Guido3 hat geschrieben:
Es hat ja niemand behauptet, dass in der EU alles perfekt ist oder das Projekt EU abgeschlossen wäre.
Das wird nie zu einem Abschluiß kommen, denn vorher wird erweitert und erweitert und erweitert, bis auch noch die Mongolei und der Senegal zur EU gehören werden. Einen glorreichen Abschluß wirst weder Du noch ich noch die Generation nach uns erleben, vermutlich gar niemand. Weswegen sollte man dann die Bereicherungseinrichtung einiger Politiker und Lobbyisten weiterhin unterstützen?
Guido3 hat geschrieben:Was Du beschreibst, sind Beispiele, die eindeutig mehr und nicht weniger EU-Harmonisierung bedürfen.
Es sind einige wenige konkrete Beispiele, weil pauschale Bemerkungen immer so schnell vom Tisch gefegt werden mit dem Hinweis, daß da keine Substanz dahinterstecke. Wie lange existiert diese EU schon? Wie lange soll es dauern, bis wir eine einheitliche Gesetzgebung, einen einzigen Haushalt und ein demokratisch gewähltes Parlament haben werden? Ich behaupte, daß das mit den aktuellen Mitgliedern nie zu schaffen sein wird. Und mit Hilfe der Drohung den ersten asiatischen Staat (Türkei) mit durchzufüttern wird's erst recht nichts.
Guido3 hat geschrieben:
Führerscheine, Kennzeichen, Notrufnummern uvm. was den Bereich Straßenverkehr betrifft, wurde im Übrigen auch schon weitgehend harmonisiert.
Was seid ihr EU-Profiteure doch nur so leichtgläubig! Ich habe einige wenige Beispiele von vielen mehr nur aus der Beziehung zwischen .de und .fr erwähnt. Glaubst Du wirklich, daß das mit den anderen Beziehungen "harmonischer" verläuft?
Guido3 hat geschrieben:
Wenn ich angesichts des abartigen Wetters in Norddeutschland ein halbes Jahr in Italien oder Spanien leben will, kann ich das einfach so ohne große Bürokratie tun.
Ach!? Wird im Berufsumfeld Dein Diplom oder Deine Ausbildung anerkannt? Bei einigen wenigen Berufsgruppen geht das, bei vielen nicht. Das ist allerdings eher weniger ein Verdienst dieser EU, sondern der Tatsache geschuldet, daß z.B. diverse deutsche Hochschulabschlüsse, Meisterbriefe u.ä.im Ausland schon immer angesehen und anerkannt waren.
Und ob die freie Arbeitsplatzwahl in den Kernstaaten der EU so was positives sind, wage ich ebenso zu bezweifeln. Ja, es sind nur die Kernstaaten. Da wird mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen. Warum denn nur? Wo liegt jetzt die Gemeinsamkeit in dieser EU?
Guido3 hat geschrieben:
Die EU und nicht deutsche Politiker klopfen dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk in Deutschland wirksam auf die Finger,
Und genau deshalb haben deutsche Landtage das Haushaltsgeld für den Rundfunk ab nächstem Jahr beschlossen, weswegen ich plötzlich 36DM pro Monat zahlen muß für etwas, was ich seit Jahren nicht nutze. 420DM pro Jahr für nichts! Erkläre mir mal, was da die EU unternimmt!
Guido3 hat geschrieben:
Natürlich läuft im Moment viel verkehrt in Europa und der Zustand von Europa ist teils desolat. Ich bin aber überzeugt, dass es langfristig erstrebenswerter ist, zu versuchen die falsch laufenden Dinge zu korrigieren, als die EU abzuschaffen.
Erkläre mir mal bitte, weswegen die Deutschen kurz nach Einführung der temporären Ersatzwährung vor 10 Jahren Strafzahlungen an die anderen leisten mußten, weil die Neuverschuldung 3% vom BIP überstieg (oder so ähnlich). Was haben währenddessen die Griechen, die Italiener, die Spanier, die Portugiesen, die Iren und die Holländer gemacht? Ihre Finanzen schöngerechnet, oder anders ausgedrückt, sie haben betrogen. Wir hatten seinerzeit wie auch heute keine Volksvertreter in der Bundesregierung, die den Mumm hatten das anzuprangern. Zahlen denn die Länder, die heute ihre Neuverschuldung auf über 3% betreiben, irgendwelche Strafzahlungen an die Gemeinschaftskasse? Nein, im Gegenteil, die erhalten derzeit ein Vielfaches hinterhergeworfen. Von unserem deutschen Steueraufkommen, das wir an anderen Stellen viel produktiver einsetzen könnten und müßten.
Guido3 hat geschrieben:
Betrachtet man rein den EU-Haushalt, dann ist Deutschland in absoluten Zahlen der größte Nettozahler.
Haben wir nur einen adäquaten Nutzen? Ich sehe nicht einen.
Guido3 hat geschrieben:
Pro Kopf zahlen wir netto um die 100 EUR pro Jahr in den EU-Haushalt
Von wann ist denn diese Zahl? Das, was wir Deutschen den anderen alleine im Laufe der vergangenen Monate geschenkt haben, liegt aber deutlich drüber. AFAIK lag der Spendenbetrag alleine im Laufe der vergangenen Monate bei rund 1000DM pro Kopf.
Wieviel zahlen wir eigentlich für diese unsägliche EU-Bürokatie in Strasbourg, Luxembourg und Brüssel?
Guido3 hat geschrieben:
Wir exportieren pro Kopf jährlich für umgerechnet über 7.600 EUR in EU-Länder. Pro Kopf erwirtschaften wir mit den EU-Ländern einen Handelsüberschuss von rund 800 EUR.
Und Du glaubst, daß diese Zahlen wesentlich anders ausfallen würden, wenn wir nicht mehr in der EU seien? Außerdem ist's mir relaltiv egal, wohin die deutschen Waren exportiert werden. Ob das Europa ist oder woanders in der Welt, spielt keine Rolle.
Guido3 hat geschrieben:
Wir erwirtschaften wie gesagt pro Kopf im EU-Außenhandel 800 EUR Überschuss. Zieht man die 100 EUR Nettozahlung ab, bleiben 700 EUR "Nettogewinn", die sicherlich schrumpfen würden, wenn die EUR nicht unterentwickelten Regionen auf die Beine helfen würde.
Wen interessiert alleine der Überschuß im Handel mit europäischen Ländern? Der gesamte Außenhandel ist von Bedeutung. Und genau der sollte ausgeglichen sein. Ist er aber nicht. Seit vielen Jahren nicht. Dieser Überschuß kommt also nicht den Deutschen zugute, die ihn erwirtschaftet haben, sondern wird den anderen einfach geschenkt.
Guido3 hat geschrieben:
Dadurch dass Griechenland, Spanien, Italien, Portugal, ... den Wert des Euro massiv drücken, sind deutsche Waren im Nicht-EU-Ausland aktuell wohl mindestens 20-50% billiger, als sie es mit der DM wären.
Entspricht das nicht zufällig der Lebenszeit, die wir deutsche Arbeitnehmer länger arbeiten müssen? Sowohl täglich wie auch bei der Lebensarbeitszeit? Warum nur gehen die Leute in fast allen anderen Ländern erheblich früher in Rente als wir Deutsche? An dieser Stelle geht's nicht mehr um irgendwelche hypothetischen öffentlichen Haushalte, sondern um meine eigene Lebensqualität.
Guido3 hat geschrieben:
Das ist einer der Hauptgründe, warum Deutschland derzeit international so brutal wettbewerbsfähig ist
Das ist keine Wettbewerbsfähigkeit, sondern ein Verramschen unserer Produkte und Dienstleistungen.
Guido3 hat geschrieben:
Würden wir wieder die DM bekommen, so würde diese wohl auch gegen die meisten anderen Währungen in der EU massiv aufwerten und unsere Exporte auch in EU-Länder entsprechend eindampfen. Natürlich würden gleichzeitig die Importe für uns billiger.
Genau das. Wir würden für unser Geld wieder das bekommen, was es wert ist. Wir in .de haben nichts davon, wenn wir unsere Exportüberschüsse den anderen EU-Ländern schenken, aber zu deren Konditionen außerhalb einkaufen müssen. Unterm Strich wäre es für jeden Einzelnen günstiger in einer unabhängigen DM-Welt zu leben.
Weiterer Gedanke: Früher regelten die Zölle die Außenhandelsströme. Das war gar nicht so schlecht, konnte doch so auf staatlicher Ebene der Außenhandel beeinflußt werden. Damals wurde die Allgäuer Milch nicht nach Griechenland gefahren, um daraus "griechischen Feta" für deutsche Supermärkte zu produzieren. Weniger LKW-Einsatz, weniger unnötiger Verkehr, weniger unnütze Warentransporte. Nebenbei erwähne ich in einigen Gegend Afrikas das Ergebnis der tollen EU-Agrarpolitik: gibt es in Westafrika noch einheimische Zwiebeln? AFAIK nicht viele, denn die meisten kommen aus Holland. D.h. mit dieser EU-Politik zerstören wir ganze Wirtschaftskreisläufe in Ländern, die sich nicht wehren können.
Guido3 hat geschrieben:
Unterm Strich würden wir als "Exportnation" aber stark leiden.
Genau das wird von den EU-Profiteurn immer wieder behauptet, ohne daß es dafür Belege gäbe. Das Gegenteil wird der Fall sein.
Guido3 hat geschrieben:
Die Schweiz bekommt solche Effekte ja gerade zu spüren und strampelt sich ab, um das in den Griff zu bekommen.
Die Schweiz hat als kleines Land ohne großartige Industrie und besonders als kleine Insel inmitten eines übermächtigen Nachbarn ganz andere Probleme, die sie in diesem Maße nicht hätte, wären souveräne Staaten mit eigener Währung außenherum.
Gruß, Ralf