Die Schuld der Touristen.

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Kuno
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Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Kuno »

Lassen wir den Massentourismus mal beiseite -der ist ja hier nicht so das Thema.

Ich frage mich grad, warum immer der Tourist Schuld ist, wenn was schief geht - wie eben jetzt bei den Danakil in Aethiopien? Aus den Medien kennt man es schon seut langem. Wird jemand an einem abgelegenen Ort ueberfallen, ausgeraubt, entfuehrt oder ganz einfach brutal ermordet wie im vorgehenden Beispiel, dann hat immer der Tourist was falsch gemacht. Das steht vom ersten Moment an fest, bevor sich der Journalist auch nur mal die Karte angeschaut hat und weiss wo der Ort ueberhaupt liegt. Den falschen Veranstalter, den falschen Fuehrer - aber immer ist es der abenteuerlustige Tourist, der der Allgemeinheit Probleme verursacht und am Ende dann auch noch Kosten aufbuerdet.

Es sind aber nicht nur die Journalisten - ich stelle teilweise auch in diesem Forum fest, dass man gerne mal vorauseilend feststellt, dass der Tourist selber Schuld ist, dass ihn einer umgenietet hat.

Warum ist das so?

In der "guten alten Zeit" haette man doch bereits einen Kreuzer von Hamburg aus in See stechen lassen und den Auftrag erteilt, dem "Sultan des Stammes" das Dach vom Palast zu schiessen. Damals war per se der "Local" schuld, wenn was eskalierte und nicht der Auslaender (leider hat man dann aber oftmals dem falschen das Dach weggeschossen :oops: ).

Warum und sieht man das heute allgemein um 180 Grad anders?
Walter
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Walter »

Hallo Kuno,

der Tourist ist deshalb zu einem großen Teil schuld, weil er es in der Regel verabsäumt, sich eigenverantwortlich ein Bild über die Gefahren zu machen.

Wir schieben die individuelle Verantwortlichkeit auf die Außenministerien und Reiseveranstalter ab und mosern herum, wenn es Reisewarnungen gibt. Es ist halt leichter zu sagen: "Dieser oder Jener hätte mich warnen müssen" oder "so stand es nicht drin". Man tut so, als ob unsere Rechtsansprüche in fremden Ländern noch irgendwelche Geltung hätten.

Die Danakil ist z.B. für mich persönlich nach dem Lesen des Nehberg-Buches seit Anfang der 90er eine absolute "no-go-area".

Dass Reiseveranstalter einem Drängen von "abenteuerwütigen" Touristen nachgeben und Sicherheitsfragen "außen vor" lassen, ist ein Faktum (der Geschäfterfolg ist nach geglückten Reisen wichtiger als die Vorsicht).
Bei mir zuhause hat es noch nie gebrannt. Soll ich nun meinen Versicherungsvertrag kündigen?
Sicherheit ist eben nicht diskutierbar.

Man kann auch im WüSchi oftmals lesen: "Ich war dort und hab keine Gefahr gesehen. Alles Blödsinn was Andere posten"
"Ich fahre trotzdem." Oder ganz besonders keck, quasi: "Wenns passiert, dann braucht sich Niemand um mich zu kümmern".

Deshalb sind Touristen zu einem großen Teil selber schuld.

Gruß
Walter
Guido3

Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Guido3 »

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Zum einen gibt es sicher jede Menge Journalisten, für die solche Reisen völlig außerhalb des eigenen Horizonts sind. Einen ausreichenden Informationsstand für ein halbwegs objektive Beurteilung haben diese Journalisten nicht. Die halten Leute, die sowas machen, aus tiefster Überzeugung für völlig bekloppt und befinden sich damit auf einer Linie mit der Mehrheit ihrer Leserschaft.

Auf der andere Seite gibt es eben auch die Warnungen des AA. Keine Reisewarnungen für das ganze Land, aber eben Warnungen, die auch in diesem Forum gern mal ins Lächerliche gezogen werden. Das AA sagt ja keinesfalls, dass jeder, der in die Region reist, mit zusätzlichen Körperöffnungen und in der Horizontalen zurück reist. In der Zwischenzeit haben dann Hunderte oder Tausende die Region bereist. Die meisten haben sich subjektiv sicher gefühlt - objektiv beurteilen kann man die Sicherheit nach einer Reise nicht. Und dann wird sich gern über Warnungen des AA lustig gemacht. Wie vor kurzem in Mali haben sich aber auch jetzt wieder die Warnungen des AA als doch nicht so falsch erwiesen.

Wie gut oder schlecht Informationsstand und Warnungen des AA für einzelne Länder sind, hängt maßgeblich vom jeweiligen Botschaftspersonal vor Ort ab. Da gibt es in einigen Ländern sicher Ausfälle, aber im Großen und Ganzen ist das AA vielleicht doch nicht so dämlich.
Jerome Wüstenwandern
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Jerome Wüstenwandern »

Und ihr habt alle irgendwie Recht!

Ich habe das Glück (oder Pech) das gesamte Thema aus der Sicht eines kleinen Reiseveranstalters zu sehen.

Ganz Nordafrika ist in den letzten Jahren zunehmend schwierig bis unmöglich geworden für das Bereisen.
Als das WÜSCHI recht neu war, ging es in vielen Postings noch um Routendetails und Austausch von Tipps und heute gehts leider meist nur darum, wo man besser nicht hinfahren sollte. Das ist sehr schade und betrifft den Individualtouristen genauso wie den Veranstalter. Den trifft es sogar härter, weil er ja davon lebt.

Das AA ist so eine Sache. Ist man selbst jahrelang vor Ort hat man (meist) deutlich bessere Infos als die Botschaftsleute, andererseits hat das AA Quellen, die der Normaltourist nicht hat. Ganz klar: Die Beamten im AA lehnen sich natürlich nicht aus dem Fenster und sagen, bleibt mal cool und fahrt ruhig in Region A oder B, wird schon nix passieren... wenn nämlich was passiert, reisst die Presse und der betreffende Tourist (so er das noch kann) dem AA gehörig den A... auf.
Da kann man verstehen, dass die eher übervorsichtig sind, als viel Geld zu bezahlen und sich mit Banditen rumzustreiten oder Zinksärge nach Afrika zu schicken.

Die meisten, die nach irgendwelchen Vorfällen in Afrika gleich rumschreien selbst Schuld etc. sind entweder Bundesbürger, die maximal All Inclusive verreisen und sich ausserhalb des Hotels nicht trauen (viel zu gefährlich!) also Leute, die noch NIE irgendwo in einer Wüste waren und die Gegebenheiten nicht kennen. Und natürlich Journalisten, die meist wenig Fachkenntnis/ Hintergrundinfo besitzen und wenn (wie aktuell in Äthiopien) munter googeln und von anderen abschreiben.

Wen trifft also die Schuld? Alle ein bißchen! Und keinen!
Terrorismus ist global. Wenn ich Pech habe kann es mich eben nicht nur in der Sahara erwischen sondern auch in London, Oslo, Rom oder in den USA wenn ich aus Versehen falsch abbiege und einer Straßengang vor die Füße falle. Da redet aber kaum einer drüber. Als Individualtourist habe ich in erster Linie für mich selbst Verantwortung. Wenn was passiert ist die Bundesregierung aber eben doch in der Pflicht, was zu machen (und im Zweifelsfall weitere Menschen in Gefahr zu bringen). Das oben beschriebene "Ich war in Land XY, keine Probleme gehabt - also sind die Aussagen des AA etc. Unsinn" Ist halt auch nur so lange gültig, bis mal was passiert.

Als Reiseveranstalter habe ich natürlich eine größere Verantwortung. Ich muss davon ausgehen, dass sich meine Kunden darauf verlassen, dass ich als Profi weiß, ob die Region aktuell grün oder rot ist. Und das ist sehr schwierig... Lassen wir mal das monetäre außen vor, Der aktuell betroffene Veranstalter hat noch zig andere Länder im Programm, da würde es kaum auffalen, wenn eins rausgenommen wird. Das ist die deutsche Seite. Tourismus bringt aber auch dem Zielland etwas. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. In Mauretanien zB gab es in der Region Adrar vor Jahren pro Saison tausende Touristen und viele viele Mauren konnten davon gut leben. Seit 2-3 Jahren ist praktisch null. Die nagen am Hungertuch! Da fühle ich mich als Veranstalter verantwortlich und möchte natürlich möglichst versuchen, lokalen Menschen im Zielland eine Existenz zu geben. Wenn man da die Zelte abbricht, wegen vager Gefahrenlage... und es passiert nichts im Folgejahr, fühlt man sich mit verantwortlich, den Leuten die Existenz zerstört zu haben. Passiert etwas, ist das natürlich für die Betroffenen und auch den Veranstalter eine große Katastrophe.

Da ist Augenmaß, Fingerspitzengefühl und auch Glück gefragt. Die Hinweise des AA zur Region in Äthiopien waren keine Reisewarnung ABER eben doch klare Hinweise, das genau das passieren kann, was nun passiert ist. Als Tourist und Veranstalter muss ich das einkalkulieren, wenn ich ein Land anbiete, wo es entsprechende Hinweise gibt. Ich habe schon mehrfach den Kopf schütteln müssen, dass es deutsche Veranstalter gibt, denen bereits Kunden "abhanden" kamen und die zB trotzdem Nordmali bis zum letzten Vorfall in Timbuktu wieder im Programm hatten, sogar noch mit dreisten Sätzen wie "das AA übertreibt etc. und alles ist ruhig...." Erinnert Ihr Euch an die entführte Italienerin Nähe Djanet (die übrigens noch immer Geisel ist) - Dorthin veranstaltete ein großer deutscher Veranstalter selbst in den Wochen danach Reisen. Auf meine Anfrage warum, wurde mir mitgeteilt, das AA würde mit der Teilreisewarnung total übetreiben und die lokale Agentur hätte alles im Griff... Das nenne ich dann schon mutwillige Gefährdung von Kunden!!!

Viel geschrieben und doch kein endgültiges Resultat. Reisen war immer gefährlich, mal mehr mal weniger - alles andere ist eine Illusion. Aber man sollte versuchen, sich zu informieren (möglichst viele gute Quellen) und - so schwer es fällt, manchmal ein Reiseziel verschieben. Wer nicht 70 ist, hat ja noch ein paar Jahre, in denen sich die Situation wieder verbessern kann.

Jerome
martin1101
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von martin1101 »

@ Jerome:
kann mich dem grundsätzlich nur anschließen, auch wenn mir das Wort "Schuld" in diesem Zusammenhang gar nicht gefällt. Wie wäre es mit "Verantwortung"

und:
Jerome Wüstenwandern hat geschrieben: dem AA gehörig den A... auf.
Jerome
womit wir endlich wieder ein triple-A hätten :lach:

Martin
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Ralf Kiefer
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Ralf Kiefer »

Jerome Wüstenwandern hat geschrieben:Reisen war immer gefährlich, mal mehr mal weniger - alles andere ist eine Illusion.
Wären wir bei Gesichtsbuch, würde ich den "Gefällt-mir-"Knopf drücken :-)

Ganz im Ernst: "früher" vertraute ich den Angaben vom Auswärtigen Amt deutlich mehr als seit dem Jahr 2003. Die Art und Weise der Art der Reisewarnungen für Algerien zu Beginn und bis fast zum Ende der Entführungen gaben Anlaß an der Wahrnehmung derer in Berlin stark zu zweifeln. Zur Erinnerung: es war dem ganzen Umfeld klar, daß im Süden Algeriens eine Menge Reisender entführt wurden, das AA gab keine Reisewarnung heraus, andere Reisende wurden bereits im Konvoi militärisch bewacht in den Norden eskortiert, als immer noch einige Reiseveranstalter der Meinung des AA vertrauend Reisen nach Djanet und Tamanrasset gestartet hatten. Und eine schlüssige Erklärung dessen, was aus Sicht des AA dort passierte, gab es nie.

Meine Skepsis dem AA gegenüber bleibt bestehen.

Gruß, Ralf
Alexander
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Alexander »

Hallo Ralf,

2003 hat sich das AA mit Sicherheit nicht mit Ruhm bekleckert. Seit dem sind aber 9 Jahre vergangen. Evtl. hat das AA die vergangenen Jahre genutzt, um über seine Gefahrenmeldungsphilosophie nachzudenken :wink: Anregungen sollten sie, als Leser des Wüstenschiffforums, ausreichend erhalten haben. :wink:

Grüsse
Alexander
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Kuno
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Kuno »

Hallo die Herren. "Schuld sind die Touristen' nicht das "AA". Das waere doch ein anderes Thema. Mir gings eher darum, zu diskutieren, warum man so gerne den Opfern die Schuld gibt, wenn etwas schief laeuft....
schu achbar ?

Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von schu achbar ? »

Kuno hat geschrieben:Hallo die Herren. "Schuld sind die Touristen' nicht das "AA". Das waere doch ein anderes Thema. Mir gings eher darum, zu diskutieren, warum man so gerne den Opfern die Schuld gibt, wenn etwas schief laeuft....
Ich denke es liegt am sog. positiven Rassismus.
Der ist nicht böse gemeint.
Er resultiert aber aus einer selbst auferlegten Überverantwortung für alles Mögliche.

Vielleicht meinen jetzt Einige es sei ja klar, das der das mit seiner fehlenden Sensibilität u. seinen Hozhammermethoden so sieht.
Ich musste aber feststellen, ohne Eigenlob, dass ich im Vergleich zu vielen Anpassungs und Sensibilitätspredigern im echten Leben oft der Rücksichtsvollere u. den lokalen Do s and Dont`t s Angepasstere war.

Gleichzeitig entlasse ich aber auch Menschen ohne Schulabschluss und Toilettenpapier nicht aus einer gewissen Verantwortung und finde es auch nicht gut sie so als kleine , unbeholfene Dummbeutel zu sehen, denen man garnichts zutrauen oder zumuten muss.
Die man an die Hand nehmen muss, weil man ja das unverdiente Glück hatte eine viel leichtere Lebenssituation qua Geburt zu bekommen.

Voller Respekt gegenüber Fremden (oder wenn man selbst dort vor Ort der Fremde ist) ergibt sich ja auch aus gewissen eingeforderten Selbstverständlichkeiten wenn man in deren Obhut ist.
Auch als Chef eines wilden Clans ist man nämlich nicht doof. Und das betrifft nicht nur das Reparieren von Handys und Einspritzpumpen sondern auch das Realisieren von Verantwortlichkeiten.
Das es auch unter der Studienrats Klientel bei solchen Reisen falsches Verhalten gibt sehe ich auch.
Das sollte aber nicht als Entschuldigung gelten für verantwortungsloses Geballer.
Egal ob es jetzt ein Clan Konkurrenzkampf war oder eine fehlendes "Permit".
Es ging wohl mit 80 prozentiger Sicherheit ums liebe Geld und dafür sollte man auch ein paar unbeholfene Touristen nicht gleich umlegen.
Damals

Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Damals »

Hallo

ich wünsche jedenfalls keinem in der Haut des "geretteten Touristen" nach der Rückkehr nach D zu stecken.
Ralf Kiefer
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Ralf Kiefer »

Hallo!

Ich erweitere das Thema einfach mal um Entführte außerhalb Deutschlands und sehe diesen Fall:
Deutscher in Pakistan verschleppt
"In der Stadt Multan im Osten Pakistans ist das Büro einer Entwicklungshilfe-Organisation überfallen worden. Ein Italiener und ein Deutscher wurden entführt. Außenminister Guido Westerwelle hat einen Krisenstab einberufen."

Wo liegt eigentlich der große Unterschied zwischen einem sogenannten Touristen, der sich freiwillig an die Stelle seiner Entführung begab, und einem Entwicklungshelfer, der sich ebenso freiwillig an die Stelle seiner Entführung begab?

Für die Gegend, in der diese Entführung stattfand, gab es nach meinen Erkenntnissen ebensowenig eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt wie in der Danakil. Für beide Fälle wurde vorher von einer "erhöhten Risikolage" ausgegangen. Aber höre ich von Seiten der üblichen Presse momentan ein "selber schuld!" beim pakistanischen Fall? Es sieht nicht danach aus. Beim äthiopischen Fall dagegen schon. Eine Logik, die ich nicht verstehe.

Gruß, Ralf
Kuno
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Kuno »

Alexander hat geschrieben:Abenteuerlust oder Naivität

Afrikawissenschaftler hält Reisen in die äthiopische Danakil-Region für sehr riskant

In Äthiopien sind fünf Ausländer getötet worden, darunter zwei Deutsche. Der Afrikawissenschaftler Andreas Eckert hält den Vorwurf, dass der Überfall auf die Touristengruppe vom Nachbarland Eritrea aus geplant worden sein könnte, für reine Spekulation. Gleichwohl seien Grenzgebiete ein idealer Platz für Rebellen. mehr...

Ein Interview mit Afrikawissenschaftler Andreas Eckert und seine Einschätzungen

Grüsse
Alexander
Einer der heissesten Orte der Welt. Atemberaubend. Und gefaehrlich.

Das Aussenministerium hat schon lange gewarnt.

....also also noch gefaehrlicher – und man hat es ja schon lange gewusst.

Dann kommt Eckert, der „Afrikawissenschaftler“ mit einer Auflistung, die man auch aus Wikipedia ziehen kann. (Was ist eigentlich ein „Afrikawissenschaftler“? Das Pendant zu einem „Saharaexperten und Islamkenner“?)

„...Das ist im Moment noch reine Spekulation. In jedem Fall kann man sagen, dass solche Grenzgebiete, in denen eben relativ schwierig ist, auch Kontrolle auszuüben, ein idealer Platz ist für Rebellen jeder Art.“

Wenn ich jetzt ein Deutschlehrer waehre, dann wuerde es mir vermutlich die Nackenhaare straeuben, wenn ich so etwas lesen muesste. Aber fuer mich ist das die schwammige Aussage eines Politikers, niemals eine Darstellung eines Wissenschaftlers. Die folgenden Angaben von Herrn Eckert sind dann noch etwas vager. Gerne mal eingerahmt von einem „Ehrlich gesagt“ ...

Die Reporterin fragt dann, warum jemand in dieser Gegend Abenteuerurlaub macht. Das Wort „Abenteuer“ wird immer mehr in einem negativen Zusammenhang gebraucht. Es ist noch nicht so lange her, da habe ich – und wahrscheinlich auch die meisten meines Alters – Abenteuergescgichten gelesen. Damals war das noch in Ordnung. Heute scheint es etwas verwerfliches zu sein. Warum?

Dann wieder Eckert: „Aber wie gesagt, gerade die Region, um die es jetzt geht, ist ein Ort, wo es schon Entführungen gegeben hat, wo es eigentlich auch Dauerwarnungen des Auswärtigen Amtes gegeben hat. Und dass man sich dorthin begibt, war nun tatsächlich ein großes Risiko, und dieses Risiko mussten jetzt eben einige Touristen auf tragische Weise bezahlen.“

Die alte Leier – wer dorthin geht, der ist selber Schuld, wenn ihm etwas passiert. Mittlerweile stellt sich ja immer mehr heraus, dass sich die Opfer der kriminellen Tat ganz korrekt verhalten haben, ebenso wie die Organisatoren der Reise. Trotzdem – wer hinfaehrt ist selber Schuld.

Ich glaube nicht, dass Eckert einfach so etwas herausplappert. Aber er weiss wohl gleichviel, wie wir alle, was „dort unten“ gerade abgegangen ist. Dann meldet sich die Presse bei ihm und fragt um ein Interview nach... er kann ja auch nicht nur sagen:“Ich weiss nichts.“. Also sagt er halt etwas, moeglichst allgemein gehalten und moeglichst so, dass man daraus schliessen kann, die Touristen waeren an ihrer eigenen Ermordung Schuld gewesen. Solange die Touristen selber Schuld sind, ist ja fuer die, die alles richtig machen noch alles in Ordnung – also fuer Wissenschaftler, Entwicklungshelfer, NGO Vertreter...
Alexander
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Alexander »

so wie der Gärtner immer der Mörder ist, sind die Touristen auch immer die Schuldigen.

Ich glaube jedoch nicht, dass man das so einfach sehen kann. Wäre der Mörder immer der Gärtner, könnten wir uns den ganzen Polizeiapparat sparen und alle Gärtner einsperren. Ich glaube, man muss jeden Fall, und jetzt wieder zurück zum Touristen, einzeln für sich betrachten. Ein Pauschalurteil zu fällen wäre zu einfach und m.M. nicht richtig.

Grüsse
Alexander
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Kuno
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Kuno »

Eigentlich ist der Satz "Schuld sind immer die Touristen" nur fuer die Experten und die Medien richtig. Fuer uns Touristen lautet er doch: "Schuld sind immer die anderen Touristen".

(Bei diesem Gedanken habe ich einen mit dem selben Namen wie ich ihn trage auch schon ab und zu mal erwischt :oops: )
Wolfgang K
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Re: Die Schuld der Touristen.

Beitrag von Wolfgang K »

Man sollte sich evt. den Begriff „Schuld“ mal ein wenig klarmachen. Schuld kann ich nur auf mich nehmen, wenn ich Schaden verursache. Damit übernehme ich eine Schuld für diese Schaden aufzukommen. Sei es monetär oder in einer anderen Form.

Jemand der ohne Gewalt auszuüben oder ohne die Absicht Schaden anzurichten umgenietet wird kann gar keine Schuld auf sich laden, weil er in der Schadensbilanz ganz sicher am schlechtesten dasteht.

Warum spielt aber jetzt dieser Schuldbegriff so eine Rolle? Klar, es geht um die monetären Folgen für die (in diesem Fall deutsche) Allgemeinheit. Dieser Schaden entsteht indirekt durch die seitens des Staates im Konsulargesetz selbstauferlegte bedingungslose Hilfsverpflichtung. Gleiche Verpflichtung übernimmt der Staat für seine Bürger im Inneren für Existenzsicherung, Krankenversorgung, Sicherstellung der Unversehrtheit, etc.

Es läuft aber etwas falsch. Der Begriff Eigenverantwortung ist inzwischen nahezu negativ belegt und sobald ein Politiker es wagt an diese zu erinnern wird ihm mangelnde Fürsorge vorgeworfen. Die politische Konsequenz ist, dass Politiker mit immer neuen Verpflichtungen die sie dem Staat (der Allgemeinheit) auferlegen versuchen als ach so fürsorglich zu punkten. (Haha, seht was ich für Euch rausgeholt habe). In einem geschürten Klima der Angst vor allem und jedem kommt das auch gut an. Der Preis ist ein immer enger werdendes Korsett von Regelungen. Jeder der in seinem Leben einmal auf eigene Faust das Sofa verlassen hat, wird das schon mal gespürt haben.

Solange es dem Staat aufgrund politischen Willens in der Bevölkerung nicht möglich ist sich aus bestimmten Verantwortungsbereichen zurück zu ziehen und an Eigenverantwortung zu appellieren werden solche Regelungen wie das Konsulargesetz auch nicht angefasst werden. Ich gehe davon aus, dass diejenigen die jetzt herumtönen von den Opfern „jeden Cent für die Hilfe“ einzutreiben die gleichen sind, die bei einer Änderung des Konsulargesetzes gleich auf die Barrikaden gehen, weil sich fürchten, dass ihnen auf Malle keiner hilft eine gestohlene Zahnbürste zu ersetzen.

Wir werden uns mit dieser Diskussion so lange im Kreise drehen bis endlich jemand den politischen Mut aufbringt den Staat hier aus der Verantwortung zu nehmen. Positiv formuliert: Dem Bürger die Verantwortung überlässt – auch durch eine echte Wahlfreiheit unwiderruflich auf Hilfe zu verzichten.

Grüße
Wolfgang
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