Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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Kuno
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Klar, dass auch noch etwas Sand unter die Reifen musste - also ab nach Ksar Ghilane. An der Tankstelle nahmen wir zwei Soldaten mit, die grad suedlich der Oase eine Woche Dienst abzuleisten hatten; einen Sanitaeter und einen von der Luftwaffe. Der Sani hatte seinen letzten Einsatz beim Fluechtlingslager vor Ras Jedir. Die beiden waren optimistisch, dass die Revolution gut klappen wuerde und richtig gut motiviert.

Die Oase war dann auch nicht gerade ueberlaufen von Touristen. Waehrend sich die Masse der Deutschen Saharagemeinde wohl auf einen Urlaub in Albanien vorberietet, hatten sich doch zwei DE Mopeds und ein LKW mit Schneckenhaus bis hierher gewagt. Ein paar Froggies gab's auch noch (die erkennt man von weitem, weil sie wie aus einem unerfindlichen Zwang heraus die Stossstange von ihrem Toyota durch eine Reihe von zurechtgebogenen Heizungsrohren ersetzen).

Wir wollten unseren Ford RANGER natuerliich voll nutzen und zogen es vor, nicht in der Oase sondern in den unendlichen Duenen des Glutofens der Sahara zu verbringen. Platz gab es dadraussen genug. Nebst einer Sextouristin gab es nur noch ein paar Oekos auf Kamelen, die sich das Nachtessen mit Quads im Waermebehaelter aus der Oase bringen liessen. Und ein Kamel zum Fotografieren hatte es natuerlich auch noch:

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Und im Sonnenschein funktionierte sogar der Sonnenkompass wieder einwandfrei!
Kuno
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Die Ruine von Ksar Ghilane ist ja sonst nicht gerade das einsamste Plaetzchen in der Wueste Tunesiens - aber jetzt waren da gleich mehrere Vogelnester mit Jungen in dne Nischen der Mauern...

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Kuno
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Trotz dem Schutz, der uns die alte Festung fuer die Nacht geboten haette, zogen wir es vor, uns irgendwo viel weiter draussen in den Duenen ein Nachtlager zu suchen :mrgreen:

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Hier einmal ein paar Fotos von unseren historischen Navigationsmitteln:

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Kuno
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Natuerlich hatte es noch mehr Deutsche Touristen im Land:

„Der Umbruch ist überall spürbar“, sagte Roth anlässlich einer Reise zur Erkundung der Lage in Tunesien.

http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... esien.html


Ich moechte hier aber ganz klar festhalten, dass unsere und ihre Reise nichts miteinander zu tun hatten, dass wir uns nicht begegnet sind und dass wir sie, wenn wir und begegnet waeren auch nicht mitgenommen haetten. Nichts gegen die DE Gruenen und ihr Parteiprogramm - aber auch wenn deren Chef sicher auch mal Ferien verdient hat, passt es irgendwie nur schlecht ins Bild, was man uns immer gerne geben moechte, wenn man mit dem Flugi zum Vergnuegen reist... :mrgreen:
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Bedingt durch die Limitation beim Fliegen fiel unsere Kuechenausruestung diesmal auch ein wenig einfacher aus. Und zum Nachtessen gab es leckere Tuetensuppe:

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Und NEIN: Das was man auf dem zweiten Foto sieht ist nicht die Hand von Claudia Roth. Es ist die vom Wolfgang - unser Koch, der auch noch fahren kann :D
derJohannes
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von derJohannes »

Schöne Nachrichten, schöne Bilder...
Ich bin immer sicherer im Oktober wieder im Sand zu spielen ;-)
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Kuno
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

In der Nacht drehte der Wind dann um 180 Grad und fachte auch das Feuer wieder an. Als ich den Kopf aus dem Schlafsack hielt, konnte ich sehen, dass die Funken in richtung von Wolfgang's Penntuete flogen. Ich versuchte dann, Sand auf das Feuer zu werfen, um es wieder auszumachen...

...natuerlich flog der Sand dank dem starken Wind genau dahin, wo es auch die Funken taten. Seither erzaehlt Wolfgang immer von einem Sandsturm in der Nacht :mrgreen:

Samstag. Unseren Nachtplatz hatten wir fuer heute in Zarzis eingeplant. Wir fuhren zuerst einmal zurueck nach Ksar Ghilane und folgten dann der Pipeline Piste nach Norden bis Bir Soltane. Von dort rappelten wir genuesslich ueber eine Wellblechpiste nach Osten bis zum Dahar Gebirgeund drehten dann wieder nach Norden ab.

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Ueber die Berge via Toujane, wo wir Schaaaafsmilch trinken mussten zu den Bunkern der Mareth Linie. Man muss bei einigen der Anlagen ziemlich klettern, um sie zu erreichen - und mit der Schafsmilch im Magen ist das auch nicht einfacher...

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Beitrag von Kuno »

Weiter ging es nach Medenine.

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Da wir in Douz vergessen hatten zu tanken und keine Kanister dabei waren, waren wir doch sehr froh, als wir ganz am Ende der Reserve eine Tankstelle fanden :oops:

Die Polis waren wohl immer noch zuhause, so dass nach wie vor das Militaer die wichtigsten Punkte der Stadt bewachte. Aber ausser den oben gezeigten Fahrzeugen war nichts weiter zu sehen.
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

In Zarzis suchten wir dann das Hotel Odyssee auf. Und das war nun die erste Anlage seit Beginn unserer Reise, die richtig voll war. Aber es handelte sich um eine spezielle Art von Touristen...

UN, UNICEF, UNHCR, Al Jazeera, Organisation fuer Migration, Italienisches Rotes Kreuz und was auch immer...

...wir wurden im Keller einquartiert und mussten an der Bar gleich feststellen, dass der Preis fuers Bier dank der Praesenz der Helfer von 3,50 auf 5 Dinar gestiegen war.

Die Reporter erkannte man am besten daran, dass sie nicht ohne die 1'000 Taschensurvivalexpeditionsweste und ein lockeres Halstuch auskamen. Die meisten nahmen sich sehr wichtig und taten irgendwie... geckenhaft. Die Teams waren jeweils begleitet von mindestens einem Tunesier vom Typ "Icansolveyoualltheproblemsyouwouldnothavewithoutme". Wenn ihr wisst, was ich meine. Sehr wichtig war fuer die Schurnies auch, ihren Blog aktuell zu halten.... "reporting from Zarzis, directly at the Frontline...."

Viel sympathischer waren mir da all die jungen Maedchen von den diversen UN Organisationen. Die waren nicht nur jung sondern oft auch noch riiiichtg huebsch. Und leider hat man ihnen die blauen T-Shirts jeweils drei Nummern zu klein abgegeben 8)
Ich nehme an, die Girls hatten keine Muehe, die abgekaempften Fluechtlinge bei den Lagerbesuchen wieder auf die Beine zu bringen :wink:

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Da es bei der UN offenischtlich weltweit nicht vorgesehen ist, etwas anderes als Landcruiser zu fahren - auch wenn es nur ein paar Kilometer die Teerstrasse runtergeht, mussten natuerlich nagelneue Ausgaben dieses Wagens her (mit Seilwinde und llem, was man sonst noch so braucht).

Quatsch. Die meisten der Leute konnten sich bei den Autovermietungen lokal nur noch mit einem richtig Scheisse aussehenden Renault SYMBOL eindecken :twisted: Wenigstens hatten somit die lokalen Autovermieter und Fahrer ein gues Einkommen. Geparkt wurde recht wild vor dem Eingang des Hotels - man war ja in dringender Mission unterwegs.
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Ein spezielles Kapitel moechte ich den Damen und Herren vom Italienischen Roten Kreuz widmen. Die kamen mit Mitshi Pickern, Landrovern, Personalbus, Materiallastwagen und was weiss ich mit wievielen Fahrzeugen an, gerade so, als wollten sie den anderen Hilfsorganisationen keine Fluechtlinge mehr ueberlassen.

Die Veranstaltung war richtig militaerisch unterwegs. Alle in mehr oder weniger aehnlichen roten Uniformen, voll mit Badges und so Zeugs und natuerlioch von Kopf bis Fuss beschriftet. Nachdem die Autos strategisch platziert waren machte sich die Mannschaft daran, das Hotel einzunehmen. Die Verbindungsoffiziere mit aufgeklapptem Laptop und die Damen unter der Truppe entsprechend bekleidet, um mindestens die Medienleute, welche sich fuer Frauen interessierten abzulenken.

Zuerst besetzte man die Hotellobby und erkundete dann den Vorstoss ins Restaurant einen Stock tiefer. Als Sturmtruppe wurde die Masse der Rotkreuzler eingesetzt, von denen jeder mindestens das doppelte Kampfgewicht aufwies, welches fuer jemanden seiner Groesse eigentlich zu empfehlen gewesen waere.

Als diese dann mit ihrer vollen Praesenz das Buffet besetzt hatten kam der Rest der Truppe. Die waren schlank und drahtig, hatten Buerstenschnitt, die Schulter nach hinten und die Brust rausgedrueckt und liefen wie Gockel mit einem Stoeckchen im Arsch herum... besonders nettes Detail: Der Kragen des Polo-Shirts war bei denen aufgestellt (aehnlich dem Kamm eines Hahns).

Die Kellner wurden sofort gefangengenommen und dirigiert, wie die Tische neu zu arrangieren waren. Alles natuerlich mit vielen Worten und sehr laut. Als letztes kamen noch die Girls, taenzelten die Treppe herunter als waeren sie beim Finale der "Miss Erotic-Queen" :shock:

War schon beeindruckend. ausser fuer den einen Reporter, der sich immer an der Dessert-Theke herumtrieb, an seinem Bauchnabel herumspielte und dem Kellner ausfuehrlich erklaerte, wie er die Mousse au Chocolate gerne auf den Teller gestrichen haette :?

Internationeler Hilfdorganisationsflair eben :D
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Ueberzeugt, dass man alles im Griff hat, konnten wir uns am Sonntag getrost wieder auf die Reise machen. Wir fuhren hinauf nach Houmt Souk auf Djerba um noch jemanden aus frueheren Tagen zu treffen.

Zuerst dachten wir, dass wir in die falsche Richtung fahren wuerden, weil die ganzen UN Girls in den vollgepackten Renaults auch dahin fuhren anstatt zur Front. Mussten wohl noch etwas einkaufen gehen.

War ein ulkiges Bild. die kleinen Renault Symbol gemischt mit den typisch gefaehrlich und sehr schnell fahrenden grossen Limousinen aus Libyen. Dank dem Flugembargo begibt sich der reisede Libyer wieder wie zu den guten alten eiten nach Djerba, wen er ins ausland reisen will.

Um wieder ans Festland zu kommen benutzten wir die Wagenfaehre bei Adjim:

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Bei Mareth wude es fuer uns wieder etwas historischer und auch huegeliger - die kulinarischen Suenden des letzten Abends konnten ausgiebig gebuesst werden.

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Besonders interessant war der eine Huegel. Er wurde offensichtlich in Notzeiten immer wieder von den Leuten benutzt. Die neueste Befestigung waren in den Fels gesprengte Positionen der DE Wehrmacht, zuvor die bunker der Franzosen, was von den Berbern und wohl ein antikes Refugium mit einer maechtigen Halsmauer:

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