Guido,
eigentlich wollte ich mir "Erhellendes" sparen - auch, um nicht wieder Gefahr zu laufen die Aegypter fuer dumm zu halten

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Der entscheidende Satz von Kant lautet: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen."
Wenn eine Religion so fest wie es im Quran geschieht das taegliche Leben reguliert, dazu dann ein mangeldes Angebot an Bildung kommt, dann ist der Mensch unmuendig, braucht also Fuehrung. Erst, wenn der Islam eine Aufklaerung durchlaufen hat (kann man im Vergleich ja auch ganz gut anhand der christilchen Religion sehen), kann es ueberhaupt zu Muendigkeit kommen. Hier unterscheidet sich klar die Situation Deutschlands von der Aegyptens!
Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
An dieser Stelle muss ich Kant geringfuegig korrigieren

:der Rueckschluss dieser Aussage bedeutete, dass ich nur unschuldig an meiner Unmuendigkeit bin, wenn mein Verstand nicht gut genug ausgepraegt ist. Ich moechte das aber lieber ersetzen mit "Bildung" - dann stimmt die Aussage meiner Meinung nach. Und da sind wir wieder in Aegypten: erst wenn ein besserer Bildungsstandard gegeben sein wird, kann es zur Aufklaerung und damit in Folge zur Muendigkeit fuehren! Das kann man schoen in den letzten Monaten sehen, denn die allermeisten Demonstranten der "ersten Garde" kommen aus so genannten besseren Haeusern, haben eine andere denn die aegyptische staatliche Bildung genossen, waren schon einmal ausserhalb des Landes... Bei ihnen gibt es den Wunsch und damit verbunden auch den Mut fuer Aenderung.
Die "aufgeklaerte Welt" hat mit der Kolonialisierung der afrikanischen und arabischen Laender nicht unbedeutend dazu beigetragen, dass in diesen Laendern der Gedanke der Aufklaerung unterdrueckt wurde: den Einheimischen wurde durch die Besatzer immer wieder vor Augen gefuehrt, wonach sie zu streben hatten, was der Sinn des Lebens sei..und sie wurden bewusst unmuendig gehalten. Damit wurde ihnen die Chance der Aufklaerung genommen. Die arabischen Laender beschaeftigten sich mehr und mehr mit der Religion - Religion, der Konterpart zur Aufklaerung. Erst nach dem WK 2 entstand eine gewisse politische Unabhaengigkeit...aber gedanklich noch auf den Wurzeln des Mittelalters. Und dort sind wir bis heute stehgengeblieben! Was eine Aufklaerung heute so schwer macht ist, dass die "Gegenspieler", die westlichen Kulturen/Laender als Ursache fuer Missstende herhalten muessen, die Laender, deren Menschen sich bereits vor Jahrhunderten emanzipiert haben. Somit wird die Emanzipation/Aufklaerung als abschreckendes Beispiel missbraucht, als nicht erstrebenswert dargestellt. Als Folge daraus wird der Rueckzug in die Religion immer wichtiger - als Schutz vor "zerstoererischen", aufgeklaerten Gedanken.
Nehme ich nun die aegyptsiche Situation, in der es nach Koenig Faruq und der britischen Besatzung bisher immer Militaerfuehrer gab, die selbstherrlich Freiheitsgedanken im Keime zu ersticken vermochten, dann koennten wir nun langsam in die Zeit kommen, wo die ersten aufklaererischen Gedanken kleine Wurzeln ziehen koennten - wenn da nicht Menschen wie ElBaradei waeren, die eine Aufklaerung aufoktroyieren wollten, da sie selber im aufgeklaerten Ausland grosse Teile ihres Lebens verbracht haben. Die Zeit dafuer ist nicht reif, es muss unbedingt und uneingeschraenkt von innen heraus passieren. Indem nun manche neuen "Fuehreren" wie elBaradei hinterherlaufen, sind sie genauso bevormundet wie die, die sich der Religion hinwenden. Organisierte Demonstrationen auf beiden Seiten...Erst eine Spontanaeitaet, wie sie im Januar 2011 stattfand, kann wirklich etwas erreichen, veraendern. Man kann es auch "Leidensdruck" nennen. Erst, wenn der Leidensdruck gross genug ist, dass ich etwas andern moechte, bin ich auch in der Lage dazu! Alles andere ist hohles "Nachplappern" und fuehrt zu nichts.
Ja, in Aegypten sind noch die meisten Menschen damit zufrieden, wenn sie ihr taegliches Auskommen haben. Ein Streben nach mehr hat sich noch nicht in die entfernten Doerfer durchgesetzt. Deswegen muss auch erst eine Basis dafuer geschaffen werden, dass die Menschen sehen koenne, dass es gut sein kann, eine eigene Meinung zu haben und sich dafuer einzusetzen. Solange es immer Gott im Hinter-/Vordergrund gibt, der fuer alles verantwortlich ist, der in allem ein Ziel verfolgt, das mir aber durchaus verschlossen bleiben kann, mein Lebensziel das Erreichen des Paradies' ist...solange wird es schwer, den Mut und die Kraft aufzubringen, die Unmuendigkeit zu ueberwinden, das eigene Ich selbstbewusster zu sehen, sich selber ernst und wichtig zu nehmen! In einer Zeit, wo die Macht der Welt wissen ist (noch anders als im 18.JH), wo Informationen in windeseile den Globus umkreisen, wie kann ein Land, das zu mehr als 50% aus Analphabeten besteht, da mitkommen?