DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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HJ61
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von HJ61 »

AndreasHirsch hat geschrieben: Die Dezentralisierung der Stromproduktion durch Blockheizkraft-
werke scheint mir Politisch nicht durchsetzbar, da das die Strom-
konzerne ihres Geschäftsfeldes berauben würde.
GRuß aus Berlin
Die Frage ist ob wir es zulassen.
Einen Anspruch haben die Konzerne darauf nicht. Aber natürlich eine "starke Position". Es sind ja schon Bürgermeister über die Zuwendungen der Anbieter gestolpert. Warum wohl?

Es geht aber auch anders. Eigenes Netz schafft Unabhängigkeit.
Hier ein Beispiel aus unserer Region:

http://www.ews-schoenau.de/ews-netze.html

Oder hier nähe Köln:

http://www.fazfinance.net/Aktuell/Boers ... z-3145.faz

Grüsse Gerhard
carpe diem
Christian Desertrider
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von Christian Desertrider »

Ich war auch etwas überrascht, als ich die Ankündigung diverser Grosskonzerne hörte, dass da Milliarden in den Sand gebuttert werden sollen.
Ich hatte eher damit gerechnet, dass solche Vorschläge von Greenpeace und Konsorten kommen.
Daher ist es auch verwunderlich, wie verbissen hier versucht wird ein Argument dagegen zu finden.
In erster Linie war es wohl erst mal was für die Presse und das Image, bisher ist ja noch nicht viel Geld in das Vorprojekt geflossen und niemand hat sich gebunden.
Wenn es wirtschaftlich interessant ist, warum sollte man das Projekt nicht angehen? Eine genauere Betrachtung kann ja nicht schaden.
Es ist immer wieder unbegreiflich, warum die Leute den Konzernen vorwerfen, dass sie alles nur wegen Gewinn machen. Warum denn sonst? Genau das ist die Motivation in unserer Wirtschaftsordnung.
Für die (elektrische) Versorgungssicherheit der nordafrikanischen Länder wäre es im Übrigen auch nicht falsch, an unser Netz stärker angebunden zu sein.
Das Argument, dass in der Sahara einmalige Landschaften zerstört werden, kann ich auch nur bedingt nachvollziehen, als monotone Landschaft kenne ich zwar nur die Westsahara, aber in der hier reichlich zitierten Referenz ist auch von 100en km Ödnis die Rede, welche so schnell wie möglich durchfahren werden sollen.
An Stelle der Konzerne würde ich das Geld aber lieber in KKWs investieren, die sind denke ich günstiger. 8)

Grüsse

Christian
Hans Frommelt
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Nicht Solarstrom für die Oasen, sondern für Deutschland

Beitrag von Hans Frommelt »

Ein paar Bemerkungen zum besseren Verständnis des Thema: „Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht“. Dass man die Oasen (Gardhaia, Timimoun, Tam, Djanet, etc.) zukünftig vermehrt mit Solarstrom von Fotozellen und thermischen Kraftwerken, auch Wind, versorgen sollte, ist ja selbsterklärend. Solche Anlagen stünden dann ja aus selbsterklärenden Gründen direkt bei den Siedlungen. Saharastrom für Deutschland bzw. das DESERTEC-Projekt hat eine vollkommen andere Dimension als eine Stromversorgung der Oasen mit Sonnenenergie. Bei der Diskussion muss man solches trennen. Hans
eberhardt
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von eberhardt »

hallo gemeinde,

die ganze diskussion läuft ab wie immer wenn es um politische stellungnahmen geht. man benennt nicht den grund (the reason why) sondern das ideal und dann wird munter an dem ideal "klimawandel verhindern" herumgemeint. der grund für desertec ist nicht "sauberer strom" oder "klimawandel verhindern" sondern: welche geschäftsfelder versprechen in oder nach der "wirtschaftskrise" richtig kohle (effiziente kapitalisierung, rendite) für diejenigen, die momentan nicht wissen, wie sie ihr vorhandenes kapital (die münchener rück ist so ein kandidat) anlegen sollen z.B. in fonds, immobilien, aktien oder gar in böse derivate.
bei geschätzten 400-500 milliarden euro investitionskosten (es darf auch mehr sein) und absehbar unrentabler ölinvestitionen (und ähnlich rohstoffabhängiger branchen) wäre doch jeder ölmulti der depp, wenn er nicht seine exorbitanten gegenwärtigen gewinne zumindest teilweise in solarenergie reinvestieren würde. irgendwann sind das dann die solarmultis. und der ganze workflow von politischer bestechung der regionalen regierungen, diktatoren, mullahs, etc., bis hin zur solarstrompreisgestaltung im zielland wiederholt sich.
ein wunderbares geschäftsfeld, das wunderbarerweise auch noch die prinzipielle zustimmung aller ökofreaks (denn es hilft ja gegen den klimawandel) einkassiert und sich immun im sinne einer sauberen globalen leistung fühlt. wie immer war und ist der treibende kern für menschliche errungenschaften dieser art (in diesem falle "profiliert" sich die EU bevor es andere tun) das sich verwertende kapital. heute hat jeder diese form der verwertung von rohstoff und menschlicher arbeit akzeptiert als einzigmögliche form der menschlichen existenz. beim solarstrom wie beim erdöl oder coltan (= böser stoff, weil kinderarbeit im kongo - deswegen im zuständigkeitsbereich dieses forums) für handys und satphones (ungemein beliebt bei globalen aktivitäten und saharafahrern) wird es kommen wie geplant: das klima wandelt sich oder auch auch nicht, zugvögel organisieren sich anders oder gar nicht mehr, keineswegs wird deretwegen ein renditewürdiger standort ausser acht gelassen, die anlage wird auf jeden Fall nicht in der amadror-ebene algeriens gebaut (das würde ja gar mit dem standort der elektronischen aufklärung der us-amerikaner konkurrieren, übrigens auch ein grund, warum der gemeine saharareisende jetzt von den algeriern nur noch im konvoi um die strategischen stellen herumgeführt wird), sondern viel weiter nördlicher, damit die energieverluste (übrigens ist der transport von A nach B mittels gleichstrom statt wechselstrom geplant laut ARD/ZDF/SZ) nicht so hoch sind. dies alles unter kostengesichtspunkten.

und wir engagierte wüstenfahrer und wüstenkenner diskutieren übers klima, zugvögel, entsorgung von kaputten anlagen nach 30 jahren, ob sich jemand für den job findet, usw.
wer je schon mal ein prospektionsgelände einer erdölfirma oder gar einen produktionsstandort - fördergebiet - gesehen hat, weiß, dass es nur so - in dieser weltordnung - gehen kann und nicht anders. kosten für rekultivierung oder gar entsorgung der anlage nach ende der erdölförderung? ja, wo gibt es denn sowas, die kosten würden doch glatt den vorher eingestrichenen gewinn wieder auffressen und noch mehr!

irgendwie schon alles ziemlich bescheuert. aber vielleicht machen sie das ding ja auch statt in die sahara in die taiga oder pampa oder gar in die antarktis, wenn der druck dieses forums zu stark wird. da gibts auch ne menge sonne. dafür ist dann aber wohl ein anderes forum zuständig.

eins ist so klar wie der urknall keiner war: das ding (desertec) wird gebaut, wenn es sich für deren kapitalanleger rentiert (politisch oppurtun ist und wenn deren aktien rasante gewinne versprechen) und nicht, wenn es gut fürs klima oder die paar millionen zugvögel ist. die grünen aktivisten, die damals gegen atomkraft und akws waren, sitzen jetzt ja auch revolutionär im parlament (oder sind dessen pensionsempfänger) und empfehlen die abschaltung von krümmel oder auch nicht. so wird das auch in zukunft gehandhabt. jedem das seine. dem einen die rendite, den anderen die meinung.

egal, wir meinen ja nur.
ich auch.
wenn mich jetzt noch einer fragen will, wie ich es denn gerne hätte, kann ich nur sagen: mich wird keiner von desertec bei der ausführung fragen und euch ... leider auch nicht.
Roger-Tecumseh
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Re: DESERTEC; Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nich

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Hans Frommelt hat geschrieben: Zudem gehört die Sonnenenergie der Sahara nicht den Europäern, sondern den Nordafrikanern, also Marokkanern, Algerier, Libyer, Ägypter, Nigriner und Malier.
Das mangelnde Wissen über die sozialen und politischen Verhältnisse der Saharaländer....

Nachdem ich den langen Beitrag las, fuerchte ich nun, dass dieser letzte Satz auch auf Hans F. zurueckfallen koennte.
Das kritisierte Vorhaben ist sicherlich nicht nur von technischen oder oekologischen Erwaegungen, sondern auch in grossem Masse von der wirksamsten aller Ideologien geleitet - der Ideologie des Profits. Nun, darauf beruht bislang die globale (industrielle und soziale) Zivilisation. Andere Modelle bestehen (im Ansatz) - zum Teil seit Jahrhunderten; durchgesetzt haben sie sich nicht - und man mag es in einzelnen Faellen beklagen.

Bei den Argumenten von Hans F. erkenne ich aber ebenfalls vor allem ideologische Vorgaben, die - da sie in einem bunten Gemisch daherkommen - vielleicht weniger offensichtlich sind:
Die Energie der Sonne "gehoert" keiner Nation; ebensowenig wie die Atmosphaere, die uns alle auf diesem kleinen Globus erhaelt. Die Laender, welche von dem Projekt betroffen waeren, sind souveraene Staaten, die selbst entscheiden koennen, ob sie den Installationen auf ihrem Territorium zustimmen wollen! Eine (vorgeblich!) schuetzende politische "Sorge" von unserer Seite haette allein deshalb einen schlechten Beigeschmack. (Es wird, im Gegenteil, in Zukunft nicht mehr ohne sehr direkte internationale Kooperation gehen, wenn Energiefragen mit neuen Techniken geloest werden sollen. Der politische Impakt koennte dabei sogar u.U. nachhaltig Konfrontationen verringern!)

In die gleiche Richtung zielt der gedankliche Hinweis auf den "erhaltenwerten Schutzraum Sahara" - in dem sich nicht nur Unwissen, sondern auch eigenartig partielle Blindheit zeigt. Ansaetze zu neokolonialem Denken sind auch da nicht akzeptabel, wo sie zeitgemaess verpackt angeboten werden! Staaten, deren Territorium zudem zum groessten Teil aus Sahara besteht, sind kein Museum zu unserer wissenschaftlichen oder touristischen Erbauung, sondern Lebensraum fuer Millionen Menschen, die den gleichen Annehmlichkeiten des Lebens entgegenstreben, wie die Bewohner der Industriestaaten. Auch die fuer mehr Autonomie und ihre Gesundheit kaempfenden Touareg - z.B. im N-Niger in der Region Air-Arlit - wollen dies. Sie kaempfen nicht unbedingt fuer den Erhalt archaischer Strukturen (wie es romantisierenden Reisenden gern gefaellt), sondern fuer nichtradioaktives Wasser, fuer nichtradioaktive Lebensmittel/Baumaterialien und fuer einen garantierten Anteil am Gewinn der Uranfoerderung, der sich dann in einer moderneren Infrastruktur niederschlagen koennte!

"Wenn heute in „In Salah“, eine grössere Oase im Süden von Algerien, ein junger Monteur von Solarzellen den Taxichauffeur fragen würde, wo wohl die nächste Disco, eine Restaurant mit kühlem Bier oder das nächste Einkaufscenter sei, bekäme er zur Antwort, dass es solches wohl in Tunesien oder Marokko gibt, aber man dorthin ca. 1’500km fahren müsste! Dieser Satz zeigt, dass man vermutlich auch Niemand finden würde, der längere Zeit in der Sahara wohnen bzw. arbeiten möchte.", schreibt Hans F.
Eine solche Feststellung ist absurd und laesst vermuten, dass Hans schon laenger nicht mehr dort unterwegs war. Weder in Adrar, In Salah, Reggane oder Ouargla und schon gar nicht in Camps internationaler Grossprojekte! Ebenso wenig realitaetsbezogen ist der Vergleich des Sahara-Solar-Projektes mit den Moeglichkeiten auf deutschen Daechern.

Ich finde kritische Gedanken zu diesem Mammut-Projekt wichtig, ja unverzichtbar. Nur sollten sie dann nicht ein Mischmasch aus (fragwuerdigen) technischen Einwaenden/Vergleichen, ideologisch gefaerbten kulturhistorischen Betrachtungen und Nichtbeachtung sozialer/politischer Gegebenheiten vor Ort bestehen. Das scheint mir nicht konservierend, sondern ausschliesslich kontraproduktiv.
petrar
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von petrar »

Auch ohne Desertec:
Rund 105 Kilometer südlich von Kairo beginnt jedoch die Zukunft. In der Geröllwüste nahe der Siedlung Kuraymat wird derzeit das erste Solarkraftwerk des Landes gebaut.
Mehr dazu hier: http://www.bundestag.de/dasparlament/20 ... 12229.html

Gruß

Petra
Hans Frommelt
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Bitte Begriff aus den Nachhaltigkeits-Bibeln

Beitrag von Hans Frommelt »

Hallo Roger-Tecumseh

Unser differierende Wortschatz aller ist das Ergebnis von Elternhaus, Ausbildung, Beruf, Lebensinhalt, Hobby, etc.. Wir können uns nicht verleugnen vor Lesern, die geübt sind, hinter die Kulissen des Schreibenden zu blicken. Solche Exegesen bringen meistens aber keine übereinstimmende Resultate. Siehe die vielen Bücherkritiken. Was Schriftsteller nicht können, kann auch mir nicht gelingen.
Dein Wortschatz besteht aus: „Ideologien, Impakt, souveräne , kontraproduktiv, Kooperation, wenig realitaetsbezogen, eigenartig partielle Blindheit, etc.“
Meiner ist anders gelagert, ich bin in einer Stadt zur Schule gegangen, wo pointiert argumentiert wird und diese Umgebung hat seinen Schatten auf mich geworfen. Daher ist meine Sprache einen Blumenstrauss von ein paar wenigen Argumente gegen den Bau von Solarkraftwerken weit weg gelegen von Oasen in der Sahara, dort wo ein paar wenige Nomanden, welche bis vor bald 10 Jahren immer wieder ihre Tiere zusammentreiben mussten, wenn eine Horde von Mopedfahrer durch die Gegend, und zwar nicht hintereinander, sondern nebeneinander, donnerten. Ich denke, ich habe da in unüblichen Worten die Aussengrenzen der Sahara beschrieben, wo man Strom für Deutschland gewinnen möchte. Ich denke bei der Diskussion um Saharastrom für Deutschland müssen wir die Proportionalität genau beachten. Es geht da nicht um Semantik und ähnliches, sondern im Moment darum, ob es vorerst aus technischer Sicht und umweltschützerischer Sicht sinn voll wäre oder nicht, den Saharastrom mittels Höchstspannung auf DC-Ebene nach Deutschland zu leiten. Solche Stromkabel können ja auch kaputt gehen. Damit die Stromversorgungssicherheit (Redundanz) aufrecht erhalten werden kann, müssen mindestens in etwa die gleichen Reserveleistungen in Deutschland installierten werden, wenn man verhüten will, dass die Lichter wegen einem Kurzschluss im Saharastrom nicht ausgehen werden. Grob vereinfacht gesagt, könnte man das Geld von den eingesparten Hochspannungsleitungen in Deutschlands Solarzellendächer stecken und über die dezentrale Einspeisung wäre die Stromversorgungssicherheit ein Level höher als beim „Saharastrom für Deutschland“. Ich denke, es geht da im Moment weniger um verpasste Kolonialisierung, um das Biertrinken und ähnliches. Mit solchen Stichworten kann man alles erklären. Auch das „Warum“ jemand Bier verkaufen will. Sicher nicht um den Durst zu löschen, sondern, ich benutze deine Worte, weil er von der wirksamsten aller Ideologien geleitet wird!
Ich denke, dass wir im Moment wohl eher die Begriffe aus dem Stichwortverzeichnis einer Nachhaltigkeits-Bibel benutzen sollten. Gruss Hans
yves
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von yves »

> Energieversorgungssicherheit

Ja, das ist sicher eines der Kriterien, aus Sicht Verbraucher Deutschland relevant sind. Redundanz bei Übertragung und Erzeugung ist eine mögliche Lösung.
Die Redundanz muss aber nicht unbedingt in Deutschland liegen, die geografische Verteilung könnte in ganz Europa oder eben auch in Nordafrika liegen. Eine extreme Dezentralisierung würde übrigens neue Risiken/Probleme bringen - mit der heute genutzten Technologie wäre das Netz nicht betreibbar (die Entwicklung geeigneter Technologien ist im Gange).

Wirtschaftlichkeit, Finanzierung, Investitionssicherheit, Erfüllung der Klimaziele, Timing, und Umweltverträglichkeit wären andere Kriterien.

Ich denke allerdings dass die Beschränkung der Diskussion auf Deutschand als Verbraucher bezogen auf den Zeithorizont zu eingeschränkt ist.
eberhardt
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von eberhardt »

hallo hans frommelt, hallo gemeinde,

da die Gründe für DESERTEC genügend erörtert worden sind - meines Wissens gibt es dafür nur einen - sollten wir uns mal gelegentlich weniger selbstdarstellerischen ("ich bin in einer Stadt zur Schule gegangen, wo pointiert argumentiert wird und diese Umgebung hat seinen Schatten auf mich geworfen", wohl wahr!) und weniger maßregelnden Elementen ( "dein Wortschatz besteht aus: „Ideologien, Impakt, souveräne , kontraproduktiv, Kooperation, wenig realitaetsbezogen, eigenartig partielle Blindheit, etc.“ ) in der Diskussion zuwenden. Die Fakten schaffende "Welt" handelt nicht nach semantischen Formulierungen (auch wenn diese einiges erhellen mögen). Es gibt tatsächlich - auch ein Schriftsteller muß Bücher verkaufen oder er hat ein Problem - Fakten, die ein - von Dir (un-)geliebtes oder (noch) nicht richtiges Projekt, in die Wege leiten oder auch nicht.
Ob der eine jetzt semantisch richtige Worte wählt, weil er eben - im Gegensatz zu Dir - nur diese kennt (Du bist eben in einer pointierten Stadt aufgewachsen, ich weiß), sich aber damit auch prima ausdrücken kann (man versteht problemlos, was er sagen will, wenn man will) ist für das Projekt DESERTEC schnurzegal.

Bitte widerlege mit Gründen und nicht mit Äpfel-Birnen-Vergleichen oder anderen Beispielen. Sonst wirkt das ziemlich oberlehrerhaft.

Ich bin nach wie vor der "Meinung", dass unsere Diskussion hier für die "Wahrheits"findung im Sinne von WARUM KOMMT DESERTEC nichts bringt und ziemlich abgehoben angesiedelt ist.
DESERTEC kommt, wenn es sich für die Anleger rentiert und wenn es sich nach der Entscheidung der beteiligten Akteure nicht rentiert, kommt es nicht. Und es wird auch nur nach Rentabilitätsgründen und nicht nach ökologischen oder sonstigen ingenieurtechnisch einwandfreien Gründen entschieden. Die Wissenschaft ist nur die Kalkulationsgrundlage der Wirtschaft+Politik-Akteure (nennen wir die industriellen Kapitalisten und deren politische Wegbereiter mal so) und sonst nichts.

Einverstanden ??
Zuletzt geändert von eberhardt am Di 11. Aug 2009, 16:21, insgesamt 1-mal geändert.
schnorr
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von schnorr »

yves hat geschrieben: Eine extreme Dezentralisierung würde übrigens neue Risiken/Probleme bringen
hallo yves, was für risiken siehst du denn bei einer extremen dezentralisierung?
ich sehe da zur zeit nur das risiko, das die energiekonzerne weniger macht haben werden.
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://jschnorr.com/
Roger-Tecumseh
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Hallo Hans,

nachdem eberhardt Dir wesentliche persoenliche Eindruecke schon mitgeteilt hat, bleiben mir noch kleinere Ergaenzungen:

Mir scheint Deinen Einwaenden zum Projekt eben das zu fehlen, worueber Du in wenig ueberzeugender Weise zu verfuegen glaubst: pointierter Inhalt! Wenn man die Lebensmitte erreicht hat - und so deute ich die etwas gravitaetische Diktion Deiner Sprache - sollte man doch auch eigentlich die Schulbildung irgendwie ueberwunden haben - und sei sie auch als noch so bewundernswert im eigenen Ego verankert! :)

Du koenntest eine allgemeine, jedoch wesentliche, Voraussetzung fuer die Wirksamkeit von Argumenten noch einmal ueberdenken: Es ist nur Wenigen gegeben, aus sehr verschiedenen Sachgebieten einen argumentativ bemerkenswerten "Blumenstrauss" zu binden! Das Ergebnis ist leider meist nicht ansprechende Vielfalt, sondern platte Breitseite. Ich waere deshalb sehr interessiert, von Dir nun mal TECHNISCH fundierte Einwaende zu DESERTEC zu lesen, die dann - der Thementiefe und intellektuellen Redlichkeit wegen - auch die Dir sicherlich bekannten Gegenargumente beachten sollten.

Unser Globus ist ein inzwischen sehr kleiner und endlicher Aufenthaltsraum fuer unsere Spezies. Nachdem wir bisher in zahlreichen brutalen Konflikten ungeruehrt moeglich machten, was wir ethisch eigentlich fuer unmoeglich halten sollten, werden wir uns - schnell ! -daran gewoehnen muessen, in neuen Dimensionen zu denken. Dazu gehoert die Erkenntnis, das es keine abgeschlossenen Raeume gibt, sondern nur ein System von Interaktionen. Deshalb ist Dein kulturhistorisch/geologischer Hinweis auf die wechselnden Gegebenheiten in der Sahara zwar faktisch u.U. akzeptabel, bringt jedoch fuer die akuten Probleme weder neue Einsichten, noch ueberhaupt Loesungen - mit Bildungsbuergertum bei gleichzeitig wirkender "Marktgesellschaft" laesst sich keine Zukunft gestalten!
Es gibt keinen Staat auf der Erde, der von sich behaupten koennte, autark zu sein. Ohne hier alle sonstigen Parameter erwaehnen zu muessen, genuegt schon der Hinweis auf den internationalen Handel - von Naturereignissen und technischen Katastrophen gar nicht zu reden (noch heute lacht man in F bitter ueber die Behauptung - 1986 - der damaligen Regierung: "Die Wolke von Tschernobyl hat die Landesgrenze zu F nicht ueberschritten"!)
Die wechselseitigen Abhaengigkeiten verstaerken sich von Tag zu Tag. Neben den (noch) existierenden Unwaegbarkeiten, liegt darin aber auch eine - nach vorn weisende - Chance: die der gemeinsamen Interessen! Der wahrscheinlich direkteste Weg zur Konfliktvermeidung.

Afrika und Europa haben nicht nur gemeinsame Interessen, sondern auch die natuerlichsten Voraussetzungen (Geschichte, Geographie) fuer eine enge Kooperation. Niemand weiss, in welchem Masse DESERTEC schliesslich verwirklicht werden kann, der Grundgedanke einer gegenseitigen Akzeptanz (partieller) Abhaengigkeiten, ist es aber selbst dann wert, verwirklicht zu werden, wenn er "nur" die Folge profitablen Handelns ist!
yves
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von yves »

schnorr hat geschrieben:
yves hat geschrieben: Eine extreme Dezentralisierung würde übrigens neue Risiken/Probleme bringen
hallo yves, was für risiken siehst du denn bei einer extremen dezentralisierung?
ich sehe da zur zeit nur das risiko, das die energiekonzerne weniger macht haben werden.
Spannung und Frequenz in einem Netz müssen in engen Grenzen konstant gehalten werden.
Das bedingt, das sich Energieeinspeisung und Verbrauch die Wage halten.
Solange wie heute deutlich weniger als 10% der Energie durch unsteete Quellen (Sonne, Wind), typisch für dezentrale Erzeuger, erzeugt werden lässt sich das Netz noch einigermassen über gut steuerbare Erzeuger, z.B. Gasturbinen regeln. Wenn mehr und mehr Erzeuger mit stark schwankendem Angebot ins Netz einspeisen müssen neue Konzepte eingesetzt werden um Energieproduktion und Verbrauch aufeinander abzustimme. Ganz knifflig wird es solches Netz nach einer Störung wieder anzufahren.
Für die erforderliche Steuerung der Erzeuger und auch Verbraucher braucht es neue Konzepte und Infrastruktur.

Gruss, Yves
Hans Frommelt
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Stromversorgungssicherheit steigt mit Erneuerbaren

Beitrag von Hans Frommelt »

Auf der Uni Aachen wird die Thematik der Stromversorgungsnetze kompetent bearbeitet. Der allgemein gehaltene Beitrag Prof. Schmid vom ISET beschreibt die Thematik, siehe:

http://www.iset.uni-kassel.de/pls/w3ise ... p_lang=eng

Das TREC-Projekt beisst sich da nicht wenig mit den künftigen Stromversorgungsnetzen und eine Kopplung ist nicht mit ein paar Euros zu haben. Alles ist machbar. Man konnte eine kurze Zeit mit Mach 2 nach USA und in den Osten zu fliegen. Schlussendlich wurde die Concorde eingemottet, weil sie zu teuer war. Da liegt die Gefahr des TREC. Schlussendlich wird der Strom von den Dächern und den Windturbinen mit eher grosser Wahrscheinlichkeit billiger sein. Wir Strombezüger haben auch ein Recht auf das Geldverdienen beim Stromgeschäft und sei es nur ein wenig über eine billige Stromrechnung. Hans
Hans Frommelt
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Solarkraftwerke und Archäologie

Beitrag von Hans Frommelt »

Im Wüstenschiff - „dem Sahara- und Wüstenforum“ wurden bereits verschiedene Aspekte zur Thematik angesprochen. Einige Diskussionsmitmacher äusserten sich zu Energiepolitischen Themen. Das Wüstenschiff hat das Ziel: Informationen rund um Afrika und den Nahen Osten zu vermitteln. Im Titel: „DESERTEC; Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?“ ist sicherlich die Energiezukunft für Deutschland enthalten. Im Zusammenhang mit den Intentionen des Wüstenschiff geht es aber weniger um eine grundsätzliche Energiepolitische Diskussion, sondern eher um die Umweltbelastungen einer Stromproduktion in der Sahara.
Angesprochen wurden die Routen der Zugvögel, aber auch der Rückbau ausgedienter Komponenten für die Saharastromerzeugung.
Ein weiteres Diskussionsthema wäre die Archäologie. In den vergangenen Jahren wurde teilweise mit Schleppnetzen der Saharaboden aufgewühlt in der Hoffnung, dass man auf die leichte Tour ein paar Pfeilspitzen und Steinwerkzeuge findet. Die Fundgegenstände wurden dann im Ebay angeboten.
Man kann sich nun lebendig vorstellen, wie viele solcher Fundplätze, auch wenn diese im Abstand von vielleicht 5 bis 50 km auseinanderliegen, aus Unachtsamkeit zerstört wurden. Für den archäologisch weniger interessierte, ist solches kein Trauma. Es liegt in der Natur der Thematik, dass für den Saharakonsument solches völlig unbedeutend ist. Dem „introvertierten“ Archäologen fehlen aber unter Umständen wesentliche Komponenten für die Beschreibung der Saharageschichte. Beim Bau von Solarkraftwerken in der Sahara könnte sich solches wiederholen. Mancher Leser denkt jetzt, man kann aus einer Mücke einen Elefanten machten. Beim Wüstenschiff sollte es nicht um eine Gewichtung der Argumente gehen, sondern lediglich um eine Auflistung von Themen, welche mehr oder weniger beachtet werden sollten, sollte es zum Bau des 400-Miliardenprojektes kommen. Nur der erfahrene Saharakenner kann solche Befürchtungen formulieren. Hans
Kuno
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Re: DESERTEC - Saharastrom für Deutschland sinnvoll oder nicht?

Beitrag von Kuno »

Hans, wann warst du denn das letzte Mal "in der Wueste"?

Sonnenkraftwerke haetten wenigstens den Vorteil, dass, wenn es erstmal installiert ist, viel weniger rumgefahren wird als in einem Oelfeld. Schau dir mal GoogleEarth in der Wueste Libyens an - die Oelindustrie hat das Gesicht der Wueste schon massgeblich umgeformt.

An den paar kuemmerlichen Pfeilspitzen, die es noch gibt wird sich niemand stoeren :?
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