Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Nachrichten zu und aus den Sahara- und Wüstenregionen.

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marcelloperrone
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von marcelloperrone »

Ich weiß ja nicht, wie so die allgemeine Meinung dazu ist, aber für mich ist ein "echter" Flüchtling eine Person, die um ihr Leben fürchten muß. Solchen Leuten würde ich und vermutlich auch die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung anstandslos Hilfe zukommen lassen. Wenn nun aber Personen in Griechenland gezeigt werden, zeigt das doch ziemlich eindeutig, daß es eben nicht um Leib und Leben geht, denn ich vermute nicht, daß dort ernsthafte Lebensgefahr für diese Leute herrscht. Es ist für mich schlicht und einfach kein Argument zu sagen "hier, der Kerl hat Geschwister und Mutter zu Hause, die er versorgen muß" und es kommt bei mir auch wenig Mitleid auf. Eher im Gegenteil, wenn nämlich die junge und arbeitsfähige Bevölkerung ihr Land verlässt, dann wird sich dieses nach meiner Meinung eher negativ auf die Entwicklung auswirken. Wer soll den für Veränderung sorgen? Wer soll den die politische Richtung vorgeben? Es sind die Jungen die Ihr Land in die Hand nehmen müssen, die Alten haben sich oft schon mit der Situation abgefunden. Wenn junge und, wie in diesem Fall gebildete, Leute das Land verlassen wird dieses sich auch nicht weiterentwickeln. Insofern kann sich, nach meiner Meinung, das durchaus nachvollziehbare Mitleid, langfristig eher als Bumerang herausstellen.
Es bleibt wie immer auch die Frage offen, wie finanziert man sich eine Reise über etliche tausende Kilometer, bei welcher es vermutlich auch notwendig ist, immer mal wieder ein paar Dollar für Schleußer und bestechliche Beamte auf den Tisch zu legen.
Wenn man nun der Meinung ist, Europa bzw. Deutschland im besonderen sollte Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen, ist es denn dann nicht ungerecht gegenüber denen, die sich vielleicht gar keine Flucht leisten können ? Oder wer soll den aufgenommen werden ? Es gibt auf dieser Welt Millionen von Emirs, die sich nichts sehnlicher wünschen, in einem reichen, europäischen Land zu leben, daß das nicht funktioniert wir wohl kaum irgendwer bezweifeln wollen, also schaffen wir wieder Ungerechtigkeit, weil es eben der, der es sich leisten konnte, der vielleicht auch rücksichtsloser war bis nach Europa geschafft hat ? Dem armen und kranken, der aber in seinem Heimatort zurückblieb, diesen lassen wir Außen vor ? Nach meiner Meinung kann die Hilfe nur in den entsprechenden Ländern Früchte tragen und auch eine konsequente Vorgehensweise ggü. "falschen" Flüchtlingen gehört dazu.
russenschleuder
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von russenschleuder »

Um Mittleit oder Beileid ging es mir eigentlich nicht. Ich bin auch nicht dafür, dass Wirtschaftsflüchtlinge hemmungslos in unser Land kommen. Was mir aber wichtig ist, ist ein menschlicher Umgang mit ihnen.
In Griechenland hat mich sehr erschüttert, WIE mit den Menschen umgegangen wird. Bis zur Abschiebung (oder Ausschaffung) bleiben diese sich selbst überlassen. Legale Einkommensquellen aus klassischen "Pennertätigkeiten" werden systematisch geschlossen. Zum einen drängt man diese Leute damit in die Illegalität und zum anderen verliert man diese Leute auch in den Untergrund, so dass nur noch ein Teil versucht einen Asylantrag zu stellen.

Und das Österreich nicht mehr nach Griechenland abschieben darf ist auch so ein Punkt. Wir als ehemaliges Grenzland haben uns damals unter großem Gejammer gewehrt Leute aus anderen EU Ländern als Ersteinreiseland aufzunehmen und schieben jetzt fleißig dorthin ab.

Auch finde ich die ewige "die stellen 100 Anträge und verzögern das Verfahren" Argumentation witzlos. WER HAT DAS GESETZ GEMACHT??

Was ich aber immer wieder in meiner Altersgruppe spannend finde ist dieser Neid und das Festhalten an einem "Geburtsrecht auf Reichtum". Wenn ich mir meine letzten 21 Jahre anschaue, habe ich den Staat monatlich 300€ Kindergelt, Ausbildungskosten, Gesundheitsversorgung ( keine Sorge, ich weiß was eine Schädel CT kostet), Infrastuktur... gekostet (Wäre mal echt spannend da einen Break Even auszurechnen), es wird mir aber NIE zum vorwurf gemacht, wogegen man einem Asylwerber sofort Verfahrenskosten im 1000€ Bereich vorwirft.

Auch setzen wir uns mit großem finanziellem und logistischem Aufwand für die Zerstörung regionaler Wirtschaft in diesen Ländern ein. Als Stichworte werfe ich hier einfach einmal Kartoffeln, Bekleidung, Hühner, Baumwolle und Fische in den Raum. Mich wundert nicht, dass die Neger (Oh Gott, er hat Neger gesagt!! Einen Farbigen wie einen Neger behandeln ist ok, solange er Baumwolle pflückt, aber sagen ist rasistisch, ich weiß :mrgreen: ) zu uns kommen. (schönes Kommentar war da im Film "Let´s make money" wenn ihr so weitermacht könnt ihr auch gerne 10 m hohe Mauern bauen, wir kommen trotzdem)

Damit will ich weder provozieren, noch sinnvolle Ansätze wie Fair Trade oder dergleichen ins Lächerliche ziehen, sondern einfach nur darauf aufmerksam machen, dass diese Leute keine Ursache eines Problems, sondern nur ein Symtom sind.
Bei aller Polemik aus welchem Eck auch immer, vermisse ich so etwas wie ein Gesammtkonzept. Wenn so ein Politiker sich in unser Kaff verirrt dann versprechen die immer Lösungen für Morgen. Bis jetzt war das einzig langfristige Projekt mit einem Horizont > 10 Jahre der Brenner Basistunnel. Nachfragen im Bereich Wirtschaftsflüchtlinge wurde immer mit den klassichen drei Blödheiten beantwortet: Schneller Abschieben, andere Länder vorschieben, härtere Strafen. Lösen wollte das Problem niemand. (so und jetzt noch schnell ein nicht ganz so ernst gemeinter Vorschlag: wir müssen mit Ihnen ja nicht fair Handel treiben. Wir sollten Sie nur ein bisschen weniger über den Tisch ziehen)

so, das wars aber jetzt. Wünsche euch allen einen schönen Abend.

sg Clemens

OT: den letzten Beitrag habe ich lieblos nach der Arbeit herunter getippt und mit erschrecken erst jetzt die Fehler bemerkt. Ich verspreche mir ab jetzt meh Mühe zu geben.
sg Clemens
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Peter D
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Peter D »

Wie schon von Clemens beeindruckend geschildert: Symptom und Ursache.
Natürlich nicht ausschließlich aber viele Ursachen des westlichen Wirtschaftkolonialismus lassen sich mühellos finden. Es sind deren erschreckend viele.

Zum Beispiel die Erdnuss-Monokultur im Senegal.
Seit 35 Jahren befuhr ich Westafrika lückenlos und habe die westlichen Wirtschaftswürgegriffe selbst gesehen und von der Bewölkerung geschildert bekommen.
So hab ich zum Beispiel im Senegal dort ein Vierteljahr lang auf mein Amateurfunkgerät gewartet um meine Sahara-Erstdurchquerung "Atlantik-Nil-am 23 Breitengrad 9 Monate" zu starten.
Ich hatte 680 liter im Tank 450L Wasser, tausend Hummeln im Hintern und konnte nicht weg...

Nach drei Monaten am gleichen Platz kommt man mit den Leuten zusammen...Schon damals haben mir die Bauern ihr Leid geklagt. Es hat sich bis heute noch deutlich verschlimmert. Daran sollte man auch denken, wenn die Leute bei uns vor der Tür stehen...

Senegal
Zitat aus: http://korso.at/content/view/4596/107/

...........Kampf gegen Konzerninteressen.
Trotz der vielversprechenden Ansätze der Selbstorganisation in den ländlichen Kommunen ist der wirtschaftliche Einfluss aus dem Ausland groß: „Der Anbau von Erdnüssen für den Export hat unsere Böden ausgelaugt und es gibt immer weniger Land für die Eigenversorgung“, erklärt Elhadji Hamath: „Das Problem ist auch, dass die Eigentumssituation oft ungeklärt ist. Ein großer Teil des Landes wird vom Staat an die Bauernfamilien vergeben, während in anderen Gegenden die lokalen Sippenführer die Entscheidung darüber treffen.“ Der Trend zum lukrativen Geschäft mit „Bio-treibstoffen“ hat das westafrikanische Land erfasst und ausländische Konzerne erwerben das Nutzungsrecht für riesige Plantagen, um diese mit Jatropha (Brechnuss) zu bepflanzen. Senegal hat sogar ein eigenes Ministerium für Agrotreibstoffe und erneuerbare Energien geschaffen. Die Folgen bestehen in Verarmung, Hunger und Landflucht: „Vor allem die Jungen sehen am Land keine Perspektive und ziehen in die großen Städte oder emigrieren“, beklagt Malick Ba.Zerstörerische EU-Nahrungsmittelexporte. Obwohl rund 70% der Menschen im Senegal von der Landwirtschaft leben, muss rund die Hälfte der benötigten Lebensmittel importiert werden, was einen fatalen Kreislauf in Gang gesetzt hat. Trotzdem fließen nur 10% des nationalen Budgets in die Landwirtschaft und die Verbesserung der Bedingungen auf dem Land. Relativ günstige, weil hoch subventionierte Lebensmittel aus der EU überschwemmen die Märkte. „Im Senegal werden regional und biologisch erzeugte Lebensmitteln leider nicht wertgeschätzt“, meinte Elhadji Hamath: „Die Vermarktung der eigenen Produkte ist zu schwach, weil die Bauern nicht gut organisiert sind. So kommt es, das aus Europa importierte Produkte wie Coca Cola, Hühnerfleisch, Butter und Käse von der einheimischen Bevölkerung bevorzugt werden.“ Die Produkte der lokalen Bauern finden aufgrund ihrer höheren Preise und veränderter Konsumgewohnheiten nur schlechten Absatz, während die Preise für unverarbeiteten Reis, Mais oder Hirse am Markt extrem niedrig sind.

in dem Link ist eine Doku über eine Senegal-Bauernfamilie:
http://graz.welthaus.at/files/100930_WH ... al_web.pdf

Und das du mir ja nicht nach-recherchierst Stefanie, das ist viel zu anstrengend für dich :-) :lol:

Gruß Peter
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Wolfgang16
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Wolfgang16 »

Hallo Peter,

da werden einem doch wieder die altbekannten Klischees um die Ohren gehauen. Ja, die EU subventioniert Lebensmittel. Das finde ich jetzt auch nicht unbedingt toll, aber das ist der Preis dafür, daß wir hier unsere eigene Lebensmittelproduktion haben und das finde ich gut so. Wir sind halt ein Hochpreisland und da ist das leider etwas teuerer. Wenn wir stattdessen unsere Lebensmittel den Senegalesen wegkaufen würden, dann wäre das Geschrei sicher noch viel größer.

Die EU verschleudert die Überschüsse auch nicht, sondern verkauft sie - soweit ich das weiß - zu Weltmarktpreisen. Nun wird behauptet, die EU drücke dadurch die Preise und verursache Verarmung, Hunger und Landflucht. Deshalb wurden die Überschüsse immer weiter abgebaut, nicht zuletzt auch indem man Biotreibstoffe gefördert hat. Nun steigen die (Weltmarkt-)Preise wieder, aber genau das soll jetzt laut dem Artikel wieder Schuld sein an Verarmung, Hunger und Landflucht.

Also irgendwo paßt das nicht zusammen. Zumindest hätte ich bei einem seriösen Artikel erwartet, daß man auf diesen offensichtlichen Widerspruch irgendwie eingeht.
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Peter D
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Peter D »

Die Schuld der Industrieländer
Afrika war auch nach dem Ende der Kolonialzeit in der Rolle des Rohstofflieferanten verblieben. Die Interessen ausländischer Investoren, aber auch europäische Angebote einer Exporterlösstabilisierung förderten bei afrikanischen Politikern zudem die Illusion, mit Rohstoffexporten ließen sich auf Dauer die benötigten Devisen verdienen - und dies ohne tiefgreifende Entwicklungsanstrengungen. In der Zeit des Kalten Krieges kamen daneben aus strategischen Gründen Regime aufgrund zweifelhafter Legitimierungen an die Macht. Lange angehäufte Schulden lagern seit dem Ende des Kalten Krieges zudem auf den fehlgeleiteten afrikanischen Ländern.

Für eine Exportvielfalt der verarbeiteten Industriegüter fehlen die Mittel, zusätzlich ist natürlicherweise der technologische Graben zwischen Afrika und den Industrieländern immer größer geworden. Darüber hinaus untergraben die mit Subventionen nach Afrika exportierten europäischen Nahrungsmittelüberschüsse nach Meinung vieler Experten die dortige marktorientierte Agrarproduktion, was die Handelsstrukturen weitgehend schwächt.(Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

Gruß Peter


Gruß
Peter
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Peter D
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Peter D »

Sie stehn vor unserer Tür weil:

bis ins 19.Jahrhundert war Afrika ein Reservoir für Menschen, als Sklaven für die Neue Welt - für Amerika.
Mit Beginn der Industriealisierung begann aber der Wettlauf der europäischen Kolonialmächte auf den Kontinent, seine Rohstoffe und seine Menschen.

Afrika, ein Kontinent am Tropf der Industriestaaten

Der afrikanische Kontinent wurde erst mit Beginn der Industriealisierung zum Objekt der Begierde der so genannten zivilisierten Welt, die bis dahin hauptsächlich die Menschen als Sklaven, als kostenlose Arbeitskräfte für die Kolonien in der neuen Welt einsetzte. In einem beispiellosen Wettlauf steckten die Industriestaaten Europas ihre Claims auf dem bis dahin fast unerforschten Land ab, ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen und angestammte Lebensräume der zahllosen Stämme und Völker. An den grünen Tischen der Unterhändler wurden oft Grenzen mitten durch Stammesgebiete und Wanderungswege der Nomaden gezogen, denen nunmehr der Zugang zu den Weidegebieten ihres Viehs verwehrt war. Die gesamte gewachsene Struktur einer seit Jahrtausenden an alle Widrigkeiten der Natur angepassten Wirtschaft wurde mit einigen Strichen auf der Landkarte zerschlagen.

Nach einer fast einhundert jährigen Versklavung der Menschen auch auf ihrem eigenen Land und einer beispiellosen wirtschaftlichen Ausbeutung konnte die offizielle Kolonialherrschaft abgeschüttelt werden, es entstanden scheinbar unabhängige Staaten. Dass diese aber in den von den Europäern gezogenen Grenzen funktionieren sollten, war und ist eines der großen Probleme des Kontinents. Gleichzeitig blieb eine absolute Abhängigkeit von den Kolonialherren, nunmehr direkt von den Rohstoffhungrigen Konzernen bestehen. Die neuen Länder scheinen völlig handlungsunfähig.

Afrikas Menschen brauchen ihr Land zurück

Solange die Menschen in Afrika nicht einmal über ihr eigenes Land verfügen, die fruchtbarsten Ländereien ausländischen Konzernen gehören, die darauf nur Lebensmittel oder gar Blumen für den Export anbauen und zusätzlich der Kontinent von subventionierten Lebensmitteln aus den Industriestaaten überschwemmt wird, ist der Kontinent nicht lebensfähig. Die afrikanischen Bauern und Viehzüchter könnten die Menschen des Kontinents ohne weiteres ausreichend ernähren, doch brauchen sie dazu eine Chance, das Ende des Kolonialismus. Durch die skrupellosen Bedingungen der Weltbank, die Jean Ziegler seit Jahren massiv kritisiert, wird dem gesamten Kontinent verordnet, die Produkte der Industriestaaten abzunehmen und den Konzernen optimale Produktionsbedingungen im eigenen Land zu schaffen. Obwohl die gesamten ehemaligen Kolonialherren eigentlich in der Pflicht wären, an die Afrikaner riesige Entschädigungszahlungen für die Ausbeutung der letzten Jahrzehnte – eigentlich Jahrhunderte – zu leisten, spielen sie sich nach wie vor wie Kolonialherren auf, unter Missachtung der von ihnen selbst verfassten Charta der Menschenrechte. Zusätzlich lassen sie zu, dass die Finanzmafia mit dem Brot der Armen an der Börse spekuliert (http://www.energieleben.at/profit-auf-k ... er-armsten)

Gruß Peter
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Kuno
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Kuno »

Lieber Peter D; kommt es mir jetzt nur so vor oder laeuft es in diesem Thema mittlerweile etwas seltsam? Auf die Beitraege der Leute, die deinen Aussagen gegenueber kritisch eingestellt sind antwortest du eher etwas flach und schiebst gleich wieder irgendwleche Links und Zitate ein, zu denen du nacher sagst, du haettest sie nur fluechtig studiert.

Wenn ich es einmal ganz boese formulieren sollte, dann wuerde ich wohl feststellen, dass du nun genau das machst, was du etwas weiter oben Schu vorgeworfen hast.

Wer nicht deiner Meinung ist, den stellst du gleich in die rechte Ecke. Dann kommt Kolonialismus, Sklaverei, ungehoeriger Reichtum. Und natuerlich die altbekannte die Erbschuld des "boesen Westens".

Ich sitze gerade in Algerien und nebst dem schauen der 'Euro News' diskutiere ich auch etwas mit den Einheimischen im Hotel. Peter D; auch wenn es dich vielleicht ueberrascht; die haben so ziemlich die gleiche Meinung, wie Stefanie aus Aegypten weiter oben dargestellt hat...

Und damit wir wieder mal auf das Thema zurueckkommen - es heisst "Fluechtlinge - Hafen Europa erreicht, und dann?"
Wolfgang K
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Wolfgang K »

Moin, Moin.

Was das Thema „Ausländerkriminalität“ angeht:
Jürgen hat es schon richtig gesagt: Es ist ein Milieu Problem. Es hat nichts direkt mit Religion, Abstammung etc. zu tun, sondern mit dem Milieu in dem Menschen in Europa leben. Ohne das jetzt auf der Stelle belegen zu können würde ich sagen, dass sich die Milieus von Migranten, deren Einwanderung lange zurückliegt und denen der aktuellen Wirtschaftsflüchtlinge deutlich unterscheiden – insbesondere wenn diese sich nach negativ verlaufenen Asylverfahren ggf. illegal in der EU aufhalten.
Die Frage muss also eigentlich lauten: Warum befinden sich Migranten häufig in einem bestimmten Milieu, bzw. warum landen Zuwanderer in einem solchen.

Wenn man mal alle ideologischen Aspekte außen vor lässt, dann bleibt im Kern für die schon lange in Europa lebenden (ich sag mal EX-Migranten) die Frage stehen: Wie ist dieses Milieu-Problem zu lösen – und zwar für diejenigen, die in diesem Milieu hängen – und wer hat was und in welchem Umfang zu erbringen: Bei schon lange in Deutschland lebenden Migranten ist das eine Aufgabe für die Europäischen Gesellschaften. Egal wie man es dreht und wendet: Eine Gesellschaft umfasst unterschiedliche Milieus und alle sie sind Teil der Gesellschaft. Aus dieser Zugehörigkeit ergeben sich Rechte und Pflichten. Das ist genau das was als „Integrationsdebatte“ laufen haben.

Falsch ist die (stillschweigende) Vermischung dieser Debatte mir der Problematik der Wirtschaftsflüchtlinge (es ist nichts Abwertendes in dieser Feststellung), die weiter versuchen nach Europa zu kommen um irgendwie Fuß zufassen. Hier sind die Auslöser gesellschaftliche Verhältnisse in den Heimatländern. Das Flüchtlingsproblem ist weder für Europa noch für die Herkunftsländer existenzbedrohlich (im Vergleich zu anderen Problemen). Katastrophal sind die Konsequenzen aber für alle direkt Betroffenen: Für die Flüchtlinge aber auch für Einwohner von z.B. Lampedusa oder andere Brennpunkten wo sich die Probleme häufen.

Leider haben sich dem Thema die Ideologen angenommen. Das verhindert nicht nur eine sachliche Diskussion, sondern führt auch durch monokausale Vereinfachung immer weiter von der Lösung weg - und ist somit Teil des Problems und nicht der Lösung.

Peter, die Argumente die Du anführst mögen sicher einen Effekt haben. Allerdings ist die Dependenz Theorie(en) nicht mehr ganz Stand der Zeit. Es gilt als widerlegt, dass externe Faktoren – insb. Interaktionen von Industrieländern und Entwicklungsländern - der wesentliche oder gar alleinige Grund für die Probleme sind. Diese Faktoren spielen auch eine Rolle, aber da es ihnen an Erklärungskraft für die Situation fehlt, ist hier auch nicht die (alleinige) Lösung des Problems zu finden.

Grüße
Wolfgang
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Peter D
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Peter D »

Kuno hat geschrieben:Lieber Peter D; kommt es mir jetzt nur so vor oder laeuft es in diesem Thema mittlerweile etwas seltsam? Auf die Beitraege der Leute, die deinen Aussagen gegenueber kritisch eingestellt sind antwortest du eher etwas flach und schiebst gleich wieder irgendwleche Links und Zitate ein, zu denen du nacher sagst, du haettest sie nur fluechtig studiert.

Wenn ich es einmal ganz boese formulieren sollte, dann wuerde ich wohl feststellen, dass du nun genau das machst, was du etwas weiter oben Schu vorgeworfen hast.

Wer nicht deiner Meinung ist, den stellst du gleich in die rechte Ecke. Dann kommt Kolonialismus, Sklaverei, ungehoeriger Reichtum. Und natuerlich die altbekannte die Erbschuld des "boesen Westens".

Ich sitze gerade in Algerien und nebst dem schauen der 'Euro News' diskutiere ich auch etwas mit den Einheimischen im Hotel. Peter D; auch wenn es dich vielleicht ueberrascht; die haben so ziemlich die gleiche Meinung, wie Stefanie aus Aegypten weiter oben dargestellt hat...

Und damit wir wieder mal auf das Thema zurueckkommen - es heisst "Fluechtlinge - Hafen Europa erreicht, und dann?"
Off Topic On
Lieber Kuno, ich würde mich freuen wenn jeder hier sein Ding reinstellt ohne nachher eine Psychogrammanalyse über den jeweiligen Foristen zu erstellen. :mrgreen:
Geht das ? 8)
Ich habe das eingestellt, es führt zu nichts.
Und im politischen Bereich ist das doppelt heikel.
Daher kannst du die gebetsmühlenartigen wiederholungen des "ins rechte Eck stellen" endlich einstellen.

Alexander hats ja schon erklärt. In dem Bereich geht keiner auch nur einen Milimeter ab von seiner linie bis ins Grab und die Sachdiskussion ist dann irgendwann außen vor.

Natürlich sind meine Erklärungen/Zitate ein Gegengewicht zu manchen Ausführungen von euch. No Na. Aber nicht persönlich.
Das ist für mich aber ein ethisches Go.
Es sind immerhin ausschließlich nur Zitate von Menschen, die noch etwas besitzen was man Mitgefühl nennt.
I
Alle hängen hier immer wieder kurz ein Posting rein, das nicht exakt zur Überschrift paßt. Wer das nicht macht werfe den ersten Stein.

Und alles wird gut... :-)

Gruß Peter
Off Topic Out
Zuletzt geändert von Peter D am Do 1. Mär 2012, 01:01, insgesamt 2-mal geändert.
Der Mut des Wassertropfens besteht darin, dass er es wagt, in die Wüste zu fallen
Stefanie
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Stefanie »

Mein Vorschlag:
machen wir doch diesen Thread wieder zu dem, was er war: ein Info-Thread mit "Kurzdiskussionen" (steht im Bereich "Presseclub" :wink: )
Sollte Interesse an einer Diskussion bestehen, so sollten wir vielleicht im Beduinenzelt fortfahren...
Ich fuer meinen Teil finde die ganze Sache seit ein paar Seiten echt elend!
Gruesse aus Baharia
Stefanie

Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
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Peter D
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Peter D »

Leider haben sich dem Thema die Ideologen angenommen. Das verhindert nicht nur eine sachliche Diskussion, sondern führt auch durch monokausale Vereinfachung immer weiter von der Lösung weg - und ist somit Teil des Problems und nicht der Lösung.

Peter, die Argumente die Du anführst mögen sicher einen Effekt haben. Allerdings ist die Dependenz Theorie(en) nicht mehr ganz Stand der Zeit. Es gilt als widerlegt, dass externe Faktoren – insb. Interaktionen von Industrieländern und Entwicklungsländern - der wesentliche oder gar alleinige Grund für die Probleme sind. Diese Faktoren spielen auch eine Rolle, aber da es ihnen an Erklärungskraft für die Situation fehlt, ist hier auch nicht die (alleinige) Lösung des Problems zu finden.

Grüße
Wolfgang
Wolfgang, du hast hier ideologiefrei reüssiert, auch wenn du Ideologien hast...Du hast damit meinen uneingeschränkten Respekt.

Quelle über die prozentuale Wirkungsverteilung der Benachteiligung Afrikas hast du keine angegeben.
Würde mich sehr interessieren...
So, ich hab das jetzt im Wiki nochmal .überprüft
Im Wiki wird aktuell bei den Subventionen der europ.Produkte eine Senkung derselben zwar festgestellt, gleichzeitig bleiben aber die Subventionen immer noch sehr hoch. Stimmt also wie du es schilderst nicht so ganz !

Ich habe auch schon Kuno gesagt, das ich persönliche Feststellungen, wie z.b. etwa deiner das ich ein "stereotyper Ideologe" bin, ablehne. stereotyper Ideologe kommt schon etwas in die Nähe eines persönlichen Angriffs.
Das hat hier keinen Platz.
Ich habe das jedenfalls seit dem Apell von Alexander eingestellt und ich halte mich daran. Das ist man ihm schuldig.
Mir geht dieses "erweiterte" umreißen der jeweiligen Persönlichkeit zu weit.

Davon abgesehen ist dein Post über die "Hafensituation" ein ausgesprochen brilliantes Gedankenkonstrukt, ist nicht mehr zu toppen. 8)
Gruß
Peter
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Wolfgang K »

Hallo Peter,
es geht nicht um die alleinige Quantifizierung exogener Faktoren, die auf die Entwicklungsländer einwirken.

Mir ging es um die grundsätzliche Erklärungskraft der rein exogenen Faktoren. Die Gegenposition wäre eine Erklärung durch rein endogene Faktoren. Es ist jedoch eine Mischung aus beiden – und das in jedem Fall (Land/Witschaftsraum) eine andere. Sich auf einen Bereich festzulegen wird zu keinem Erklärungsansatz führen – und damit auch zu keiner Lösung. Aber das sind alles Binsenweisheiten. Warum dann doch immer einzelne Faktoren zur (EDIT: praktisch alleinigen) Erklärung der Gesamtsituation (in diesem Fall Migration) herangezogen werden erschließt sich mir nicht.

Wenn Wiki als Quelle ok ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dependenztheorie


Grüße
Wolfgang
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Peter D
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Peter D »

Hallo Wolfgang,
Aber ja, die endogenen Faktoren sind ebenso enorm, die kleinen Posting-Kästchen hier im Web lassen nur einen gewissen begrenzten Rahmen an spontanen gegenseitigen Ideen und Austausch zu. Hier isoliert im Schiff erreichen wir nichts. HIngegen wenn ich dich persönlich zu den Grünen und Greenpeace nach Wien einlade wäre das Ergebnis spannender. :mrgreen:

Und auf den Waffenstillstand der persönlichen Angriffe den Alexander hier postuliert und an den ich mich halte. bist du nicht eingegangen. Hast du ausgeblendet. :cry:
Irgendwann in drei Tagen erfahr ich dann in einem Posting warum. Diese Patchwork-Diskussion ist mir dann zu mühsam.

Ich sollte mich mehr auf Sonnenuntergänge fokussieren das ist pflegeleichter. :wink:

sandige Grüße
Peter
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Wolfgang K »

Und auf den Waffenstillstand der persönlichen Angriffe den Alexander hier postuliert und an den ich mich halte. bist du nicht eingegangen. Hast du ausgeblendet.
Ich habe lediglich den oben von Dir zitierten(!) recht einseitigen Darstellungen widersprochen. Ich möchte noch nicht mal behaupten, dass Du Dir diese Aussagen zu eigen machst.
Wir sind doch auf einer ganz sachlichen Ebene, oder nicht?


Grüße
Wolfgang
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Re: Flüchtlinge - "Hafen Europa" erreicht, und dann?

Beitrag von Peter D »

Danke Wolfgang, ist okay :wink:

sandiger Gruß
Peter
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