LY / 17. Februar - ein Jahr danach

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Kuno
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LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Kuno »

Gestern hat man den ersten Jahrestag der Aufstaende gegen Ghaddafi gefeiert.

Unsere Medien waren bereit - und die Meldungen wohl bereits im "Entwurf" aufgesetzt.
Man hoffte auf richtig "Rambazamba" nachdem sich ein paar Tage zuvor die bewaffneten Revolutionaere in einer Parade durch Tripolis bewegt hatten

Dann kam aber die grosse Enttaeuschung. Es blieb nicht nur absolut friedlich sondern auch ohne die bekannten Schuesse in die Luft. Von vereinzelte Ausnahmen einmal abgesehen.

Stattdessen unterzog schlichtweg jeder seine Autohupe einem Dauertest. Das nervt zwar genauso, fuehrt aber tendentiell zu weniger Blei, das wieder aus dem Himmel faellt.

Eigentlich gab's gestern nicht mehr als ein unorganisiertes spontanes Fest auf den Strassen. Ein paar Leute in Tripoli hatten wohl das bereits vorbereitete Feuerwerk fuer Ghaddies naechstes Revolutionsjubilaeum gefunden und es nun zum neuen Anlass hin abgebrannt.

Gut. Das ist doch ein sehr positives Zeichen; oder? Alexander hatte es an anderer Stelle bereits geschrieben -die Libyer scheinen zufriedener zu sein als zB. die DE und die FR.

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Ein muehsames Volk sind die LYs halt schon. Sie benehmen sich einfach oftmals nicht so, wie man es erwartet haette :wink:
Alexander
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Alexander »

Kuno hat geschrieben:Unsere Medien waren bereit - und die Meldungen wohl bereits im "Entwurf" aufgesetzt.
Man hoffte auf richtig "Rambazamba" nachdem sich ein paar Tage zuvor die bewaffneten Revolutionaere in einer Parade durch Tripolis bewegt hatten
Welche Weitsicht läßt den Schluß zu, dass man auf "Rambazamba" gehofft hat?
Ist das nicht etwas weit hergeholt?

Ich lese von Vielversprechender Neustart in Libyen aber nicht auf das Hoffen von Kravallen.

Grüsse
Alexander
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Kuno
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Kuno »

Nun, "Weitsicht" ist das nicht. Einer der Korrespondenten hat es gestern im Fernsehen sogar so gesagt - dass es eben nicht zu den erwarteten Schiessereien gekommen sei. Die Stimmung war in den letzten Tagen auch etwas angespannt.

Die LY Behoerden selber hatten wohl mit massiven Stoerungen gerechnet und deshalb viel Personal aufgeboten, was bereits weit ausserhalb der Ortschaften den Verkehr kontrollierte und in Alarmbereitschaft war um bei einem Zwischenfall sofort eingreifen zu koennen.

Es gab auch viele Anzeichen, dass es zu solchen Stoerungen kommen wuerde. Saadi's Aussagen am Fernsehen hat man mindestesn soweit ernst genommen, dass man erwartete, irgendwelche Leute glaubten ihre Zeit sei jetzt gekommen. In Benghazi, Sebha und Tripolis soll es zu Verhaftungen von bewaffneten Attentaetern gekommen sein

Die europaeischen Firmen hatten ihren Leuten praeventiv verordnet in den Hotels zu bleiben und teilweise privates Sicherheitspersonal dazugemietet. Und wer konnte, der hat die Gelegenheit gleich genutzt, sch wieder mal ins Ausland in Sicherheit zu bringen :wink: (Man erwartet die Herren so um den Sonntag zurueck im Buero).
Alexander
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Alexander »

Also war es mehr Prävention als "Hoffen". Auch bei uns werden bei bestimmten Veranstaltungen Sicherheitsmaßnahmen getroffen.
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Kuno
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Kuno »

Naja. Das Wort "hoffen" soll natuerlich nicht in seiner positiven Weise verstanden werden.
Alexander
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Alexander »

Kuno hat geschrieben:Naja. Das Wort "hoffen" soll natuerlich nicht in seiner positiven Weise verstanden werden.
Das war auch nicht meine Absicht. :wink: Daher auch in Anführungszeichen
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Bodensee
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Bodensee »

Fahnenmeer in Libyen
Der erste Jahrestag der Revolution brachte die Beölkerung vom Baby bis zur Urgrossmutter auf die Strassen und Plätze. Laut diesem Bericht sollen rund sieben Millionen Fahnen in Bewegung gewesen sein... Ueber die Anzahl der verbrauchten Farbkübel habe ich leider keine Angaben gefunden.

http://www.shabablibya.org/news/seven-m ... -democracy
Kuno
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Kuno »

Bei aller Freude ueber die friedlich verlaufene Jahresfeier. Bereits ein paar Tage zuvor gingen Kaempfe in Kufra los und als uns die vielen Pickups mit den MG auf dem Weg nach Sueden begegneten hofften wir eigentlich, dass sich diese zwischen die Streitparteien stellen wuerden. Wenn man heute liest, dass die Tubu bereits ca. 100 Tote zu beklagen haben, die Zweia jedoch "nur" etwa 20, dann befuerchte ich, dass die 'Eingreiftruppe' aus dem Norden fuer die Zweia Partei ergriffen hat.

Ich glaube, dass es in Kufra nun zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Revolution in LY zu einem Stammeskonflikt gekommen ist. Die Zweia sind erst im 19 JH. in Tazerbo und in Kufra eingewandert und haben seither die Tubu immer mehr an den Rand gedraengt. Und ich habe nicht das Gefuehl, dass sich die Lage fuer die Tubu nun entscheidend bessern wird. Im Gegenteil.

Zudem haben die Tubu einen sehr schlechten Ruf. Nicht einmal die Europaer auf der ewigen Suchen nach dem edlen Wilden haben den Tubu ein Etikett umgehaengt, wie manes bei den Tuareg getan hat. Persoenlich glaube ich, dass der schlechte ruf der Tubu ebenso ungerechtfertigt ist, wie der gute ruf, den die Tuareg (mindestens in Europa) geniessen.
Alexander
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Alexander »

Hier noch ein kurzer Artikel zu Kunos Bericht:

Stammesvertreter: 130 Tote in zehn Tagen bei Gefechten

Stämme kämpfen um Gebiete im Südosten

Tripolis - Bei Kämpfen zwischen Stämmen im Süden Libyens hat es nach Angaben von Stammesvertretern in den vergangenen zehn Tagen mehr als 130 Tote gegeben. Wie der Chef des Tubu-Stamms, Issa Abdelmajid, der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag sagte, starben seit dem Beginn der Kämpfe 113 Menschen, 241 wurden verletzt. mehr...

Grüsse
Alexander
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Kuno
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Kuno »

...auch im Niger macht man sich etwas Sorgen um die reisefreudige Jugend:

"NIAMEY, Feb 26 (Reuters) - Niger's government warned its people on Sunday they could be targeted by roving militias if they travel to Libya, as tensions rise between the neighbouring countries over Niger's refusal to extradite Muammar Gaddafi's son Saadi.

Two Nigeriens were killed and eleven injured on Feb. 24 in Libya when their vehicle overturned during a car chase in the desert, the latest incident of apparent attacks on Niger immigrants in the country, the government said.

"The minister of foreign affairs ... and the minister of public security strongly discourage travel to Libya because of attacks by independent and uncontrolled militias," according to a foreign ministry statement read over the radio.

"Both departments recommend strongly to the Nigerien youth to refrain from the temptation of migration to Libya until the security and economic situation becomes more stable and reassuring," it added."
Wolfgang16
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Wolfgang16 »

Alexanders Link ist sehr interessant, insbesondere auch die Kommentare. Zur Vorgeschichte dieser Auseinandersetzungen:
32. STP recalled that massive discrimination of the Toubou minority had been reported
from the south eastern part of the country. Some 4,000 Toubou people are living in the
town of Kufra, an oasis city of 44,000 inhabitants some 2,000 kilometres from Tripoli. In
the Libyan Arab Jamahiriya, they were treated as foreigners by the authorities. In December
2007, the Libyan Government withdrew citizenship from members of the Toubou group,
stating that they were not Libyans but Chadians. Furthermore the local authorities issued
decrees barring Toubou from access to education and health care services. The armed
movement “Front for the Salvation of the Toubou Libyans” has opposed these measures
and up to 33 people died in Kufra, during five days of fighting between the official security
forces and the Toubou in November 2008.

33. Despite public criticism, the government of the Libyan Arab Jamahiriya continues to
expel Toubou people from their residential areas in Kufra according to STP. Since
November 2009 dozens of families lost their homes due to forced destruction by bulldozers
supervised by state security forces. Several dozens of Toubou were arrested because of
their opposition against the forced evictions. They only were released after publicly
confirming that they would not block any destruction of houses. People who refused to
move from their houses were beaten by security officials. Some were notified by the
authorities to leave the houses only minutes before bulldozers destroyed their homes. No
alternative housing was proposed to the victims of the forced evictions. Furthermore,
Libyan authorities refused to renew or extend passports to members of this minority.
Several times parents were prevented from registering births of their children and denied
birth certificates. According to STP, the Libyan Government is responsible for a deliberate
policy of ethnic cleansing in Kufra which violates both Libyan and international law.
Quelle:
http://lib.ohchr.org/HRBodies/UPR/Docum ... _Libya.pdf

STP ist die Society for Threatened Peoples. Informativ in dem pdf sind auch die Anmerkungen zu den Amazigh.

Nachtrag: Das gibts auch in Deutsch:
http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=226 ... sideTree=1

und hier noch eine aktuelle Stellungnahme der GfbV:

http://www.gfbv.it/2c-stampa/2011/110223de.html

Nachnachtrag: Nein nicht aktuell, die ist von 2011 :roll:
Kuno
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Kuno »

Meine Lieblingsschalgzeile von heute brachte die Times of Malta:

Libyan found carrying 16 chickens at the airport

http://www.timesofmalta.com/articles/vi ... ort.408913
Kuno
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Kuno »

Die Sensationsmeldung vom gestrigen Huehnerschmuggler wird heute im Malta Independent noch einmal aufgewaermt:

http://www.independent.com.mt/news.asp? ... mid=140478

Glueckliche Insel :wink:
Mia
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Mia »

Hallo,

eine Meldung aus der Zeit "Dschihadisten gewinnen Einfluss in Tripoli"

http://www.zeit.de/politik/ausland/2012 ... n-Al-Kaida

Gruß Mia
Der Versuch, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, produziert stets die Hölle. (Karl Popper)
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Re: LY / 17. Februar - ein Jahr danach

Beitrag von Kuno »

Many will fear that the desecration of such a special place – one that symbolised unity of different peoples and religions with such strength – is a sign that Libya is spiralling out of control and facing the threat of Islamist extremism.

That is understandable after such an outrage. But it is also wrong.

Without doubt, this is a depressing turn of events. It is a warning sign of the dangers ahead. But just as when neo-Nazi thugs desecrate Jewish cemeteries in Europe it does not mean the continent is on the brink of fascism, we should not read too much into the actions of a handful of misguided fools.


http://www.guardian.co.uk/commentisfree ... tion-libya
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