Trophäenjagd

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Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

Guido hat geschrieben:Das traut sich heute wegen des zu erwartenden Shitstorms niemand mehr. Als Art sehe ich afrikanische Elefanten aktuell nicht vom Aussterben bedroht.
Ich denke, das Reduzieren der Elefanten-Überpopulation im südl. Afrika, also das Culling, sollte man, wenn überhaupt, den Profies überlassen und nicht den Trophäenjägern, sonst besteht die Gefahr, dass traumatisierte Menschenhasser-Elefanten übrig bleiben. Habe selbst mal vor einem solchen Burschen gestanden, der meine Kamera im Anschlag (mit Objektiv) wohl mit einem Gewehr verwechselt hat.
Problem natürlich wieder : wer trägt die Kosten.

Angesichts der nachweislichen Überpopulation könnte man dem Shitstorm jedoch Fakten entgegensetzen.

Was hat denn früher die Elefantenpopulation im Gleichgewicht gehalten, war es vielleicht ein höherer Löwenbestand ? Was hat die LAge so aus dem Gleichgewicht gebracht ? Möglicherweise ist es nur ein temporäres "Übersteuern" der Population, bis der natürliche Mechanismus die Reproduktionskontrolle einsetzt.
Entweder ist das eine glatte Lüge oder sie haben nicht den Regeln entsprechend gejagt. Sonst sieht man das Halsband. Selbst bei einem Löwen wie Cecil mit mächtiger dunkler Mähne.
Wer einen Löwen "weidmännisch korrekt" zur Strecke bringen will, muss doch genau zielen können und dann sieht man ein Halsband natürlich - gar keine Frage. Man sieht ja mittlerweile genug Wildtiere mit Halsband, um dieses beurteilen zu können.

Gruss
Lothar
Guido3

Re: Trophäenjagd

Beitrag von Guido3 »

Lothar hat geschrieben:Angesichts der nachweislichen Überpopulation könnte man dem Shitstorm jedoch Fakten entgegensetzen.
Die Fakten sind nicht interessant, wenn die Emotionen erst mal hochgekocht sind. Mit den Fakten fängst Du vielleicht 5-10% der Empörten wieder ein. Auch die Politik lässt sich heutzutage gern von Empörungswellen zu Aktionismus verleiten.
Lothar hat geschrieben:Was hat denn früher die Elefantenpopulation im Gleichgewicht gehalten, war es vielleicht ein höherer Löwenbestand ? Was hat die LAge so aus dem Gleichgewicht gebracht ?
Gute Frage, aber ich habe keine Ahnung. Es ist halt alles ein unendlich komplexes Gefüge von verschiedenen Faktoren, Wirkungen und Wechselwirkungen. Man kann der Theorie von der Überpopulation auch entgegenhalten, das schon seit 20 Jahren schlimmste Prognosen publiziert werden, wie das alles enden wird. Die ewig angekündigte Apokalypse ist aber immer noch nicht da. Wissenschaftlich nachweisen kann man wohl, dass die stark gewachsenen Elefantenpopulationen die Zusammensetzung der Flora verändern. Bestimmte Pflanzenarten überleben das andauernde gerupft werden durch Elefanten nicht.

Beste Grüße

Guido
landcruiser.
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von landcruiser. »

Lothar hat geschrieben:Wer einen Löwen "weidmännisch korrekt" zur Strecke bringen will, muss doch genau zielen können und dann sieht man ein Halsband natürlich - gar keine Frage. Man sieht ja mittlerweile genug Wildtiere mit Halsband, um dieses beurteilen zu können.

Gruss
Lothar
Beim Zielen hast du kein Auge für ein Halsband, auch wenn bei der Löwenjagd i.d.R. nicht auf große Distanzen mit Zieloptik, sondern ursprünglich auf kürzere Distanz über die offene Visierung oder mit ganz kleiner Optik, geschossen wird.

Schätze bei dieser Art Trophäenjagd sagt der Jagdführer nur "Den da, los schieß!"

Trotzdem hast du natürlich Recht, denn vor dem Schuß muss das Tier richtig "angesprochen" werden und dabei sieht man im Fernglas auf jeden Fall das Halsband.

Es gilt "Was du nicht kennst, das schieß auch nicht!"

Derjenige, der den Finger krumm macht trägt die Verantwortung für seinen Schuß und er kann sich nicht auf den Guide herausreden.

Mag sein das sie sich heute auch schon irgendwo ansetzen und den Löwen aus sicherer Entfernung am Köder abknallen, weil sie Schiss haben ein eigenes Risiko einzugehen.

Egal wie, was da passiert ist war eine große Sauerei und die Tante mit der erlegten Giraffe hat genau so einen an der Waffel.

Das alles hat mit Jagd im ursprünglichen Sinn nichts mehr zu tun.

Wenn sie scharf drauf sind auf die Big Five zu gehen, sollen sie den Einheimischen in Gegenden mit Überpopulation bei der Reduzierung des Bestandes helfen.

Mal sehen, ob sie nach 5 Tagen Rumkriechen im Busch und ohne abendliches kaltes Bier am Buffet noch Bock auf Großwild haben.
Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

Mal eine Überlegung:

1. Fest steht, die Wilderei ist ein grosses Problem und erfordert zur Bekämpfung erhebliche Mittel.

2. Trophäenjäger sind bereit, viel Geld für ihre Abschüsse zu zahlen.

3. Die Anzahl reicher Personen steigt und damit statistisch gesehen, wahrscheinlich auch die Anzahl der Trophäenjäger.


Was liegt da näher, als die Abschusspreise für die Trophäentiere ordentlich steigen zu lassen.
Man schlage eine satte, also wirklich satte (!) Antipoaching-Fee auf, welche an das Ministry of Nature/Wildlife zu zahlen ist. Diese Einnahmen kommen den staatlichen Antipoaching-Programmen zugute und ein anderer Teil wird den Jagdfarmen als Kompensation für Einnahmeverluste und für private Antipoaching-Massnahmen bereitgestellt.
Gleichzeit würde durch die höheren Kosten die Anzahl der Trophäenjagden zurückgehen.

Geht natürlich nicht, aber warum nicht ??


Gruss
Lothar
Guido3

Re: Trophäenjagd

Beitrag von Guido3 »

Lothar hat geschrieben:Geht natürlich nicht, aber warum nicht ??
Keine Ahnung. Ich verstehe so vieles da nicht mehr.

Das in Namibia für Wildereibekämpfung primär zuständige Ministerium MET jammert auch, dass nicht genug Geld da ist, um die Wilderei zu bekämpfen. Aber im letzten Jahr hat das Ministerium sein Budget nicht ausgenutzt und deshalb in diesem Jahr das Budget stark zusammen gestrichen bekommen. Gerade Budgetposten für Wildereibekämpfung wurden gekürzt. Und das angesichts eskalierender Nashornwilderei.

In den regionalen Stellen des MET stehen teilweise etliche LandCruiser und Hiluxe rum, die für Patrouillenfahrten gedacht sind. Alle kaputt. Werden aber nicht repariert. Kein Geld. Und das Ministerium schöpft sein Budget nicht aus.

Im Etosha eskaliert die Nashornwilderei, der steinalte Zaun ist löchrig ohne Ende und müsste erneuert werden. Es fehlt das Geld. Gleichzeitig hat man den Eintritt seit 10 Jahren nicht mehr erhöht. Allein durch die Inflation hat der Eintritt sich effektiv mittlerweile halbiert. Muss man den Park für 6 EUR Eintritt verschleudern? Das soll ja nicht die Auswüchse bei den Eintritten wie teilweise in Ostafrika annehmen. Aber selbst wenn man jetzt den Eintritt verdoppelt oder verdreifacht wäre es immer noch billiger als z.B. der Eintritt für den Krüger und Kgalagadi. Dann hätte man sehr viel mehr Geld zur Verfügung. Warum macht man das nicht?

Im Zuge des Cecil-Abschusses haben jetzt auch US-Airlines angekündigt, dass sie keine Trophäen kritischer Tierarten mehr transportieren. Der zuständige Minister Shifeta des MET sagte dazu gestern: «This will be the end of conservation in Namibia. These anti-trophy hunting campaigns are very serious as many countries are joining the chorus now.[...]Trophy hunting concessions provided the second highest source of income for conservancies, generating more than N.dollars 13.9 million in 2010, of which 80 per cent was from concession fees and salaries, and 20 per cent from meat distribution.»
Da könnte ich ausflippen. 13,9 Mio. NS entsprechen rund 1 Mio. EUR. Pro Jahr. Für alle Conservancies zusammen. Weil lächerliche 1 Mio. EUR Einnahmen eventuell teilweise wegfallen, verkündet der zuständige Minister das Ende des Naturschutzes in einem Gebiet halb so groß wie Deutschland (alle 82 Conservancies zusammen)? Und gleichzeitig verschleudert Namibia weiterhin jedes Jahr 500.000.000 bis 1.000.000.000 N$ für die nicht existenzfähige Air Namibia. Würde man den Eintritt im Etosha als Inflationsausgleich nur mal verdoppeln, dann hätte man ca. 55 Mio N$ zusätzlich zur Verfügung und könnte etwaige Verluste aus dem Wegfall von Trophäenjagd in den Conservancies gleich 3 mal kompensieren. Was hat der Typ auf dem Ministersessel des Ministeriums für Umwelt und Tourismus zu suchen, wenn er im Zweifelsfall nicht mal eine winzige Million aus der Trophäenjagd kompensiert bekommt und lieber das Ende des Naturschutzes verkündet?

Die einzigen Erklärungen die ich noch habe, sind ein unfassbares Ausmaß an Inkompetenz oder eine schlimme Korruption bis in höchste Kreise. Wenn man selbst von Geldern aus der Trophäenjagd profitiert, dann ergeben all die Aussagen und (Nicht-)Maßnahmen Sinn.

Muss jetzt erst mal ein Glas Rotwein trinken um mich zu beruhigen ...
:evil:

Beste Grüße

Guido
Kuno
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Kuno »

Vielleicht sollte man die Trophäenjagd mit der Bekämpfung der Wilderei verbinden - der Trophäenjäger geht zuerst zwei Wochen mit den Rangern auf Wildererjagd :twisted:
Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

#Guido

Deine Schilderungen überraschen mich nicht wirklich. Bei der Trophäenjagd fliessen hohe Beträge durch wenige Hände, da lässt sich gut etwas abgreifen.
Ich bin ab nächster Wocher wieder "unten" und werden jedes Wildtier mit dem Wissen um seine ungewisse Zukunft mit zusätzlicher Achtung und vielleicht auch etwas Wehmut beobachten.

Guido hat geschrieben:Muss jetzt erst mal ein Glas Rotwein trinken um mich zu beruhigen ...
... tja, man muss tatsächlich immer ein Fläschchen griffbereit haben ....in akuten Fällen hilft auch ein doppelter "Clipdrift".

Gruss

Lothar
afritrotter
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von afritrotter »

Hallo Guido3!

Du bist ja supergut infomiert, verraets du vielleicht bitte deine tollen Quellen?

Soweit ich gehoert habe , haben die Berufsjaeger ein grosses Galadiner in WIndhoek organisiert, wo wohl ein paar Millionen Nam Dollar fuer die Wildererbekaempfung gesammelt werden.

Das Problem bei der Wildererbekaempfung und da gehoert auch das illegale Fischen dazu, ist naemlich, dass die Wilderer oft Verwandschaft der sie "bekaempfenden" Ranger sind.

Im Sambesi , an dem ich direkt wohne , gibt es heute noch 10% des Fischbesatzes wie vor 5-6 Jahren.

Ach wenn jemand von Euch hier in meine Ecke (Katima Mulilo) kommt kann er gerne auf nen Sundowner vorbei kommen.

Der ist soweit ich bis jetzt beurteilen kann noch nicht bedroht, aber weiss mans?

Gruss vom Sambesi mit seinen grunzenden Hippos
Zuletzt geändert von afritrotter am Fr 7. Aug 2015, 07:19, insgesamt 1-mal geändert.
Guido3

Re: Trophäenjagd

Beitrag von Guido3 »

Afritrotter = Jörg?

Ich weiß nicht, welche Quelle genau Dich interessiert? Zahlen zu den Conservancies findes Du im Statusreport von NACSO.
Wieviel das MET mit Parkeintritten einnimmt, Zahlen zu Haushaltsposten und wie viel wieder für Air Namibia verschwendet wird (2015: 580 Mio, 2016: 772 Mio, ...), kannst Du beim Finanzministerium den verschiedenen, offiziellen Haushaltsdokumenten für die einzelnen Jahre entnehmen.
http://www.mof.gov.na/de/budget-2015-2016
http://www.nacso.org.na/SOC_2013/index.php

Beste Grüße

Guido
afritrotter
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von afritrotter »

Hallo Guido!

Danke fuer die Antwort. Sorry hatte vergessen zu unterschreiben, kommt bei mir eigentlich nicht vor.

Klar ich bin Joerg aus Katima Mulilo

Gruesse vom Sambesi

Joerg
Kuno
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Kuno »

Die Ansichten der Menschen, die in Zimbabwe wohnen können sich offensichtlich durchaus von denen der Europäer unterscheiden:

“In my village in Zimbabwe,” he wrote, “surrounded by wildlife conservation areas, no lion has ever been beloved, or granted an affectionate nickname. They are objects of terror.”

Hier der ganze Artikel: http://www.westernjournalism.com/a-zimb ... =MailChimp
Marcus der Africanus
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Marcus der Africanus »

"Die Ansichten der Menschen, die in Zimbabwe wohnen können sich offensichtlich durchaus von denen der Europäer unterscheiden"

Allerdings.
Ich würde sogar noch einen draufsetzen:

Die Ansichten der Europäer würden sich auch unterscheiden,
wenn SIE mit den Raubtieren zusammen leben müssten.

Man sehe sich nur das Geheule in D wegen der paar Dutzend Wölfe an.
Schlicksurfer

Re: Trophäenjagd

Beitrag von Schlicksurfer »

Marcus der Africanus hat geschrieben:"Die Ansichten der Menschen, die in Zimbabwe wohnen können sich offensichtlich durchaus von denen der Europäer unterscheiden"

Allerdings.
Ich würde sogar noch einen draufsetzen:

Die Ansichten der Europäer würden sich auch unterscheiden,
wenn SIE mit den Raubtieren zusammen leben müssten.

Man sehe sich nur das Geheule in D wegen der paar Dutzend Wölfe an.
Und wenn dann erst ein Bär auftaucht - dann herrscht Terroristenalarm! Übrigens auch in der Schweiz. :lach:
Kuno
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Kuno »

Marcus der Africanus hat geschrieben:Die Ansichten der Europäer würden sich auch unterscheiden, wenn SIE mit den Raubtieren zusammen leben müssten.
Natürlich wird bei uns (in der Schweiz, insbesondere im Wallis) jeweils ein Riesentheater in den Medien veranstaltet, wenn sich wieder einmal ein "gefährliches Raubtier" blicken lässt. Die Schafbesitzer sehen jeweils den Weltuntergang direkt vor der Türe. Das war vor einigen Jahren, als man bei uns wieder Luchse und Geier aussetzte auch schon so. Es waren nicht wenige, die die Tiere sofort wieder abschiessen wollten - und mittlerweile hat man sich an sie gewöhnt. Luchse und Geier sind komplett aus dem Fokus verschwunden; wohl auch deshalb, weil man erstere kaum je zu Gesicht bekommt. Bei den Wölfen scheint es ähnlich zu laufen - da diese sich aber teilweise von Schafen ernähren, wird es hier etwas länger dauern. Mit den Bären wird es wohl etwas schwieriger... allerdings muss man auch sagen, dass bei uns diese Tiere in den vom Menschen besetzten Lebensraum eindringen und nicht umgekehrt, wie das aktuell in Afrika der Fall ist.

Es hat bei uns auch sehr lange gedauert, bis man die Tierwelt als "Kapital" erkannte, dass es zu erhalten und zu schützen gilt. Kaum jemand weiss hier noch, dass die Steinböcke in userem Land einmal komlett ausgerottet waren.

Und hier müssten auch die Menschen in Afrika auf das Thema kommen - ohne die grossen Wildtiere, wenn sie in den Restparks nur noch ein paar Termitenhügel haben, wird niemand mehr fröhlich Geld ausgeben wollen, um die Parks zu besichtigen...
Alexander
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Alexander »

Wieder hat ein Trophäenjäger einen der größten Elefanen abgeschossen. Auch er war sich nicht bewußt, was er tat. Warum darf einer, der nicht weiß, was er tut, eine Waffe in die Hand nehmen?

Töten als Sport: Deutscher Jäger erschießt seltenen Elefanten

Ein deutscher Jäger hat den größten Elefanten erschossen, der in Afrika seit 30 Jahren getötet wurde - für 39.000 Pfund. Angeblich sei er sich über die Bedeutung des Tieres nicht im Klaren gewesen. mehr...

Grüsse
Alexander
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