Hi Jürgen,
mein Einwand ist nicht überwältigend! Ich habe auch keineswegs die Absicht, an Deinem Weltbild zu kratzen- wir diskutieren lediglich!
Meine Überzeugungen basieren nicht auf intellektuellen Studien (dann wäre ich ja ohne), sondern auf Liebe zu und Mitgefühl für die Menschen.
1) Genau SO würde ein Missionar doch auch argumentieren.
Genau SO argumentiert letztlich jeder Gläubige.
Genau SO versuchen ständig irgend welche Menschen, irgend etwas zu verkaufen, was in ihren Augen zur Erleuchtung führt.
Wenn es nach mir ginge, dürften sie alle im Hydepark auf einer Kiste stehen!
Und nur dort.
2) Wissen- Du nennst es intellektuelle Studien- scheint für viele Gläubige ein Werk des Teufels zu sein- unmöglich zu vereinen.
Warum sind Deine Überzeugungen nicht mit Wissen zu erlangen?
Wie schwer ist denn folgender Gedankengang:
Wenn mir ein angestammter Glauben vermitteln möchte, dass ein "Albino" ein Werk teuflischer Mächte ist... dann muss ich ihn zerstückeln.
Wenn ich jedoch WEISS, dass er nichts weiter als eine Pigmentstörung hat- also nichts anderes als eine krumme Nase oder etwas kurze Beine...
dann kann ich ihn lieben wie jeden anderen Menschen auch.
Für seine wahren Eigenschaften!
Auch mein Leben ist getragen von der Liebe zum Menschen- ich bin felsenfest überzeugt davon, dass absolut alles, was uns WIRKLICH TIEF UND DAUERHAFT glücklich machen kann, EINZIG UND ALLEIN im Zusammenhang mit anderen Menschen stattfinden kann.
Die schönste Landschaft, das schönste Buch- um wieviel schöner wird es, wenn man es teilen kann mit anderen?
Aber diese- MEINE- Erkenntnis ist nicht getragen von Glauben, sondern von Wissen.
Dem Wissen, dass in jedem Menschen Gutes wie Böses steckt, dem Wissen, dass der Gute von gestern der Böse von morgen sein kann und umgekehrt.
Dem Wissen, worauf z.B. Ängste basieren- Auslöser für die irrsinnigsten Handlungen- und diese bei meinem Gegenüber abzubauen und stattdessen Vertrauen und Verstehen zu suchen.
Wogegen JEDER Glauben mit Ängsten nur so um sich schmeißt.
Allein DAS macht Glauben für mich so kontraproduktiv wie nichts anderes für ein vernünftiges Zusammenleben.
Vernunft!
Sie ist mit Glauben in der Regel nicht zu erreichen.
Wissen, Aufklärung erscheint mir da sehr viel mächtiger.
Und all jene, die ihre schnelle, kurzreisegeprägte Erleuchtung nun in den Schwitzhütten der Native American, rohfleischkauend bei den Inuit, madenverzehrend und Ahnentraumsuchend bei den Aborigines oder sonst irgend einem Ashram suchen...
Es sei ihnen von ganzem Herzen gegönnt!
Aber sie mögen ihre Lichter für sich behalten- es wird die Welt nicht erleuchten!
Und nun, Jürgen, nimm mir das bitte nicht übel- es ist einfach nur meine Meinung zu diesem Thema.
Sieh bei meiner kleinen Kritik auch das Verbindende:
Auch mein Leben ist erfüllt von der Liebe zu Menschen und dem geliebt werden von Menschen!
Und ich habe das OHNE Glauben- allein mit Wissen geschafft.
Es geht also auch anders.
Kein Streit, okay?
Gruß
Micha