Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.

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AnnArbor
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Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Irgendwie weiß ich nicht so recht, wo meine Eindrücke richtig aufgehoben sind. Es ist kein klassischer Reisebericht - ein "schönster" schon mal gar nicht. Ich berichte ausschließlich über Kapoeta, Südsudan und ein wenig über Loki, Nordkenia. Auf die Idee gebracht hat mich Birgitt, die kürzlich erst dort war und aktuelle Bilder hier ins Forum gestellt hat.
Eher ist es ein Bericht über Natur und ein wenig Kultur. Wenn die Bilder hier nicht hinpassen: bitte verschieben. Danke!

Meine Erfahrungen und Erlebnisse beziehen sich auf das Jahr 2008; die Unabhängigkeit ist noch 3 Jahre entfernt und das Volk wird gezählt - Zensus 2008. Zwar habe ich nicht im Südsudan gelebt, war aber hin und wieder aus nicht touristischen Gründen dort und hatte auch Zeit, mir die Umgebung anzuschauen und Menschen zu treffen, kennenzulernen und liebzugewinnen.

Von Nairobi-Wilson ist man mit einem kleinen Flieger schnell in Loki, Nordkenia.
Das Klima unterscheidet sich merklich von dem der Hauptstadt: die trockene, heiße Luft ist tatsächlich angenehmer als die Schwüle in Nairobi.
Loki ist wirklich kein Touristenziel. Wenige asphaltierte Straßen, dafür umso mehr Schlaglöcher in den vorherrschenden dirt roads. Es gibt einige einfache Geschäfte, Dinge für den täglichen Bedarf, aber auch Kunstgewerbe (Ketten, Körbe, Masken etc). Dominiert wird Loki von Hilfsorganisationen, die im Süden des Sudan arbeiten und hier ihre Basisstationen haben. Mittlerweile sind die meisten Büros nach Juba abgewandert, was aus Loki eine noch traurigere Stadt macht.

Straßenszene in Loki
Straßenszene in Loki
in Loki
in Loki
Straße in Loki
Straße in Loki
in Loki
in Loki
International Airport of Loki
International Airport of Loki
Zuletzt geändert von AnnArbor am Fr 5. Okt 2012, 22:12, insgesamt 1-mal geändert.
AnnArbor
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Das erste Ziel für meist eine Nacht lautet TrackMark, ein nettes Camp mit Tukuls, Zelten und Pool für NGO Mitarbeiter / UN staff und hin und wieder auch Touris auf Durchreise. Mittlerweile existiert das Camp wohl nicht mehr, es soll verkauft worden sein. Schade, es war eine schöne Oase in der Ödnis. Weiß jemand, ob es -ggf. unter anderem Namen- noch existiert oder wurden Gebäude und Gelände zweckentfremdet?

schreckliche Petzen: go-away birds
schreckliche Petzen: go-away birds
...mit Pool!
...mit Pool!
Tukul im TrackMark
Tukul im TrackMark
TrackMark
TrackMark
AnnArbor
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Von Loki aus konnte man Anfang 2008 noch mit Vorsicht, aber auf eigene Faust bis Kapoeta fahren, ab 2. Quartal des Jahres wurde ein militärisch begleiteter Konvoi unumgänglich, die Überfälle häuften sich und die Sicherheit bei Alleinfahrten war schlicht nicht mehr gegeben und die Fahrt viel zu gefährlich. Die Fahrt durch diese karge Landschaft mit bewaffnetem Militär erinnerte mich streckenweise an die alte TV-Serie "Auf Achse". Komische Assoziation...
Entgegenkommende Fahrzeuge gab es kaum, viel öfter begegneten uns wilde Dromedare sowie Kuh- und Ziegenherden.

Beware of the Trampeltier!
Beware of the Trampeltier!
junger Hirte
junger Hirte
Gegenverkehr
Gegenverkehr
Dromedare voraus!
Dromedare voraus!
noch ein End zu fahren...
noch ein End zu fahren...
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

An der Grenze Kenia - (Süd)Sudan war es immer so eine Sache mit der Kontrolle. Man benötigte lediglich ein travel permit, ausgestellt von GOSS in Nairobi, um sich im Südsudan aufzuhalten. Kontrolliert wurde dieses Permit bei mir nie, das Auto hingegen wurde -je nach Tagesform und Tageszeit- entweder ordentlich auseinandergepflückt oder aber nur oberflächlich in Augenschein genommen.
Spaß gemacht hat den Jungs aber fast immer das Rumwühlen in der Damenwäsche... Das Prozedere dauerte in jede Richtung meist so zwischen 10 Minuten und knapp anderthalb Stunden.

In Kapoeta herrschte streckenweise Tristesse und Lethargie vor, meist waren nur die Frauen und Mädchen geschäftig unterwegs: Wasser holen, auf dem Markt karge Ernten oder Feuerholz verkaufen, Wäsche waschen etc. Einige Männer, meist aber doch "nur" die Jungen, hüteten entweder Ziegen oder Kühe - der Rest fröhnte dem süßen Nichtstun.

auf dem Weg zur Wasserstelle
auf dem Weg zur Wasserstelle
an der Wasserstelle
an der Wasserstelle
fröhliche Kinder
fröhliche Kinder
Kinder
Kinder
erstmal Pause...
erstmal Pause...
in Kapoeta
in Kapoeta
in Kapoeta
in Kapoeta
in Kapoeta
in Kapoeta
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Übrigens könnte man auch mit dem Flieger anreisen - Quax, der Bruchpilot, war auch schon da...

Airstrip Kapoeta
Airstrip Kapoeta
das war wohl nix
das war wohl nix
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Ein alter LKW ist irgendwann mal in Kapoeta liegengeblieben. Statt ihn beiseite zu schaffen und evtl. auszuschlachten, wurde ein Kiosk daraus gebastelt...

Kiosk-LKW
Kiosk-LKW

Ein Stück Panzer liegt auf der Straße unweit des Marktes, die Straße ist breit und hat sogar eine Abzweigung. Das Panzerteil wird genau dort positioniert, mit alten Zweigen dekoriert und schon ist der Kreisverkehr fertig und wehe, man umfährt ihn nicht ordentlich, dann wird der Wachtmeister aber mächtig böse! Mehrfach erlebt, mehrfach geschmunzelt und oft genug diebisch gefreut, wenn der Schutzmann im Dunkeln unser widerrechtliches Abbiegemanöver OHNE mehrfaches Umkreisen des Kreisverkehrs nicht bemerkt hat 8)

man beachte den grandiosen Kreisverkehr rechts im Bild
man beachte den grandiosen Kreisverkehr rechts im Bild
Kreisel... rechts im Bild!
Kreisel... rechts im Bild!

Panzer stehen aber auch am Stück noch rum:

Im Schatten abgestellt.
Im Schatten abgestellt.

Alles ist noch zerbombt, der Wideraufbau läuft schleppend bis eigentlich gar nicht.
NGOs haben Toilettenhäuslein gebaut, doch was machen die Menschen? Sie verrichten ihre Geschäfte im Schutz der Außenmauer (oder gerne auch im Laufen) - der Krieg ist noch in den Köpfen der Menschen präsent, jederzeit könnte es wieder losgehen, dann sind sie im Innern des Toilettenhäusleins und können nicht fliehen - diese Gedankengänge sind allgegenwärtig.

von außen benutztes Toilettenhäuslein
von außen benutztes Toilettenhäuslein
altes Hospital
altes Hospital
Straßenszene
Straßenszene
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Fruchtbares Land, Wasser (Danke Bruce für die Bohrlöcher!) - man könnte so viel anpflanzen, ernten, sich wieder gesund ernähren. Aber: richtig, der lange Krieg ist noch in den Köpfen - was, wenn wieder Schüsse fallen? Die Ernte ist hin, "es lohnt sich nicht", was anzupflanzen und zu pflegen. Leider denken viele im Jahr 2008 genau so. Sie haben aber mit Faszination beobachtet, wie wir in kleinen Konservendosen Setzlinge gezogen haben, umpflanzten und binnen kurzer Zeit z.B. frische Kräuter ernten konnten. Tomaten wuchsen, sogar ein paar Erdbeeren haben es von der Blüte bis zur Röte geschafft. Aber nachmachen kam nicht in Frage. Zudem das Problem mit dem verminten Land. Zwar war damals schon viel minenfrei, aber die Aufräumarbeiten waren lange nicht abgeschlossen und sind es sicherlich heute noch nicht vollumfänglich.

Mangos
Mangos
Mangobäume
Mangobäume
Kräuter - selbst gezogen!
Kräuter - selbst gezogen!

Die Deminer haben super-gute Arbeit geleistet, waren Tag für Tag draußen und haben Quadratzentimeter für Quadratzentimeter das Land nach Minen abgesucht.
Die "Beute" wurde am Demolitionfield außerhalb Kapoetas regelmäßig kontrolliert gesprengt.

am Demolitionfield
am Demolitionfield
Sonnenuntergang am Demolitionfield
Sonnenuntergang am Demolitionfield
am Demolitionfield
am Demolitionfield

In 2008 hat es ausgesprochen wenig geregnet, die 1. Hälfte des Jahres gar nicht (oder wenn, dann nur tröpfchenweise ganz heimlich). Das Flussbett war ausgetrocknet. Wenn man Grundwasser gefunden hat, wurde die Stelle markiert, um das Vieh mit Wasser versorgen zu können.

ausgetrocknetes Flussbett
ausgetrocknetes Flussbett
Das sind mal ein paar Schlappen! Im ausgetrockneten Flussbett.
Das sind mal ein paar Schlappen! Im ausgetrockneten Flussbett.
Wasser gefunden - Stelle markiert.
Wasser gefunden - Stelle markiert.
ein bisschen Romantik
ein bisschen Romantik
Sonnenuntergang - auch im Flussbett
Sonnenuntergang - auch im Flussbett
AnnArbor
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

In Kapoeta bin ich immer im Compound einer NGO untergekommen, hatte mein eigenes zerschlissenes Zelt, habe mit den anderen die Sanitäranlagen geteilt - es gab ja nichts anderes... Als Frau kam ich natürlich auch sehr nah ran an die Bügelstation und durfte kochen - es war mir ein Vergnügen! Das Leben war sehr basic, aber man hat sich arrangiert und es sich so angenehm wie möglich gemacht. Mit den dort bei der NGO arbeitenden Südsudanesinnen (Köchinnen, Reinemachefrauen) hatte ich trotz der Sprachbarriere unglaublich viel Spaß und habe viel gelernt. Ich kann z.B. jetzt per Hand die Wäsche in kaltem Wasser fleckenfrei rubbeln!

Das Zelt hat schon bessere Tage gesehen...
Das Zelt hat schon bessere Tage gesehen...
das dazugehörige Klo
das dazugehörige Klo
Dusche im Compound
Dusche im Compound
Das Waschbecken - man beachte die Seifenschalenkonstruktion!
Das Waschbecken - man beachte die Seifenschalenkonstruktion!
Küchendienst
Küchendienst
Bügelstation - Gusseisen mit Kohle plättet alles!
Bügelstation - Gusseisen mit Kohle plättet alles!

Irgendwann waren die Zelte im Compound so zerfleddert, dass man kurzerhand mit dem Bau von Tukuls begonnen hat.
Die Bauarbeiten gingen sehr schnell voran und binnen kurzer Zeit hatten alle festen Mitarbeiter der NGO ein eigenes Tukul mit Terrasse.

Bau eines Tukuls
Bau eines Tukuls
Bau eines Tukuls
Bau eines Tukuls
ein Tukul von innen
ein Tukul von innen
Die Helfer bereiten den Boden für Gemüse vor, im Hintergrund die Tukuls im Bau
Die Helfer bereiten den Boden für Gemüse vor, im Hintergrund die Tukuls im Bau
kenianische Wanderarbeiter helfen beim Bau
kenianische Wanderarbeiter helfen beim Bau
man beachte die Gemüse- und Kräuteranzucht
man beachte die Gemüse- und Kräuteranzucht
Zuletzt geändert von AnnArbor am Sa 6. Okt 2012, 16:44, insgesamt 1-mal geändert.
AnnArbor
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Wie dem auch sei: die Menschen sind freundlich, herzlich, neugierig, aufgeschlossen. Nicht alle verfallen in Desinteresse und Lethargie, viele haben auch Arbeit gefunden (oft bei NGOs) und vergrößern ihre Familie z.B. mit einer 2. Ehefrau :-)

Ich bin hin- und hergerissen von den Menschen und der Landschaft. Einerseits das tatsächlich fruchtbare Land mit viel Potential, dann widerum der Dreck, um den sich niemand schert.
Andererseits die Menschen, die, je älter sie sind, traumatisiert und desinteressiert in den Tag hineinleben, dann die jungen Kapoeter aber offen, interessiert und arbeitsam... und alle meist bettelarm. Ein Paradoxum - es passt nicht zusammen und trotzdem... Es ist nicht leicht zu erklären, seht es mir nach.

Impressionen:

am Rande des Marktes
am Rande des Marktes
alte Frau
alte Frau
alter Mann
alter Mann
Frau mit Kind auf dem Rücken, von einem Tuch vor der Sonne geschützt
Frau mit Kind auf dem Rücken, von einem Tuch vor der Sonne geschützt
am Kiosk
am Kiosk
auf dem Markt
auf dem Markt
Detail - aus wenig viel machen
Detail - aus wenig viel machen
auf dem Markt
auf dem Markt
auf dem Markt
auf dem Markt
der Nachwuchs
der Nachwuchs
auch Kenianerinnen verkaufen auf dem Markt in Kapoeta
auch Kenianerinnen verkaufen auf dem Markt in Kapoeta
AnnArbor
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Die Heranwachsenden, Südsudans Zukunft, tragen voller Stolz prachtvollen Schmuck, wunderbare Skarifizierungen und oftmals auch Lebensfreude pur. Besonders die jungen Menschen sind neugierig, herzlich, kontaktfreudig.
Oft sind weiße Frauen nicht vor Ort, an den Anblick weißer Männer sind sie schon eher gewöhnt. Mit Staunen wird meine Haut begutachtet, all diese dunklen Punkte - ist das Dreck? Der Anfang des Schwarzwerdens? Woher sollten die Südsudanesen Muttermale kennen... Die jungen Frauen hatten Spaß, meine Muttermale an den Armen und am Hals zu berühren - sie versuchten nicht nur einmal, mit Spucke die Flecken wegzureiben. Erst, als sie anfingen zu knibbeln, habe ich mich dezent zurückgezogen.

Inmitten einer Schar junger Menschen
Inmitten einer Schar junger Menschen

Impressionen:

Skarifizierung
Skarifizierung
reich geschmückt
reich geschmückt
noch skeptisch
noch skeptisch
Mädchen
Mädchen
stolze junge Männer
stolze junge Männer
Dorfjugend
Dorfjugend
Dorfjugend
Dorfjugend
auf dem Markt
auf dem Markt

Das wars fürs Erste.
Gut's Nächtle - AnnArbor
Zuletzt geändert von AnnArbor am Sa 6. Okt 2012, 16:48, insgesamt 1-mal geändert.
Alexander
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von Alexander »

Hallo AnnArbor,
AnnArbor hat geschrieben:Es ist kein klassischer Reisebericht - ein "schönster" schon mal gar nicht.
Dem würde ich so nicht zustimmen. :wink: Dein Reisebericht verdient durchaus unter den "schönsten" aufgenommen zu werden. Darum verschiebe ich ihn gleich mal dorthin.

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. :-)

Viele Grüsse
Alexander
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Achim Vogt
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von Achim Vogt »

Hallo AnnArbor,

wirklich ein sehr spannender und bereichernder Bericht. Sicherlich kein klassisch schöner, aber wer Afrika liebt, dem / der erschließt sich auch Kapoeta auf seine Weise.

Herzlichen Dank!

Viele Grüße
Achim
AnnArbor
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

@Alexander: Danke fürs Verschieben an die richtige Stelle.
@Achim: klassisch schön ist die Gegend um Kapoeta gewiss nicht, aber sehr faszinierend, wenn man die Möglichkeit hat, hin und wieder einige Zeit dort zu verbringen und hinter die Kulissen schauen zu können. Danke für Deine Resonanz!

In der Gegend um Kapoeta wird viel getan. Straßen werden mit Hilfe internationaler Mittel ausgebessert und neu gebaut

P1020647.JPG

Die Umgebung wird minenfrei gemacht

Deminer bei der Arbeit
Deminer bei der Arbeit

Gefundene Minen werden gesammelt und regelmäßig kontrolliert gesprengt

am Demolitionfield
am Demolitionfield
Tellermine (ausgeschlachtet 1A Aschenbecher!)
Tellermine (ausgeschlachtet 1A Aschenbecher!)

Die Bevölkerung wird sensibilisiert und über die Gefahr der Minen aufgeklärt, regelmäßig finden hierzu bebilderte "Vorträge" auf dem Marktplatz statt, die Menschen sind interessiert und lernen, Minen zu erkennen, um Unfälle zu vermeiden, die leider noch immer gelegentlich passieren.

Minenaufklärung
Minenaufklärung

Auch die Frau auf dem Foto oben vor dem Minenwarnplakat raucht ein Pfeifchen, wie fast alle Erwachsenen.
Gestopft werden die Pfeifen mit einem Stück dieses gepressten Etwas:

Wirklich nur gepresster und getrockneter Tabak?
Wirklich nur gepresster und getrockneter Tabak?

Die Pfeifen sind allgegenwärtig und werden, wenn überhaupt, nur kurz aus der Hand gelegt:

Ein Pfeifchen hat Pause...
Ein Pfeifchen hat Pause...
In Gegenwart von Kindern soll man auch nicht rauchen!
In Gegenwart von Kindern soll man auch nicht rauchen!

...und die Kleinen üben sich lieber im Bogenschießen statt im dampfen:

Früh übt sich, wer ein guter Bogeschütze werden will.
Früh übt sich, wer ein guter Bogeschütze werden will.
AnnArbor
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Eines Tages lag ein totes Schuppentier im Compound. Warum das extrem große Tier ausgerechnet dort seinen letzten Atemzug getan hat, ist nicht bekannt. Die Menschen jedenfalls waren ganz aus dem Häuschen, denn hier bedeutet weißes Fleisch Reichtum. Es dauerte nicht lang und das Tier war "weg"...

Schuppentier
Schuppentier
Schuppentier - Größenvergleich: Kugelschreiber vorn links
Schuppentier - Größenvergleich: Kugelschreiber vorn links
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Re: Kapoeta, Südsudan vor der Unabhängigkeit

Beitrag von AnnArbor »

Das war's erst einmal aus Kapoeta.
Was mich besonders berührt hat, war ein Paket, das ich Ende 2008 erhielt. Ich bekam einen Brief, den meine Lieblingssüdsudanesin (eine Dinka) zum schreiben in Auftrag gegeben hat (wie die Mehrheit der Menschen ist auch sie Analphabetin) und eine lange Perlenkette, die mir mangels Gegenwart vor Ort auf diesem Wege überreicht wurde. Diese Kette zusammen mit dem Anschreiben machte mich zum "Dinka ehrenhalber", eine Geste, die -so darf ich stolz behaupten- nur wenigen Ausländern zuteil wird.

Ein paar Bilder einer Zeremonie möchte ich Euch nicht vorenthalten. Aufgenommen wurden diese allerdings um einiges weiter westlich:

die neuste BH-Kollektion
die neuste BH-Kollektion
Zuschauerinnen
Zuschauerinnen
stolz mit Sonnenbrillen
stolz mit Sonnenbrillen
während der Zeremonie
während der Zeremonie
Momentaufnahme
Momentaufnahme

Ein schönes Wochenende, liebe Wüstenschiffer und viele Grüße
AnnArbor
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