man sich so wünscht. OK, am Abend bemerkte ich einen schleichenden Reifenschaden am linken Vorderrad. Patrick reparierte das für mich fix mit dem Reifenreparaturset, was wirklich Gold wert ist und alle löcher in Minuten ohne Demontage des Rades dauerhaft verschließt.
Den Donnerstag überspringe ich, denn mir gings nachts dreckig. Am nächsten Morgen suchten wir uns eine französische Ärztin und bekamen echte Medikamente gegen Bakterien (Magen) und Durchfall (Darm), die erstmals auch wirkten. Dazu gab es Wermuttee unserer Campingnachbarn, der mir vor Bitterheit die Fratze auf links drehte, aber dem magen sehr gut tat.
Unsere Strecke:
Oben aufm Berg:
Pistenimpressionen:
Traumpiste bis zum Horizont
Arg...Bitterer gehts nicht...
Kamelgras? Reifenschaden. Am Auto von Grafe in wenigen Minuten repariert. Danach absolut dicht.
Insgesamt ein geiler Tag. Weiter gehts mit Freitag...Dem Start in den Sand.