Auch ich war im August mal wieder fuer einen Tag in der Wueste...
Als wir zur Mittagsrast einen schattigen Platz suchten, stellten wir fest, dass wir direkt unter dem Gelege /Nest eines Falken sassen.
Fuer uns, vor allem fuer die Kinder, war es spannend das Verhalten zu beobachten, obwohl wir uns der Tatsache bewusst waren, dass wir zu nah waren und den Falken stoerten. Allerdings war weit und breit kein weiterer Schattenplatz, so dass wir blieben!
Zu der Diskussion bezueglich Sitten und Gebraeuche in Bezug auf den Umgang mit Tieren kann ich folgendes beitragen:
als ich noch nicht in Aegypten lebte, lief einmal eine Fernsehreihe ueber Aegyten, bei der ua. auch ueber den Umgang mit Kamelen berichtet wurde. Ihnen wird, damit sie nicht weglaufen koennen, ein Bein hochgebunden. Der Kommentator stellte das sooo negativ dar, dass ich einen erbossten Bief an die Redaktion schrieb...mit der selben Argumentation wie Maja!
Heute weiss ich, dass ich Aepfel und Birnen einfach nicht vergleichen kann. Wir in der westelichen Welt haben im allgemeinen einen weitgehenden Tierschutz. Es gibt jede Menge Gesetze, die die Tiere vor den Grausamkeiten der Menschen schuetzen sollen. Haetten wir diese nicht, wuerden wir sicher auch ganz anders mit Tieren umgehen! (und selbst da gibt es immer wieder Grausamkeiten, die trotzdem stattfinden - Gesetze alleine aendern nicht viel, es muss ein Verstaendnis da sein!)In Laendern wie Aegypten gibt es noch nicht einmal ausreichend Gesetze zum Schutz von Menschen...Die gibt es zB. in Deutschland, trozdem werden Kinder misshandelt!!!
Ich kaempfe fast taeglich dagegen, dass Tiere in meinen Augen misshandelt werden und empoere mich jedes Jahr wieder, wenn die Zugvoegel zum Verzehr geschossen werden...doch was aendere ich? Ich sehe immer die Tradition aus der Zeit, wo die Menschen sich noch als Jaeger und Sammler taetig waren... Intelektuell unterscheiden sich die Oasenbewohner kaum davon!!!
Als ich mich vor Jahren darueber aufregte, dass alte und kranke Esel zum Sterben in die Gaerten geschickt werden, eine Auffangstation errichten wollte, Gras und Geld sammeln wollte...da bekam ich die Antwort: es gibt so viele Menschen, die nicht genug zu essen haben und die krank sind...kuemmere dich zuerst um die!!! Mir wurde klar, dass ich nicht genug Unterstuetzer finden wuerde, also nahm ich immer wieder Esel bei mir auf, die alleine unterwegs waren. Wenn wir unterwegs alte, kranke Esel sehen, besorgen meine Kinder nun immer etwas zu essen und Wasser und sind von mir sensibilisiert. Das ist alles, was ich tun kann (doch das ist schon viel und es macht mich stolz!).
Mit den Falken ist das aehnlich: ich liebe "wilde" Tiere und freue mich, wenn ich sie (ausser im Zoo) sehe. Doch gibt es mir das Recht anderen vorzuschreiben, wie sie die Tiere zu sehen haben? Ich kann versuchen, so wie Kuno, ihnen klar zu machen, dass ich es nicht mag, wie mit den Tieren umgegangen wird, ich kann veruchen den Kindern die Schoenheit der Natur nahezubringen, doch habe ich das Recht andere aufgrund meiner Weltsicht zu massregeln??? Ich mache den ach so glaeubigen Moslems, die Tiere misshadeln, immer wieder klar, dass Allah auch die Tiere gemacht, wie den Menschen...ich weiss, dass das meist verhallt, dafuer ist der Respekt vor anderen Lebewesen nicht tief genug in den Menschen verankert. Und wenn sich dann noch jede Menge Geld mit dem Fangen und dem Verkauf von Falken machen laesst...da bin ich etwas machtlos!
Seit ich in Aegypten lebe, habe ich gelernt, dass ich andere nicht aendern kann, ich kann nur mich aendern!
Ich habe uebrigens schon vielen Kindern in meinem Umfeld nahegebracht, dass sie keine Angst vor Hunden haben muessen. Wenn ich das so sehe, dann weiss ich, dass es ein schwerer aber gangbarer Weg ist. Kinder muessen den Respekt vor Mensch und Tier entwickeln, dann haben die naechsten Generationen sicher mehr Respekt von Ihresgleichen und vor Tieren! Ich wuensche das nicht nur den Falken!