Im Sommer in die Wüste

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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Kuno
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Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Kuno »

Fährt eigentlich niemand im Sommer in die Wüste? Oder sagen wir wenigstens nach Nordafrika um die küstennahen Gebiete zu besuchen?

Nur weil in den Reiseführern seit den 1930er Jahren steht, dass es für einen Besuch Nordafrikas im Sommer viel zu heiss ist, muss dies ja noch lange nicht so sein (da schreibt ja auch einer dem andern ab :mrgreen: ).

Ist jetzt durchaus ernst gemeint. In der "empfohlenen Reisezeit" wird es vor 0800hrs nicht richtig hell und ab 1800hrs rennt man schon wieder mit der Stirnlape rum und such verzweifelt nach der Stirnlampe, weil es schon wieder arschkalt ist. Die Lagerfeuerromantik findet dann auch nur dick eingemummt statt.

Im Sommer ist es schon mal viel länger hell und ich brauch nicht einmal einen Schlafsack (welcher dann am Morgen von der rumfliegenden Glut auch keine Löcher hat :evil: ).

Zugegeben, es kann ganz schön warm werden im Sommer und wenn man nicht genug trinkt dann kann es schon mal zu Fehlfunktionen kommen. Und wer buddeln muss, der weiss auch, was das heisst...

Egal - für mich als Touristen hat das Reisen im Sommer eigentlich mehr Vor- als Nachteile. Also für mich persönlich.

Eine Einschränkung: Da sich die lokalen Touristikunternehmen und auch die heldenhaften einheimischen Wüstenfahrer grundsätzlich auch im Schatten wohler fühlen, hat man schon vor langem die Meinung übernommen, dass man im Sommer in der Wüste nicht reisen KANN. Wer also auf die lokalen Streitkräfte angewiesen ist, der wird grosse Mühe haben, jemanden zu finden, der "mitkommt". Das permanente Gejamere kann dann ganz schön auf den Kecks gehen. Dauernd ist es ihnen zu heiss. Nicht gut für's Auto. Braucht zuviel Benzin. Hat zuwenig Wasser. Ist Müde. Die Armen...es waren ja bis jetzt nicht die Touristen, die auf einem Zwangsführer bestanden haben :twisted:

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Was sind eure Erfahrungen?
Africalex
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Africalex »

Fährt eigentlich niemand im Sommer in die Wüste?
Doch - ich. Obwohl ich nie an die Sommerferien gebunden war.
Und das seit über 20 Jahren - immer wieder.
Für mich/uns gibt es nichts schöneres/erholsameres, als bei über 35° die
Einsamkeit zu geniessen.
Das ist Erholung pur für Seele und Gesundheit.
Natürlich versuchen auch wir die "Bullenhitze" um die 45° mittags nicht in
der prallen Sonne zu verbringen. Folglich passt man seinen Tagesrhytmus
den Temperaturen an.

Ein Grund, warum meine Frau und ich in einigen Jahren nach Africa
gehen, ist sicherlich auch die Witterung. Und speziell die Sahara.

Gruß
Alex
(dem es hier in D irgendwie immer zu kalt ist) :D
You're welcome - Obroni !
Bild
Kuno
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Kuno »

Aha; es gibt also doch auch "solche" :D
Guido3

Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Guido3 »

Hallo Kuno,

Nun ja, in unseren Breiten ist es zur Sommerzeitwende mehr als doppelt solange hell wie zur Winterzeitwende (ca. 16h vs. 8h). Umso näher man an den Äquator kommst, umso geringer fällt der Zeitunterschied aus. Im Vergleich zum Frühjahr und Herbst ist es im Sommer in den Wüsten Nordafrikas nur etwa 2 Stunden länger hell. Dann hat man aber vielleicht 4 Stunden mit deutlich über 40°C, die man kaum für irgendwelche Aktivitäten nutzen kann. Netto hat man dann eventuell sogar weniger nutzbare Zeit bei Tageslicht. Von daher kann ich schon verstehen, dass viele den Sommer als Reisezeit meiden.

Es gibt aber auch Menschen, denen die Hitze wenig ausmacht und die haben in der Off-Season dann den Vorteil, dass es häufig günstigere Konditionen gibt und das Highlights im jeweiligen Gebiet weniger frequentiert sind.

Beste Grüße

Guido
Kurt P.
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Kurt P. »

Hallo Kuno, ich würde auf deiner Stelle froh sein wenn es wenigstens noch ein paar Wochen im Jahr gibt wo mans in Nordafrika geniesen kann. Würde deinen Geheimtipp nicht so an die große Glocke hängen.
Lg und viel Spaß bei 50 Grad im Schatten Kurt
wer viel fragt, geht viel irr ?!
Kuno
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Kuno »

Und ein stichhaltiges Argument gegen Wüstenreisen im Sommer ist ja dies: In der kurzen Zeit, wo es zuhause auch schön ist muss man ja nicht unbedingt in den Süden verreisen...
Gerhard Göttler
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hallo Kuno!

"Natürlich" war ich schon oft auch im Hochsommer in der Sahara unterwegs. Allerdings versuche ich das möglichst zu vermeiden. Wenn man "nur" als Tourist in dieser Jahreszeit reist, mag man noch durch Siesten seine körperliche Leistungsfähigkeit erhalten können. Ist man allerdings so wie ich berufsbedingt unterwegs, leiden die Ergebnisse sehr unter der sommerlichen Hitze-Belastung. Warum ich früher im Sommer oft dort unterwegs war: Tuareg heiraten im Juli/August. Im Hoggar mag alles wegen der Höhenlage noch erträglich sein, aber z.B. der Backofen In Salah ... oder auch die Region Arak! Puh, da hab ich schlimme Erinnerungen. Nächte, in denen das Thermometer nicht unter 37 Grad fiel ...

Nicht zu unterschätzen auch das deutlich erhöhte Risiko! Wenn man sich die Tabellen der Überlebenschancen mit wenig Wasser ansieht, wird klar, was Sommertemperaturen auch bedeuten. Und hat man erst mal nach einer Sandel-Aktion seine Vorräte ratzfatz auf die Hälfte reduziert (man kann gar nicht so viel in sich reinschütten, wie man rausschwitzt), muss man sich schon gut überlegen, wie weit man sich noch ins Abseits begeben will und kann.

Wer dann als Fahrer eines Benzinfahrzeugs mal sein Benzin im Tank hat sieden hören, weiß, dass da noch ganz andere Gefahren lauern! Und der Treibstoff in den Kanistern verhilft diesen zu mächtig dicken Backen. Als ich noch mit Benzinfahrzeugen unterwegs war, hab ich die Vorräte oft mit nassen Tüchern dauer-gekühlt. Gleiches gilt im Sommer auch für die Reserve-Filme, die brauchen ungedingt Kühlung. Haben aber den Vorteil, dass keine unmittelbare Gefahr von ihnen ausgeht.

Für mich: Wenn ich kann, meide ich sommerliche Reisen. Für die Südsahara und den Sahel gelten dann wieder ganz andere Regeln.

Der Gerhard
Kuno
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Kuno »

Gerhard; welche deiner beruflichen Tätigkeiten hat denn mit den Tuareghochzeiten zu tun 8) Willst mir jetzt aber nicht sagen, dass du nun auch noch als Heiratsvermittler agierst; oder?

Ok; wenn du im Sommer die Reiseroute aufschreiben dann verschmierst du mit dem Schweiss halt die ganzen Notizen und du kannst es nachher nicht mehr lesen. Aber egal; mach's wie M-Soft: Gibst eine BETA raus und die Kunden korrigieren deine Fehler (erst noch auf ihre eigenen Kosten!) :mrgreen:
Kurt P.
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Kurt P. »

Hallo Herr Göttler, nur zur Info, auch für den Sahel und die Südsahara gilt das gleiche , auch hier ist der Sommer nicht die ideale Reisezeit, den hier regnet es ziemlich viel und viele Strecken sind sehr schwer oder oft sogar überhaupt nicht befahrbar. Aber auch hier gibt es etwas positives, man ist im Juli und August fast alleine unterwegs. Aber bitte nicht weitersagen.
Liebe Grüße Kurt
wer viel fragt, geht viel irr ?!
Gerhard Göttler
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hallo Kurt P. und Kuno!

Das mit Südsahara und Sahel sehe ich anders: Eben weil es dort in unserem Sommer regnet (hoffentlich) ist es a) kälter und b) klimatisch und atmosphärisch angenehmer. Beispiel Niamey: Da geht die durchschnittliche Tageshöchtstemperatur von 41 Grad (April, Mai) auf 32 Grad (August) zurück. Entnommen der Klimatabelle in der Michelin-Karte.

Nein, Heiratvermittler wäre nicht meine Sache. Aber ich war ja früher sehr in Tuareg-, na, sag ich mal Forschung, involviert und deshalb musste ich natürlich auch mal an Hochzeiten teilgenommen haben. Die Literatur bringt da zwar vieles, aber ich wollte natürlich auch sicher gehen, dass das so abläuft, wie es geschrieben steht. Hochinteressant auch die speziellen Regenzeit-Wanderbewegungen der nomadischen Gruppen oder die Salzkurz-Wanderungen. Und ganz grundsätzlich: Ich wollte einfach auch mal wissen, wie das im Sommer so zugeht in der Sahara. Gehört einfach dazu. Und das mit dem Schwitzen ist ja tatsächlich so: Der Schweiß fließt in Strömen, z.B. in die Augen, wenn man die Kamera davor hat oder auch tatsächlich ins Tagebuch, wenn man am Schreiben ist ... drum verwende ich nur noch Bleistift Typ HB. Und das ist jetzt mein voller Ernst.

Die Zeilen aus Chapelle kommen. Lass mir noch etwas Zeit, bitte.

Der Gerhard (Göttler)
Kurt P.
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Kurt P. »

Hallo Herr Göttler, das mit der Temperatur stimmt, jedoch sollte man im Süden neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit beachten.
Lg. Kurt
wer viel fragt, geht viel irr ?!
Kuno
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Kuno »

"Der Schweiß fließt in Strömen"

Also bei mir ist der Schweiss irgendwie gleich verdunstet. Hat mich im Sommer im Süden eigentlich nie wirklich gestört. Im Norden, wenn hohe Luftfeuchtigkeit herrscht ist mir das viel lästiger.
ursula
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Sahara Sommer Ägypten

Beitrag von ursula »

Als sich mir vor 2 Jahren die Gelegenheit bot, im August bei einer Reko durch die Grosse Sandsee zum Gilf mitzufahren, sagte ich sofort zu. Es war höllisch heiss
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aber als ich erst mal akzeptiert hatte, dass ich in der Mittagspause nicht mehr wie gewohnt rumstreunen konnte, sondern lernte, in der heissesten Zeit im eigenen Saft vor mich hinzudämmern, genoss ich nach der ersten Woche sogar diese Tagtraumzeit

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Manchmal las einer was vor, die Karten wurden ausgebreitet und studiert oder wir spintisierten uns was im Halbschlaf zusammen. Einer (von uns 4 Touris) war ein ausgesprochener Grönlandfan, erzählte manchmal wilde Geschichten von gefährlichen Eisbären, bissig kalten Nordwinden und grünlichblauen Eisschollen - und um uns flimmerte der ausgebleichte Horizont, brannte der Boden und fauchte der siedendheisse Wind durch unseren knappen Schattentempel. Ein Erlebnis der anderen Art, das ich nicht missen möchte!

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Natürlich "verliert" man durch diese langen Mittagspausen Zeit, denn zwischen 11 und 16 Uhr ging fast gar nichts mehr. Aber dafür gabs dann diese unvergesslichen Momente, wenn wir schon vor der Dämmerung losfuhren, diese zarten Lichterspiele des anbrechenden Tages, das sanfte Hingleiten durch die halbdunkle Dünenlandschaft, die Wiederkehr der Farben, die blendende Lichtfülle der aufgehenden Sonne - diese Momente gehören zu meinen schönsten Erinnerungen überhaupt.
Gefahren sind wir meistens bis 20 Uhr und anstatt mich nach dem Essen subito vor der Kälte und dem schneidenden Wind in meinem wärmsten aller Schlafsäcke flüchten zu müssen, lagen wir entspannt auf den Matten unter dem glitzernden Sternenhimmel, diskutierten oder schwiegen bis tief in die Nacht.
Der Sahara-Sommer hat durchaus schöne Seiten, wenn man sich gut versteht und niemand der Hitze wegen durchdreht.
Übrigens - in der dritten Woche fröstelten wir bereits bei Temperaturen unter 30 Grad...

schöne Grüsse - Ursula
Jürgen Kempe
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Jürgen Kempe »

Ach Ursula :!:

Zwar hab' ich die heissen Sommer im Süden Algeriens nicht in so guter Erinnerung, wie Du diese Gilf-Tour, aber Deine Berichte und Bilder ( :D ) lassen Dich mir als "Lichtgestalt" erscheinen und jeden Tag, den ich hier zu Hause verbringe, als verlorene Zeit :evil:

Dank und Gruss von Jürgen Kempe
Gerhard Göttler
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Re: Im Sommer in die Wüste

Beitrag von Gerhard Göttler »

Ja, und wenn man neben Deinen schönen Worten noch den schönen Himmel mit seinem Blau und den Federwolken sieht, wird auch klar, dass nicht alle Sommereisen so verlaufen können. Das Wetterglück scheinst Du gepachtet zu haben!

Das von Dir angesprochene Frösteln ist schon eine eigenartige Sache. Mein Eindruck ist, dass der Körper sich rasch an die Hitze gewöhnt, dann aber lange braucht, um mit kühleren Temperaturen wieder klar zu kommen. War ich im Spätjahr wiederholt in der Hitze Westafrikas, friere ich den gesamten restlichen Winter hier. Würde mich mal interessieren, ob es dafür eine medizinische Erklärung gibt oder auch nur, ob andere diese Erfahrung auch so machten.

Der Gerhard

p.s.: Als Sonnensegel hattet Ihr einen schönes nubisches Tuch. Hätte ich auch gerne. Und Tajabone: Das Bild des trinkenden Targi fand ich ganz besonders schön.
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