Wer den Film "Ice cold in Alex" nicht kennt - ich kann ihn empfehlen. Der wurde damals mit kleinem Budget gedreht und das da man die Filmcrew nicht extra nach Alexandria schicken wollte (da herrschte grad keine pro-Britische Stimmung) hat man die Stadtszenen kurzfristig in Libyen, besser in Tripolis gedreht.
Letzte Woche war ich grad dort und habe mir dne "Algeria Square" angeschaut, der im Film vorkommt. Kaltes Bier gab's allerdings nicht sondern nunr Grüntee und lauwarme Mirinda.
Also bin ich halt hete schnell nach Alexandria gefahren - und habe mir eben ein schöööööönes kaaaaaaltes Bier reingezischt Das tut richtig gut nach der langen Fahrt von Kairo herüber. Ich glaub' ich gönn' mir grad nochmal eins.
Beim Scanner in Zürich hat’s nicht gepiepst – obwohl ich (allerdings gewaschen) dieselben Kleider und Schuhe anhatte wie letzten Sonntag als ich von TIP her in FRA einreiste. Dort hat’s gepiepst. Scheisse, das Gesicht von diesem Typen, der hinter dem Scanner stand hat sich gleich aufgehellt und seine Augen blitzten lüstern als er mit dem Handscanner auf mich zukam. Es ist mir ein Rätsel, warum man in Frankfurt ausschliesslich Typen als „Security“ einstellt, die als Türsteher bei der Disco wegen schlechtem Leumund nicht zu gebrauchen sind oder die sich sonst irgendwo an dunklen Stellen aufhalten. Nun, meine Hand war parat. Wenn er irgendwelchen sensiblen Stellen zu nahe gekommen wäre hätte ich ihm einen Buck in die Maske gedrückt. Da ich genügen Zeit hatte, stellte ich dann seinem Vorgesetzten ein paar Fragen zu ihrem Verfahren – er meinte überzeugt, dass mein Hosenschlitz genug Metall an sich habe, um den Detektor piepsen zu lassen…
Und heute in Zürich hat’s nicht gepiepst. Ich habe dann den „Security“ gefragt, warum es bei seinem Scanner nicht piepst – worauf er mir (ohne den in FRA üblichen arrogant-schnoddrigen Unterton) freundlich erklärte, dass ein Hosenschlitz bei einem richtig eingestellten Scanner nicht angeben dürfe. Schön – meine Ansicht zu den Frankfurter Wächtern ist gefestigt.
Es klappte alles ganz wunderbar. Ich konnte sogar die vier Stunden nach Kairo im Economy-Klemmstuhl sitzen, ohne dass mir der Arsch einschlief. Dann kam das Essen… und auch hier gelang es mir einwandfrei, das Ganze in Rekordzeit zu verschlingen, ohne mein Hemd gleich mit der Salatsauce einzusauen. Der Flugi hatte sogar so kleine Bildschirme, wo man Filme schauen konnte. Theoretisch wenigstens, denn es war ja viel zu hell im Flugzeug, als dass man wirklich etwas hätte erkennen können. Ich tat mir „Skyfall“ an. Der Anfang war wirklich SUUUPER, denn da spielt ein LR Defender praktisch die Hauptrolle. Was nicht ganz realistisch schien ist, dass der LR so schnell wie der Güterzug fahren konnte. Egal. Als dann die Anfangsszene vorbei war, wurde der Film schnell langweilig. Zum Glück hatte ich noch ein Buch bei mir.
Kairo, Flughafen. Man merkt nichts. Es ist wie wo ich beim letzten Mal da war. Ich war fast etwas enttäuscht.
Sogar mein Koffer war da.
Kuno hat geschrieben:dass ein Hosenschlitz bei einem richtig eingestellten Scanner nicht angeben dürfe.
Kuno, das war nicht dein Hosenschlitz, das war dein Piercing. Ich hatte dir doch schon mal gesagt, du sollst deine Stahlkugeln zu hause lassen.
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
Vom Alex seinem Piercing zurück nach Kairo. Auf der Karte sieht's ja aus wie eine recht kurze Distanz, wenn man mit dem Auto nach Alexandria kommen will. Ich habe aber schnell gemekrt, dass kurze Distanz hier nicht unbedingt mit einer kurzen Fahrzeit zusammenhängen muss. Vor allem dann nicht, wenn die Fahrspuren von 3 auf 2 gehen und dort dann ein öffentlicher Bus liegengeblieben ist. Ein Teenagermädchen verkauft die obligatorischen Papiertücher und rennt mit der kleinen Schwester zwischen den Autos herum - die Kleine ist sicher nicht älter als fünf Jahre alt. Recht ungesund fuer die Kleine, die Chancen, dass sie nicht so alt wird wie ihre Schwester scheinen mir recht hoch zu sein.
Es dauerte locker eine Stunde, bis wir am Bus vorbeigeschlüpft waren.
Dann gleich voll auf's Gas gestiegen, so dass selbst die Bretzelverkäufer zur Seite springen mussten. Aber nach ein paar hundert Metern war bereits wieder Schluss und der Verkehr staute sich erneut - wir standen mehr als wir fuhren auf unserem Weg durch das Tal der abgerauchten Kupplungen... Alexandria war noch weit.
Wenn man so im Stau steht, dann hat man Zeit, sich die architektonischen Schönheiten der Umgebung etwas genauer anzuschauen. Es ist nicht alles so, wie man es aus dem Werbeprospekt kennt und ich möchte nicht unbedingt wissen, wie es sich in den Baufälligen Wohnblocks leben lässt. An den Stützmauern zur Strasse hin hängen noch Wahlplakate. Das Portrait vom Mursi. Ziemlich verblasst sieht es aus. Nicht nur das Plakat - auch die Hoffnungen, die man in ihn als neuen Präsidenten gesetzt hatte. Das sagt zumindest der eine Aegypter, den ich fragte, wie's denn so läuft. Er meint, wir haben einen Diktator gegen den nächsten ausgewechselt und der neue sei nicht besser als der alte. Seine Kollegin widerspricht und sagt, dass der neue schlimmer sei als sein Vorgänger - nicht für die MB aber sicher für sie als Frau. Was soll ich dazu sagen? Ausser ein paar (wahrscheinlich schlechten) allgemeinen Aussagen fällt mir nichts ein. Ich nehme an, dass sie recht haben...
Ich wollte noch was weiterschreiben. Aber nachdem ich mir auf 16:00 ein "Orientalisches Frühstück" bestellt und daraus auch die in Schweiben geschnittenen Würstchen gegessen hatte geht's mir grad nicht so gut. Wer isst auch schon Würstchen in Alexandria?
War es evtl ein occidentales Frühstück? Denn sollte es eine echte englische Frühstückswurst gewesen sein, dann hat dein Körper eine Herausvorderung vor sich.
Das stellt sogar den "geübten" Fleischesser vor eine echte Afgabe.
Ok. Das Würstchenproblem ist weg. Ich gönnte mir ein Pilzrisotto zum Nachtessen. Nun, in Italien wäre der Koch dafür wahrshceinlich ins Gefängnis gekommen
nun, kuno, in ägypten sollte man ja auch nicht englisches oder italienisches essen, sondern homos, felafel oder kosheri.
guten appetit und weiterhin reiseberichte von unterwegs
wünscht
uwe
Nochmal zurück nach Kairo. Um drei Uhr sind wir vom Flugplatz losgefahren. Irgend so ein klappriger Toyota Corolla. Im Radio liefen entweder Nachrichten, die sich praktisch ausschliesslich mit den Todesurteilen von Port Said beschäftigten. Und wenn’s grad keine Nachrichten waren, dann halt irgend eine Art Hörspiel mit kreischenden Jungfrauen oder so eine Art Musik mit offensichtlich rückwärts gespielten Geigen. Egal, es übertönte den Piepser, der immer dann kam, wenn die Karre die 120 km/h erreicht hatte. Die „Desert Road“ nach Alexandria ist knapp 200 km lang und wirklich eine Superstrecke – irgendwie läuft da dauernd ein Rennen, alle gegen alle und es mach auch jeder begeistert mit. Ueberholt wird rechts und links und manchmal kommt einem auch einer entgegen. Oder einer ist mit dem altbekannten Eselskarren unterwegs. Oder ein Dreirad-Tucktuck versucht mitzumachen. Der verrückteste Fahrer war der, der auf der vierten Spur einfach angehalten hatte und seinen Picker aus der Kanne betankte. Wir konnten ihm grad noch ausweichen. Das hätte gut gerumpelt. Es liegt auch eine ganze Menge Zeugs auf der Strasse. Reifenteile, verlorene Ladung und irgendwelche abgefallenen Stücke von Autos Aber Mustapha ist fit und wach – er kann all dem was so rumliegt ausweichen. Dann kommen plötzlich Kratzgeräusche von vorne unten, von dort wo der Motor ist. Wir halten auf der rechten Spur an um zu schauen, was da nicht gut ist. Aber alles nicht schlimm. Es ist nur das Plastikstück, welches Toyota als eine Art Bodenblech unten dran gepappt hat. Wir fahren weiter. Und als es irgendwann abfällt hört auch das Kratzgeräusch auf. Gut. Auf Alexandria hin wird’s dann Nacht. Ich kann die Autos in zwei Kategorien unterteilen: Die mit ohne Licht und die mit enorm vielen bunten und grellen Lämpchen. Wie Italienische Weihnachtsbäume. Aber zügig sind alle unterwegs. Um sieben sind wir im Hotel. Und da gönne ich mir das bereits erwähnte Bier. Reisezweck erfüllt und ich bin müde – ich gehe früh schlafen.
Montag 2013-03-11
Schön ist es eigentlich nicht in Alexandria. Wirklich nicht. Egal, ich bin ja auch wegen dem eiskalten Bier hergekommen. Einen Tag bleibe ich trotzdem noch. Ein paar Autos anschauen und noch ein paar interessante Gespräche aber dann habe ich es irgendwie gesehen. Morgen geht’s zurück nach Kairo. Nochmal die „Desert Road“.
Dienstag 2013-03-12
Der heutige Fahrer ist irgendwie seltsam. Der fährt einfach. Macht den U-Turn ohne sich auch nur im geringsten um den Verkehr zu kümmern. Ich glaube, mit dem Vogel stimmt was nicht. Dann rumpeln wir über ein abgefallenes Reifenband von einem Lastwagen (also das Ding, wo sonst das Profil reingeschnitten ist). Immer noch auf der vierten Spur fängt er an, im Handschuhfach rumzuwuseln Er holt einen Plastiksack raus und…. Dann findet er darin seine Brille. Und was das für ein Teil ist. Ohne Brille muss er praktisch blind sein. Irgendwie liegt heute mehr auf der Fahrbahn als bei der Hinfahrt. Einen tüchtigen „Ghibli“ haben sie auch grad. Sie nennen ihn hier zwar „Khamseen“ aber das ist eigentlich egal – wegen dem Staub ist die Sicht ernsthaft reduziert. Dies wiederum wird von den Autofahrern offensichtlich konsequent ignoriert. Bei den Tankstellen stehen die, die Diesel brauchen in laaaaangen Schlangen an. Irgendwie gibt’s grad keinen Diesel. Macht nichts, wir haben einen Benzinmotor. Einen Haufen Bedford LKW hat’s unterwegs. Die alten Dinger, so wie schon John Wayne einen im Film Hatari hatte. Ab und zu steht einer, gerne mal mit einem Leck unten dran, wo das ganze Oel abhaut – sind halt Engländer Um Drei sind wir schon im Hotel Ich will noch was mit dem angebrochenen Tag anfangen und laufe über die Qasr el-Nil Brücke zum Tahir Platz. Am Brückenkopf ist grad irgendeine kleine Demonstration im Gange. Mehr Zuschauer als Demonstranten und der Kameramann von der einen Fernsehanstalt schläft hinten im Auto. Auf dem berühmten Platz ist alles ruhig. Nur ein Reifen brennt. Aber es ist fast leer. Die Zelte in der Mitte des Kreisels erinnern mich irgendwie an die Camps der sang- und klanglos verschwundenen „Occupy-Bewegung“. Für die hat sich auch schnell niemand mehr interessiert. Das Portrait vom Mursi ist als Karikatur an die eine Wand gemalt. Irgendwie wirkt alles recht verlassen. Und es liegt viel Müll herum. Angenehm sieht’s hier nicht aus. Ok, ich habe eigentlich auch nicht wirklich etwas erwartet. Den Reifen lasse ich brennen und gehe zurück ins Hotel. Hätten wir das also auch gesehen. Beim Nachtessen bin ich der Schönste. Das Hotel ist praktisch leer – es liege zu nahe am Tahir Platz.
Heute sind Museumsbesuche angesagt. Zuerst das “Panorama Oktober 1973”. Ich habe noch nie ein 360 Grad Panorama besucht (obwohl es in der CH auch eins gäbe. In Luzern). Das Panorama in Kairo hat auch noch eine Aussenausstellung. Es geht um den Krieg 1973, wo Aegypten Israel nach dem Uebersetzen über den Suezkanal endgültig besiegt hatte. Um zu verdeutlichen, welche Panzer und Geschütze die der Verlierer sind, sind deren Kanonenläufe gesenkt. Als ich ankomme bin ich der Einzige Gast. So liebe ich das. Aber ich habe die Rechnung nicht mit dem ET Militär gemacht. Natürlich kann man sich die Sache nicht einfach anschauen sondern es gibt eine offizielle Vorführung. Es geht natürlich noch nicht grad los – zuerst müssen noch mehr Leute da sein. Und die kommen dann auch. busweise werden Schulbuben herangekarrt. Die Startet mit einer Marschmusikkapelle – und was die spielen, das tönt ziemlich scheppernd und quer. Mehr laut ist mehr gut ist das Motto und sie kennen keine Gnade Die Schüler auch nicht. Sie sind kaum im Zaum zu halten. Dann geht es in den Kinosaal. Grässliche Vorhänge und vor der Leinwand ein Modell des Suezkanals. Dann fängt der Film an. Der ist aber so ausgeleiert, dass man kaum mehr etwas erkennen kann. Auch die Tonspur ist komplett am Arsch. Aber man zieht es eisenhart durch – ein recht übler Propagandafilm, der nicht einmal versucht, den Anschein zu erwecken, dass er historisch korrekt sei. Dann werden wir in einen weiteren Saal geführt. Und da wird es dann einfach nur noch bizarr. Es wird dunkel und der Vorhang geht auf. Auf etwa 20 Meter Breite ist ein Sandkasten installiert, in dem man alle möglichen Panzer und Radarwagen positioniert hat. Kleine Modelle. Dann gehen überall Lämpchen an und eine donnernde Stimme erklärt den Schlachthergang. Kampflärm wird eingespielt und an Fäden aufgehängte Flugzeuge „schweben“ durch die Szenerie. Alles ist komplett ausgeleiert – ein Flugzeug fliegt sogar rückwärts. So übel ist das gemacht, dass es schon wieder cool ist. Die Schüler haben ausnahmslos ihre Smartphones gezückt und filmen alles ab. Ich bin der einzige der kein Smartphone hat.
Und als auch diese Vorführung überstanden ist, geht es endlich ins eigentliche Panorama. Das ist gut gemalt. Ein Diorama im Vordergrund geht in den gemalten Hintergrund über. Die Bühne dreht sich einmal rundherum und dann ist’s fertig. Wir sind entlassen.
Das Panorama –so steht es hinten auf dem übergrossen Ticket zu lesen- wurde 1983 von Präsident Hosni Mubarak mit Hilfe von Nordkorea gebaut. Super, oder? So etwas gibt es wahrscheinlich ausserhalb Nordkoreas nirgends mehr. Das war den Besuch auf jeden Fall wert. Porträts von Mubarak werden keine verkauft. Aber von Nasser und Sadat. Und von ein paar Sängern und US-Wrestlern. Die Schüler decken sich mit den Postkarten der Wrestler ein.
Dann zieht’s mich noch zur grossen Zitadelle. Auch dort ist Mubarak noch präsent. Es gibt Tafeln mit Sprüchen von ihm und im grossen Treppenaufgang hängt sein übergrosses Porträit – sicher 5 x 6 Meter im Ausmass. Also richtig riesig. Wie wenn es nie eine Revolution gegeben hätte hängt er absolut prominent da. Vom Mursi sieht man nichts. Ich schaue mir noch die Moschee an. Gleich am Eingang spricht mich eine Führerin an. Natürlich brauche ich keinen Führer. Aaaaber sie lässt nicht locker, meint, dass ich doch gar nichts über die Moschee wisse. Ich entgegne, dass ich nur ein paar Fotos machen wolle und das fehlende Hintergrundwissen für mich kein Argument sei, mir gleich einen Führer zu nehmen. Sie meint „Ok“, aber sie hätte noch ein anderes Argument. „Welches denn?“ frage ich. Sie bräuchte ganz einfach das Geld. Kein Gesülze und kein Gejammer sondern klipp und klar. Gut; das muss ich gelten lassen und somit bin ich nun mit Führerin unterwegs. Und sie war auch gut. Muss ich sagen.