Sudan | Megaprojekt Merowe-Staudamm

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Alexander
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Sudan | Megaprojekt Merowe-Staudamm

Beitrag von Alexander »

Merowe - Es ist ein grünes, fruchtbares Nil-Tal mit vielen kleinen Dörfern - doch in wenigen Monaten wird es am Grund eines gigantischen Stausees liegen. Der von einem chinesischen Konsortium errichtete Merowe-Staudamm im Norden des Sudan soll die Energieproduktion des afrikanischen Landes verdoppeln, doch er wird traditionelles Siedlungsgebiet und unzählige archäologische Schätze für immer unter Wasser setzen. An dem Projekt ist auch die deutsche Consultingfirma Lahmeyer beteiligt. Kritik eines Schweizer Instituts an der Arbeit der Deutschen weist das Unternehmen unter Hinweis auf die Bedeutung des Staudamms für die Entwicklung des Sudan zurück ...

net-tribune: Merowe-Staudamm: Ausgrabungsstätten bald unter Wasser

Grüsse
Alexander
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Birgitt
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Sudan - Merowe-Staudamm | Deutsche Firma soll Dörfer geflutet haben

Beitrag von Birgitt »

Es ist ein Megaprojekt im Sudan: der Merowe-Staudamm nördlich von Khartum. Und damit beim Bau möglichst keine Zeit verloren geht, soll eine deutsche Firma gegen Menschenrechte verstoßen haben. Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) wirft der Firma Lahmeyer International vor, beim Auffüllen des Staudammes Dörfer überflutet zu haben ...

Deutsche Firma soll Dörfer geflutet haben
05.05.2010 - Deutsche Welle

Gruß
Birgitt
Kuno
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Re: Sudan - Megaprojekt Merowe-Staudamm

Beitrag von Kuno »

Gab's dazu nicht mal eine Online-Petition?
Birgitt
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Re: Sudan - Megaprojekt Merowe-Staudamm

Beitrag von Birgitt »

Nein, soviel ich weiß nicht.
Du verwechselst das sicherlich mit dem Gibe III Projekt am Omo-River in Äthiopien, siehe :arrow: hier

Und wer die obigen Artikel gelesen hat, dem wird es sicher leichter fallen, sich an der Petition gegen das Projekt im Omo Valley zu beteiligen, noch ist es (hoffentlich) früh genug!

http://www.stopgibe3.org/pages/petition.php

Gruß
Birgitt
steffen
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Ein treffliches Thema ...

Beitrag von steffen »

Das Problem an solchen Artikeln, Petitionen, Statistiken und Gutachten ist immer, dass diese von bestimmten Interessengruppen lanciert werden. Und dass gilt für ALLE Seiten. Egal ob PRO oder KONTRA bei derartigen Projekten.
Es sind viele Halbwahrheiten, Fehlinformationen und Stimmungsmache im Spiel. Mal steht das Überleben einer aufstrebenden Gesellschaft auf dem Spiel (Energiebedarf). Ein anderes mal werden Landstriche und Kulturen zerstört. Die ganzen Informationen sind nicht zugänglich und jeder hat auf seine Weise Recht.

Zum Merowe Damm.
Er soll die Energieversorgung im Sudan sicherstellen. Bisher viel Dieselgeneratoren und eigentlich ständiger Energiemangel. Weitere Staudämme sind geplant. Wenn man sich den Nilverlauf anschaut, wird man unschwer erkennen, wo das alles möglich wäre.
Im Bereich des 4. Kataraktes existiert unbestreitbar Kulturland und Leute leben dort. Die pauschale Aussage "Merowe - Es ist ein grünes, fruchtbares Nil-Tal mit vielen kleinen Dörfern" trifft auf den Bereich unterhalb der Staumauer zu. Der Bereich der jetzt im Wasser versunken ist, ist da eher das Gegenteil. Das kann jeder ganz schnell nachvollziehen, wer sich das Gebiet (und den Bau der Staumauer) auf GoogleEarth ansieht. Aber es lebten Leute dort (mehr Schlecht als Recht)
Die Anzahl der archäologischen Missionen im Sudan ist überschaubar. Die Anzahl der archäologischen Plätze "unüberschaubar". Egal wo man dort seinen Fuss hinsetzt, wird man auf altem Kulturgut stehen. Der 4. Katarakt wurde früher etwas stiefmütterlich in archäologischer Aufarbeitung behandelt. Es gab und gibt einfach Plätze im Sudan, die bei den geringen wissenschaftlichen Ressourcen eine höhere Priorität in der Bearbeitung hatten. Es ist Schade, aber es ist so. Das angestaute Wasser wird nicht bis zu den Pyramiden in Meroe reichen (solcherart spinnertes Zeug wurde auch schon öffentlich behauptet). Bitte einen kurzen Blick auf die Landkarte, dann wird das klar. Es werden viel mehr oder weniger bedeutende Altertümer im Stausee untergehen. Es gab in den letzten Jahren Rettungsprojekte, welche zumindest die kulturellen Zeugnisse aufnahmen und die Bedeutenderen davon retten konnten. Natürlich war das zu wenig. Aber das ist es im Sudan und in anderen Ländern sowieso. Was soll man machen. Keiner gibt das Geld um diese Arbeit umfassend und gut zu machen. Und grob geschätzt hätten da 1000 Archäologen 10 Jahre mehr als genug zu tun. Macht das Sinn? (Ich bin selber Archäologe und muss mich auch solchen Fragen stellen). Zieht man die Kapazitäten von anderen Stellen ab um hier zu retten, verfällt an den anderen Stellen unwiederbringlich Kulturgut. Es ist halt nicht zu schaffen (nicht in 1000 Menschenleben) und es ist wahrscheinlich auch gar nicht notwendig.

Verzichtet man auf den Staudamm, werden Dieselgeneratoren weiter die Luft und das Wasser verunreinigen und die Leute werden irgendwann sich anfangen zu bekriegen um den Lebensstandard zu bekommen, der ihnen in den idiotischen arabischen Seifenopern vorgelebt wird. Die wollen und brauchen Strom. Ich weiss nicht ob es kurzfristig Alternativkonzepte gibt. Von brauchbaren praktikablen Sachen hört man leider auch nie etwas.

Mit erscheint es so, dass derartige Projekte in Entwicklungsländern sehr gern von der "1. Welt" instrumentalisiert werden um dort Stellvertreterkriege zu führen. Die wirklich Leidtragenden sind die Leute vor Ort. Natürlich ist es Schlimm wenn man seine Heimat verliert. Andererseits wollen alle aber auch die "Segnungen" der westlichen Zivilisation -und zwar sofort und in vollem Umfang- haben.
Wenn den betroffenen Leuten dann geraten wird konsequent Nein zu sagen, dann suggeriert man, dass ein westliches demokratisches System Ihnen helfen wird, Ihr "vermeintliches" Recht durchzusetzen. Und es gibt Staaten, die scheren sich definitiv nicht darum.
Und wer will sich anmaßen, zu entscheiden, was fair oder nicht fair gelaufen ist. Jeder besch..st jeden. Einen gesunde Portion Realitätssinn bewahrt einen vor irrationalen Erwartungen.

Das Dilemma Gutmenschentum, gute Ideen und wirkliche Hilfe in Einklang zu bringen mit den realen Gegebenheiten vor Ort ist nicht wirklich lösbar. Es wird immer Verlierer geben. Besser wäre es aus Verlierern Leute zu machen, welche reale neuen Chancen bekommen. Aber dazu fehlt es meist an Konzepten, da sich die beteiligten Gruppierungen nicht wirklich miteinander an einen Tisch setzen. Und man sollte sich aus unserer "westlichen" Sicht nichts vormachen. Natürlich werden Hilfsorganisationen von den lokalen Leuten auch wiederum dazu genutzt und auch missbraucht um eigene Interessen durchzudrücken. Die Leute dort sind mindestens so große Schlitzohren wie wir selbst und sie werden dieses Können gnadenlos für Ihren Vorteil ausnutzen (genau so wie wir meistens auch).
Also sollte man all solchen Themen immer kritisch gegenüber stehen und vor allem immer fragen: "Wem nützt es?". Und das zu beantworten ist nicht immer möglich. Wie kann man da die Vor- und Nachteile abwägen?
Unabhängig davon bin ich sehr dafür das für Menschenrechte gekämpft wird. Aber mir fehlt manchmal der Glauben, dass mit offenen Karten gespielt wird.

In diesem Sinne, bleibt kritisch und freundlich
Steffen
inzwischen ein Pragmatiker, welcher das Träumen nicht verlernt hat.
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